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Schlimmer als bei Lehman: Europas Finanzmärkte standen kurz vor Kollaps

Die europäische Finanzwelt ist nur knapp an einem Total-Zusammenbruch vorbeigeschrammt. Laut EZB-Monatsbericht drohte Anfang Mai ein Kollaps von Banken-, Aktien und Devisenmarkt. Offenbar hat nur das beherzte Eingreifen der Notenbank das Schlimmste verhindert.

EZB-Zentrale in Frankfurt: Sprunghafte und gefährliche Verschlechterung der Lage Zur Großansicht
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EZB-Zentrale in Frankfurt: Sprunghafte und gefährliche Verschlechterung der Lage

Frankfurt am Main - Die Formulierung ist etwas verklausuliert. Von "einer schweren Störung der Märkte" ist im Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) die Rede, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Erst bei näherem Hinsehen wird klar, was sich hinter dem Satz verbirgt: Offenbar drohte den Finanzmärkten Anfang Mai ein regelrechter Tsunami, der sogar die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brother in den Schatten gestellt hätte.

Konkret schreibt die EZB, dass sich die Lage am 6. und 7. Mai sprunghaft und gefährlich verschlechtert habe. Dafür seien zwar andere Faktoren verantwortlich gewesen als seinerzeit nach der Lehman-Pleite. Jedoch könne eine Vielzahl von Parallelen gezogen werden. "Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der die Stimmung umschlug, sowie mit Blick auf die jähe Flucht der Finanzinvestoren in sichere Anlagen."

Was ist geschehen? Die EZB schreibt in ihrem Bericht, dass der Vertrauensverlust am zweiten Mai-Wochenende mit rasender Geschwindigkeit vom Anleihe- auf den Interbankenmarkt übergegriffen und in der Folge die Aktien- und Devisenmärkte erfasst habe. In der Nacht zum folgenden Montag kippte die Notenbank dann eines ihrer ehernen Gesetze - und kaufte Staatspapiere von Euro-Ländern am Sekundärmarkt. Bis heute hat sie Anleihen im Volumen von 47,1 Milliarden Euro erworben und will damit so lange weitermachen, bis die Lage wieder unter Kontrolle ist.

Kreditfluss zwischen den Banken drohte zu versiegen

Für die EZB war das ein Tabubruch. Kritik kam von außen - und auch von innen. So geht ein Riss durch den EZB-Rat, Bundesbank-Präsident Axel Weber etwa wird nicht müde, die Risiken der Käufe zu brandmarken.

Doch offenbar hatte die Notenbank gar keine andere Wahl. Das schreiben zumindest die Autoren des EZB-Monatsberichts: Durch die Ketten- und Panikreaktion an den Finanzmärkten sei nämlich nicht nur der Übertragungsmechanismus der Geldpolitik empfindlich gestört worden. Die Lage war offenbar so brisant, dass ein Kollaps des Kreditflusses und der sich gerade von der Rezession erholenden Konjunktur in der Euro-Zone zu befürchten stand: "Im gesamten Eurogebiet war der Zugang der Banken zur Marktfinanzierung erheblich beeinträchtigt", konstatiert die EZB. Mit anderen Worten: Am Interbankenmarkt, auf dem sich die Kreditinstitute in normalen Zeiten untereinander Geld leihen, ging nichts mehr.

Den ersten Schlag erhielt das Finanzsystem laut EZB am 6. Mai durch den plötzlichen und bis heute nicht ganz geklärten Einbruch des Dow-Jones-Index an der Wall Street. Hinzu kamen die Schuldenprobleme in Griechenland und anderen Staaten der europäischen Währungsunion, die dem Markt für Staatspapiere seit geraumer Zeit zusetzten. Von dort aus griff die Panik auf den Geldmarkt über und ließ die Furcht vor einer Bankenpleite am 7. Mai, dem letzten Handelstag vor dem Eingriff der Zentralbank, explodieren - erkennbar an Indizes, die die Wahrscheinlichkeit einer Bankenpleite bewerten.

Bearbeitungsstau verschärft die Panik

"So stieg die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Zahlungsausfalls von zwei oder mehr großen und komplexen Bankengruppen des Eurogebiets sprunghaft an und überschritt die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers beobachteten Werte", heißt es in dem Bericht. Am Aktienmarkt gerieten Papiere aus der Finanzbranche massiv unter Druck.

Auch der Devisenmarkt wurde von dem Flächenbrand erfasst, ebenso der Dollar-Geldmarkt in Europa - an dem die Kosten für Refinanzierungsgeschäfte in US-Währung in die Höhe schnellten. Zwar hatte der Euro wegen der griechischen Schuldenkrise bereits massiv Federn gelassen. Nun sorgten jedoch ungewöhnlich viele Währungsorders und eine Überlastung des weltgrößten Devisenabwicklungssystems CLS für weitere Verunsicherung der Akteure.

Der Rückstand bei der Bearbeitung der Transaktionen "führte zu Unsicherheit, da es über einen längeren Zeitraum außergewöhnlich viele offene Geschäfte gab", schreibt die EZB. Das beschleunigte die Abwärtsspirale: "Es wurden Bedenken laut, dass ein schwerwiegenderes systemisches Problem und nicht bloß ein sprunghafter Anstieg des Volumens die Verzögerungen bedingt haben könnte."

Mit anderen Worten: Die Angst vor dem großen Knall war Anfang Mai mit Händen zu greifen.

mik/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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1. Beinahe-Kollaps an der Tagesordnung
schläferzelle 18.06.2010
War mit Sicherheit auch nicht das letzte Mal, dass die Märkte vor dem Kollaps stehen oder standen. Unsere ganze Gesellschaft steht kurz vor dem Kollaps. Bisher haben wir es knapp überstanden. Die kommende Zeit wird uns zeigen was geschieht. Logisch. Ist des nur "Theaterdonner" oder sind wir echt soweit in Ungnade gefallen?
2. .
frubi 18.06.2010
Zitat von sysopDie europäische Finanzwelt ist nur knapp an einem Total-Zusammenbruch vorbeigeschrammt. Laut EZB-Monatsbericht drohte Anfang Mai ein Kollaps von Banken-, Aktien und Devisenmarkt. Offenbar hat nur das beherzte Eingreifen der Notenbank das Schlimmste verhindert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701437,00.html
Schade. Ich hätt die Finanzwelt jedenfalls nicht sonderlich vermisst.
3. Panikmacher in den Knast!
Europa! 18.06.2010
Wer sind eigentlich diese Finanzterroristen, die mit ihrer Panikmache die Märkte, die Wirtschaft und am Ende uns alle ins Elend zu reißen versuchen? Wer das Vertrauen in unser Währungs- und Wirtschaftssystem untergräbt, steht auf einer Stufe mit Sprengstoffattentätern und sollte entsprechend bestraft werden.
4. "das Schlimmste"
fgranna 18.06.2010
Zitat von sysopDie europäische Finanzwelt ist nur knapp an einem Total-Zusammenbruch vorbeigeschrammt. Laut EZB-Monatsbericht drohte Anfang Mai ein Kollaps von Banken-, Aktien und Devisenmarkt. Offenbar hat nur das beherzte Eingreifen der Notenbank das Schlimmste verhindert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701437,00.html
Und? Was wäre denn "das Schlimmste" gewesen? Nun haben wir doch "das Schlimmste auf Raten"...
5. ...
Strichnid 18.06.2010
Naja, alle guten Dinge sind drei. Nächstes Mal klappt es mit dem Reset, endlich.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

Fotostrecke
Grafiken: So entwickeln sich die Staatsschulden weltweit
Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.

Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.

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