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Schmerzhafter Sparplan: Jobkrise erschüttert Griechenland

Die Lage in Griechenland verschlechtert sich: Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres um mehr als drei Prozent gestiegen. Das Staatsdefizit fällt deutlich höher aus als erwartet - Premierminister Papandreou warnt, sein Land könne den von der EU vorgegebenen Sparplan nicht erfüllen.

Athen - Die Risikoaufschläge auf Anleihen steigen, die Regierung in Athen spart Geld, wo sie kann - das alles hat verheerende Auswirkungen auf den griechischen Jobmarkt. Die Arbeitslosenquote ist im August auf 12,2 Prozent gestiegen, gab das griechische Statistische Amt bekannt. Im gleichen Monat vergangenen Jahres stand sie noch bei neun Prozent.

Laut einer Studie der Gewerkschaft des privaten Sektors (GSEE) könnte es noch schlimmer werden. Bis zum Jahresende könnte es in Griechenland demnach 20 Prozent Arbeitslose geben.

Nach Angaben des Händlerverbandes gibt es für den drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit mehrere Gründe: Die indirekten Steuern wurden mehrfach erhöht, die Mehrwertsteuer stieg von 19 Prozent auf 23 Prozent, Gehälter wurden gekürzt, Pensionen und Renten um fast 20 Prozent gekappt.

Griechenland war in der Finanz- und Wirtschaftskrise stark unter Druck geraten. Um eine Staatspleite des Landes zu verhindern, hatten die Euro-Länder und der IWF daraufhin Kredithilfen in Höhe von insgesamt bis zu 110 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre zugesagt. Im Gegenzug musste sich die griechische Regierung zu rigiden Sparplänen verpflichten.

Die Neuverschuldung dürfte trotzdem höher ausfallen als zunächst vereinbart. Sein Land werde das mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Defizitziel von 8,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) überschreiten, sagte der griechische Premierminister Giorgos Papandreou am Donnerstag in Athen.

Die EU-Statistikbehörde Eurostat hatte bislang ein Defizit von 13,6 Prozent berechnet, am Montag wird sie die Zahl auf voraussichtlich mehr als 15 Prozent anheben.

