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Schrottanleihen: US-Firmen sehen Pleitewelle anrollen

Amerikas Finanzmärkten droht ein neues Beben. Ab 2012 werden laut "New York Times" Schrottanleihen im Wert von 700 Milliarden Dollar fällig. Zahlreiche Firmen brauchen dringend frisches Geld, dürften aber bei der Refinanzierung leer ausgehen. Mögliche Folge: eine Welle von Pleiten.

New Yorker Börse: Sind die Finanzmärkte mit der Refinanzierung der Rekordschulden überfordert? Zur Großansicht
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New Yorker Börse: Sind die Finanzmärkte mit der Refinanzierung der Rekordschulden überfordert?

New York - Droht der US-Finanzbranche ein "Tag der Abrechnung"? Dieses Szenario entwirft die "New York Times": Demnach stehen insbesondere Private-Equity-Unternehmen, die sogenannten Heuschrecken, und Firmen mit schwacher Bonität vor einem massiven Schuldenproblem.

In den Jahren 2012 bis 2014 werden laut der US-Zeitung 700 Milliarden Dollar an hochverzinslichen Risikoanleihen ("junk bonds") fällig. Die Unternehmen müssen entsprechend neue Kredite aufnehmen oder Anleihen an den Märkten platzieren. Unklar sei, ob die Märkte diese immense Menge von Refinanzierungswünschen überhaupt erfüllen werden. Das bedeutet: Zahlreichen Firmen können gezwungen sein, höhere Zinsen zu zahlen. Im schlimmsten Fall droht ihnen die Pleite.

Das Schuldenproblem wird noch durch zwei weitere Faktoren verschlimmert: Auch die US-Regierung müsse 2012 1,8 Billionen Dollar für neue und fällig werdende Schulden finanzieren. Unternehmen mit guter Bonität ("investment grade") würden 2012 526 Milliarden Dollar an neuen Schulden aufnehmen müssen. Die Folge könne ein "finanzieller Tag des jüngsten Gerichts" sein, bei dem die Gläubiger mit der schlechtesten Bonität auf der Strecke bleiben.

US-Schuldenberg: Schwachen Schuldnern droht der Kredit-Entzug Zur Großansicht
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US-Schuldenberg: Schwachen Schuldnern droht der Kredit-Entzug

Das Problem hätte dann laut "New York Times" gravierende Auswirkungen auf die gesamte US-Wirtschaft, könnte zu steigender Arbeitslosigkeit und geringeren Konsumausgaben führen. Zudem hätten auch Privatpersonen Probleme, an neue Kredite kommen.

Die düsteren Prophezeiungen stammen nicht nur von chronischen Schwarzsehern. Sogar die Rating-Agentur Moody's, die für ihre Zurückhaltung bekannt ist, schlägt Alarm: "Ab 2012 droht eine Lawine, wenn die Firmen dieses Problem nicht gelöst bekommen", sagte Moody's-Experte Kevin Cassidy der Zeitung. Anleiheexperten sprechen von einer "maturity wall", einer "Mauer der Fälligkeit".

Dass die Unternehmen bald überhaupt so massive Probleme mit ihren Schulden bekommen dürften, liegt in der Zeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise begründet: Vor 2007 war es für Firmen - insbesondere aus dem Private-Equity-Bereich - sehr leicht, an neues Geld zu kommen. Typischerweise werden diese Kredite aber nach fünf bis sieben Jahren fällig, also ab 2012. Dazu kommt: Viele Unternehmen, deren Kredite eigentlich 2009 und 2010 fällig wurden, konnten diese nicht zuletzt wegen massiver Staatshilfen noch einmal um zwei bis drei Jahre verlängern. Dadurch stauten sich noch mehr Schulden an.

Zahltag für Heuschrecken

Für ein "Who's Who" der Private-Equity-Firmen ist damit Zahltag, schreibt die "New York Times". Denn die "Heuschrecken" haben ihre Firmenkäufe zum Großteil über Schulden finanziert und diese Kredite dann den gekauften Unternehmen aufgebürdet - viele gelten schon jetzt als völlig überschuldet. Die Krankenhauskette HCA, gekauft von Bain Capital und Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR), muss etwa in den Jahren 2012 bis 2014 13,3 Milliarden Dollar refinanzieren. Weitere 20,9 Milliarden Dollar werden beim KKR-Tochterunternehmen TXU fällig, einem texanischen Versorger.

Es gibt aber auch Optimisten, die darauf hinweisen, dass in den vergangenen Monaten gerade die Hochrisiko-Anleihen auf große Nachfrage gestoßen seien. Wenn das so weitergehe, könnten die Unternehmen sich refinanzieren, bevor Anleihen fällig werden, sagte Branchenexperte Martin Fridson der "New York Times": "Die Unternehmen haben zwei Jahre Zeit, um die 'maturity wall' umzuwerfen."

