Ex-Drogeriekönig vor Gericht Schlecker-Familie drohen Zivilverfahren

Auf die Familie des Ex-Drogeriemarktkönigs Anton Schlecker kommen weitere Verfahren zu. Gegen seine Frau und Kinder sollen zwei Zivilprozesse geführt werden. Dabei geht es um 21,4 Millionen Euro.

Die Schlecker-Familie (Meike, Anton, Lars und Christa Schlecker im Mai
picture alliance/ Thomas Warnac

Die Schlecker-Familie (Meike, Anton, Lars und Christa Schlecker im Mai


Vor mehr als fünf Jahren ging die Drogeriemarktkette Schlecker insolvent, die juristische Aufarbeitung der Pleite ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Am Montag wird das Urteil gegen den ehemaligen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker erwartet. Wenige Wochen später muss sich seine Familie vor Gericht verantworten: Vom 12. Dezember an wird ein Zivilprozess gegen die Ehefrau und Kinder Schleckers am Landesgericht im österreichischen Linz verhandelt, berichtet die "Wirtschaftswoche".

Der österreichische Insolvenzverwalter der Schlecker-Nachfolgefirma Dayli fordert laut "Wirtschaftswoche" von den Beklagten 20 Millionen Euro Schadenersatz. Ein weiteres Zivilverfahren gegen die Schlecker-Familie ist zudem vor dem Landgericht Zwickau anhängig. Insgesamt geht es laut dem Bericht um Forderungen in Höhe von 21,4 Millionen Euro.

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Prozess gegen Anton Schlecker: Plötzlich im Rampenlicht

Der Vorwurf von Dayli: Zwischen 2008 und 2011 seien Gelder von der Schlecker-Tochter in Österreich nach Deutschland geflossen, die über den in der Bilanz ausgewiesenen Gewinn hinausgingen. Die Beklagten hätten dies genehmigt. Ein Anwalt der Schlecker-Familie hält die Zahlungen dem Bericht zufolge für zulässig und sieht den Vorgang als verjährt an.

Im Verfahren im sächsischen Zwickau fordert der Insolvenzverwalter des früheren Schlecker-Personaldienstleistern Meniar 1,37 Millionen Euro vom ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmens sowie von Lars, Meike und Christa Schlecker. Ein erster Gütetermin habe bereits stattgefunden, momentan würden Schriftsätze ausgetauscht, sagte der Gerichtspräsident der "Wirtschaftswoche".

Drei Jahre Haft für Schlecker gefordert

In dem Strafprozess gegen Anton Schlecker geht es vor allem um die Frage, wann Anton Schlecker hätte wissen müssen, dass sein Imperium zahlungsunfähig ist - denn von da an hätte er keinen Cent mehr daraus abziehen dürfen. Weil auch die Staatsanwaltschaft mittlerweile von einem späteren Zeitpunkt ausgeht als demjenigen, der in der Anklage zunächst genannt war, verringerte sich auch der Umfang der Vorwürfe und der damit verbundene Schaden.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Schadenssumme von gut 16 Millionen Euro aus. Aus ihrer Sicht hat Schlecker vor der Insolvenz der einst größten Drogeriemarktkette Europas mehrere Millionen Euro beiseitegeschafft und damit dem Zugriff der Gläubiger entzogen. Außerdem soll Schlecker jahrelang überhöhte Stundensätze an die von seinen Kindern geführte Logistik-Tochterfirma LDG gezahlt und damit ebenfalls einen Millionenschaden verursacht haben. Dafür soll er nach Willen der Anklage mit drei Jahren Haft bestraft werden.

vks/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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k.michael62 25.11.2017
1. Schlecker
Schlecker schuldet(e) mir auch noch sehr, sehr viel Geld. Wenn er nun einen Schuldspruch deliktischer Art bekommt, macht das die Anspruchswege wieder auf. Dann könnte man gegen die Kinder vorgehen. Komplizierter Prozess, mehrstufig. Lohnt es sich? Vielleicht lässt man mal die Kanzleien einen Brief an die Kinder schreiben, wenn da aus Vernunft ein Vergleichsangebot aussergerichtlich kommt kann man sich das ja sparen.
53er 25.11.2017
2. Wer so gute Laune hat,
der kann sich auch noch weiteren Gerichtsverfahren stellen und hat vermutlich noch genügend Schotter in der Hinterhand. Am Montag wird wohl wieder die übliche Show abgehalten, ziemlich schuldig, aber naja auch irgendwie ein Wohltäter, dann eben auf Bewährung. Die alt bekannte, deutsche Gerichtsleier, wenn es um Schuldfragen ab einer gewissen Summe geht. Man kann nur hoffen, dass es ziemlich teuer wird, auch was die nachfolgenden Zivilklagen anbelangt. Die "Schleckerfrauen" (sie mögen mir diesen Ausdruck verzeihen, aber der heisst nun mal so ;-) ) werdens mit Freuden danken.
hruprecht 25.11.2017
3. komisch
Der Personalfirma seiner Kinder soll er überhöhte Stundensätze gezahlt haben. Seit wann entscheidet nicht mehr der Unternehmer selber wieviel man an andere Unternehmen zahlt?
dbrown 25.11.2017
4. Dieser Mann
gehört bis auf's Hemd ausgezogen! Sich jahrelang bereichern und dann alles verschieben und die Gläubiger gehen leer aus!? Das geht gar nicht. Aber er kommt bestimmt mit Bewährung und Zahlung eines Trinkgeldes davon auf Grund deutscher popeliger gesetze.
MartinBeck 25.11.2017
5. Risiko
Der Hass gegen die Familie Schlecker ist unangemessen. Die Schleckers hatten eine gute Geschäftsidee, haben hart gearbeitet und viele tausende Menschen und Firmen haben von ihrem Erfolg profitiert. Risiko gehört zum Geschäft. Das Risiko ist eingetreten, unabhängig davon, ob die Unternehmerfamilie noch Geld auf die Seite geschafft. Und jetzt passiert, was gerne passiert: alle die Profiteure (dazu gehören auch die Mitarbeiter, die vergleichsweise sichere Arbeitsplätze genießen konnten) haben alles schon vorher gewußt und sind jetzt auf der Besserwisserseite. Ja, fragt man sich: Wenn es so viele begabte Unternehmer in Deutschland gibt, warum wagen sich die nicht aus der Deckung und zeigen dem Markt, wie's geht?
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