ssu/AFP/dpa-AFX

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1. Der Anfang vom Ende
AIonso 11.11.2010
Zitat von sysopDie Lage in Griechenland verschlechtert sich: Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres um mehr als drei Prozent gestiegen. Das Staatsdefizit fällt deutlich höher aus als erwartet - Premierminister*Papandreou warnt, sein Land könne den von der EU vorgegebenen Sparplan nicht erfüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,728681,00.html
Griechenland wird das komplette Europa ins Verderben reißen!
2. Merkel und Co. sollten man BWL für Anfänger besuchen
Kein Kommentar 11.11.2010
Zitat von sysopDie Lage in Griechenland verschlechtert sich: Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres um mehr als drei Prozent gestiegen. Das Staatsdefizit fällt deutlich höher aus als erwartet - Premierminister*Papandreou warnt, sein Land könne den von der EU vorgegebenen Sparplan nicht erfüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,728681,00.html
Wir werden amüsante nächste zwei Jahre erleben. Amüsant im Hinblick darauf, wie naiv unsere Politiker vorgegangen sind. Die Realität wird für die meisten Leute schrecklich werden. Unsere Politiker werden hilflos mitansehen müssen, was passiert. Erlebt man jetzt in Irland und Griechenland. Bald auch in anderen Ländern. Nennt sich importierte Inflation, risikogerechte Zinsen, Haushaltsdefizite und bald auch Handelsbeschränkungen. Lala-Land und Friede, Freude ist hiermit offiziell vorbei. Willkommen im neuen Jetzt!
3. warum
Robinson 54 11.11.2010
Zitat von sysopDie Lage in Griechenland verschlechtert sich: Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres um mehr als drei Prozent gestiegen. Das Staatsdefizit fällt deutlich höher aus als erwartet - Premierminister*Papandreou warnt, sein Land könne den von der EU vorgegebenen Sparplan nicht erfüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,728681,00.html
Das war von Anfang an klar, jeder der denkt das die Weltwirtschafts/systems/krise vorbei ist der ist ein Träumer. Es wird bitter für uns alle. Die Verschuldung der westlichen Staaten kann nicht mehr getilgt werden und deswegen wird es zu einem Umpruch kommen und wie der aussieht kann keiner voraussagen.
4. hauptsache der nichtdeutsche
CHANGE-WECHSEL 11.11.2010
Zitat von sysopDie Lage in Griechenland verschlechtert sich: Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres um mehr als drei Prozent gestiegen. Das Staatsdefizit fällt deutlich höher aus als erwartet - Premierminister*Papandreou warnt, sein Land könne den von der EU vorgegebenen Sparplan nicht erfüllen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,728681,00.html
Hauptsache der nichtdeutsche Josef Ackermann von der Deutschen Bank kann weiterhin seine 10 Millionen im Jahr verdienen und sein Renditeziel auf 25% hoch schrauben.
5. Es geht nur noch abwärts
wwwwalter 11.11.2010
Alle haben es eigentlich gewußt, und jetzt kommt es, das Unvermeidliche. Es ist völlig banal, und man muß wirklich kein Wirtschaftsprofessor sein, um vorhersagen zu können, dass ein Land, das sich auf Geheiß von EU und IWF kaputtsparen muß, finanziell auch kaputtgehen wird. Griechenland kann nur Steuern einnehmen, wenn die Wirtschaft wieder anläuft. Da aber brutalstmöglich gespart werden muss, kann die griechische Wirtschaft beim besten Willen nicht wieder hochkommen. Das ist ein sich selbst verstärkender Prozess. Und dabei geht noch mehr Geld in den Orkus. Man hätte Griechenland kurz nach dem Offenbarungseid in den Staatsbankrott gehen lassen müssen, mit Umschuldung, Rauswurf aus dem Euro, und allen anderen Konsequenzen. Nur mit Rücksicht auf die Banken hat man das nicht gemacht, politische Gründe spielen vielleicht auch noch mit rein. Wenn die Sache jetzt an die Wand fährt, werden die Konsequenzen nur noch drastischer. Kommen noch Irland und Portugal mit weiteren massiven Finanzierungslücken hinzu, dann ist der Euro endgültig im Todeskampf.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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Das griechische Sparprogramm
Wie viel Griechenland sparen möchte
AP
Bis 2013 möchte die Regierung in Athen insgesamt 30 Milliarden Euro einsparen. Alleine in diesem und im kommenden Jahr will das Land insgesamt 7,6 Milliarden Euro weniger ausgeben. Das Sparpaket ist Bedingung für die Bereitstellung der Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro.

Das Haushaltsdefizit soll schrittweise von derzeit rund 15,4 Prozent auf 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2014 gedrosselt werden - und damit unter die EU-Schuldengrenze. Wegen der erforderlichen Neuaufnahme von Krediten wird der griechische Schuldenberg aber voraussichtlich bis zunächst 2013 auf rund 190 Prozent des BIP ansteigen.

Folgen für den Staat und seine Bediensteten
Die öffentlichen Investitionen werden um 1,5 Milliarden Euro zurückgefahren. Die Verkleinerung des Staatsapparats soll eine weitere Milliarde Euro einsparen. Das 13. und 14. Monatsgehalt für Staatsbedienstete ist gestrichen worden, wobei niedrige Gehaltsgruppen einen Ausgleich in Höhe von jährlich 1000 Euro erhalten.

Zudem soll im öffentlichen Dienst nur jede fünfte Stelle, die frei wird, neu besetzt werden. Spätestens im Herbst 2011 sind darüber hinaus weitere Stellenstreichungen geplant.

Folgen für Rentner
AFP
Die höchsten Pensionen sind gekürzt worden, zudem erhalten Pensionäre weniger Urlaubs-, Weihnachts- und Ostergeld. Das Renteneintrittsalter ist erhöht worden: 40 Jahre lang müssen Arbeitnehmer künftig Beiträge einzahlen, um die volle Rente zu erhalten.
Steuererhöhungen
Griechenland hat die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent erhöht. Auch die Steuern auf Alkohol, Tabak und Benzin sind gestiegen. Die Regierung erhebt zudem eine Ökosteuer, auch Glücksspiele und Unternehmensgewinne werden besteuert. Für illegale Bauvorhaben ist eine Strafsteuer fällig. Insgesamt sollen die Erhöhungen in den kommenden zwei Jahren 7,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen.
Folgen für die griechische Wirtschaft
REUTERS
Durch die radikalen Einsparungen rechnet das griechische Finanzministerium zunächst mit einem Verlust der Kaufkraft und damit mit einem Rückschlag für die Wirtschaft. Prognosen sagen in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent voraus, 2011 soll das BIP demnach um weitere 3,0 Prozent schrumpfen. Erst für 2012 rechnen die Experten wieder mit einem leichten Wachstum.
Rettungspaket für Griechenland
Volumen
AFP
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen.
Die Kosten für die Euro-Länder
dpa
Den größten Anteil bei der Griechenland-Hilfe der Euro-Staaten steuert Deutschland bei: Mit rund 22,4 Milliarden Euro über drei Jahre trägt die Bundesrepublik etwa 28 Prozent des Gesamtpakets. Allein 2010 entfallen auf Deutschland 8,4 Milliarden Euro. Die deutschen Kredithilfen sollen von der Staatsbank KfW fließen. Die zweitgrößte Summe zahlt Frankreich mit knapp 17 Milliarden Euro, danach folgt Italien mit 14,7 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Wo das Geld für Griechenland herkommt
Internationaler Währungsfonds 30 Milliarden Euro
Deutschland 22,3 Milliarden Euro
Frankreich 16,8 Milliarden Euro
Italien 14,7 Milliarden Euro
Spanien* 9,8 Milliarden Euro
Niederlande 4,7 Milliarden Euro
Belgien 2,9 Milliarden Euro
Österreich 2,3 Milliarden Euro
Portugal 2,1 Milliarden Euro
Finnland* 1,5 Milliarden Euro
Irland 1,3 Milliarden Euro
Slowakei* 0,8 Milliarden Euro
Slowenien* 0,4 Milliarden Euro
Luxemburg 0,2 Milliarden Euro
Zypern 0,2 Milliarden Euro
Malta 0,1 Milliarden Euro
* In diesen Staaten steht die Zustimmung des Zustimmung des Parlaments noch aus.
Zinshöhe
dpa
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche, länger laufende Anleihen würde der Euribor (Zinssatz, den europäische Banken voneinander beim Handel von Termineinlagen verlangen) auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet.

Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.

Sparauflagen
AP
Griechenland muss nach Angaben seines Finanzministeriums 30 Milliarden Euro sparen, um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Länder für die Kredithilfen zu erfüllen. Das Sparprogramm der Regierung in Athen umfasst Gehaltskürzungen für Staatsbedienstete, einen Einstellungsstopp im staatlichen Sektor auf unbestimmte Zeit, Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.
Bedingungen und Risiken
Die Auszahlung der Hilfen ist an die Einhaltung der Sparmaßnahmen geknüpft, die zwischen Internationalem Währungsfonds (IWF), Euro-Gruppe, Europäischer Zentralbank (EZB) und der Regierung in Athen vereinbart wurden. Der IWF kontrolliert vierteljährlich. Die Gefahr einer Staatspleite ist für Griechenland noch nicht völlig gebannt. Gelingt es der dortigen Regierung nicht, ihr Sparprogramm durchzusetzen, gerät die Geschäftsgrundlage für das Rettungspaket in Gefahr. Verläuft die griechische Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung schlechter als angenommen, entsteht zudem neuer Hilfebedarf.
Risiken für den deutschen Steuerzahler
dpa
Die deutschen Kredite werden vom Bund garantiert - der übernimmt also das Ausfallrisiko. Werden die Kredite von Griechenland plangemäß zurückgezahlt, könnte Deutschland sogar an den Zinsen verdienen. Denn die Staatsbank KfW kann Kredite zu niedrigeren Zinssätzen aufnehmen und verleiht das Geld dann zu erhöhten Sätzen an Athen. Erst nach drei Jahren dürfte klar sein, ob Griechenland das Geld zurückzahlen kann - falls nicht, muss der deutsche Steuerzahler einspringen.


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