Neben den Firmen könnte das Refinanzierungsproblem laut "New York Times" auch die US-Regierung betreffen. Kreditwürdig bleibt die größte Volkswirtschaft der Welt natürlich, allerdings könnte die Verschuldung für die USA teurer werden. Moody's warnte am Montag davor, die Vereinigten Staaten seien einem möglichen Verlust ihres AAA-Top-Ratings "substantiell" näher gerückt.

Momentan gibt die US-Regierung bereits sieben Prozent ihrer Einnahmen dafür aus, alte Kredite zu bedienen. Laut einem Szenario von Moody's könnten es 2013 schon elf Prozent sein.

cte

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. So dicht an der Wahrheit...
JoschSche 16.03.2010
"...Denn die "Heuschrecken" haben ihre Firmenkäufe zum Großteil über Schulden finanziert und diese Kredite dann den *gekauten* Unternehmen aufgebürdet - viele gelten schon jetzt als völlig überschuldet..." Für sich schon ganz nett - noch wahrer wäre es nach einer Korrektur mit "L"...
2. Rekordverschuldung
Burkhardt1949, 16.03.2010
betrifft nicht nur die USA, sondern auch viele europäische Länder. Das die Blase platzt ist wohl jedem klar. Die Frage ist nur wann und wie man sich als Privatperson darauf vorbereiten kann.
3. Die Angst geht um.
Hubert Rudnick, 16.03.2010
Zitat von sysopAmerikas Finanzmärkte droht ein neues Beben. Ab 2012 werden laut "New York Times" Schrottanleihen im Wert von 700 Milliarden Dollar fällig. Zahlreiche Firmen brauchen dringend frisches Geld, dürften aber bei der Refinanzierung leer ausgehen. Mögliche Folge: eine Welle von Pleiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,683881,00.html
In der USA geht die Angst um, denn die Seifenblas der Finanzwelt könnte erneut platzen. Aber jeder normaldenkende Menschen weiß auch so, dass dieses Finanzspiel nicht auf Dauer funktionieren kann. All die Heuschrecken, die mitverantwortlich für das Pokerspiel sind müssen erneut von den Bürger sehr viel Geld aus der Tasch holen und sie erneut mit hohen Versprechen bezirzen. Allerdings haben die Ökkonmen aus längst vergangener Zeit den Menschen über dieses Wirtschaftsystem gewarnt, sie hatten immer wieder uns drauf aufmerksam gemacht, dass es zwangsläufig zu einer schrecklichen Katastrophe kommen wird und all die Finanzkrisen haben den Menschen aber nicht genug davor wachgerüttelt, es wird weitergepokert und das Vermögen der Menschheit verzockt.
4. -
jan delta 16.03.2010
Zitat von Hubert RudnickIn der USA geht die Angst um, denn die Seifenblas der Finanzwelt könnte erneut platzen. Aber jeder normaldenkende Menschen weiß auch so, dass dieses Finanzspiel nicht auf Dauer funktionieren kann. All die Heuschrecken, die mitverantwortlich für das Pokerspiel sind müssen erneut von den Bürger sehr viel Geld aus der Tasch holen und sie erneut mit hohen Versprechen bezirzen. Allerdings haben die Ökkonmen aus längst vergangener Zeit den Menschen über dieses Wirtschaftsystem gewarnt, sie hatten immer wieder uns drauf aufmerksam gemacht, dass es zwangsläufig zu einer schrecklichen Katastrophe kommen wird und all die Finanzkrisen haben den Menschen aber nicht genug davor wachgerüttelt, es wird weitergepokert und das Vermögen der Menschheit verzockt.
Das ist richtig,Woodrow Wilson hat sich 1913 dafür entschuldigt,das man der FED das Instrument der Währungssicherung und das Herstellen derselben ermöglicht hat.Dies machte die früheren und heutigen gewollt herbeigeführten Krisen überhaupt erst möglich,aufkommen für die Verluste müssen ausnahmslos die Bürger.
5. Das ist doch allen klar.
llothar 16.03.2010
Tja dann müssen die US Amerikaner halt mal wieder lernen mit richtigen Waren und Dienstleistungen Geld zu machen anstatt mit Finanzschiebereien. Mir tut es nur um die Leute leid die in Amerika nichtmal Hartz IV bekommen können. Dagegen leben wir hier im Hort der Stabilität. Das die USA nicht mehr zu retten ist - und auch Grossbritannien nicht - sollte jedem seit 2008 klar sein, seitdem das Finanzvolumen der Voodo Ökonomie jedem offenbar ist. Aber dank Spiegel und anderen Mainstream Medien glauben halt noch einige an das System des bedruckten Geldscheines und dem Vermögen der digitalen 0 und 1 im Bankcomputer. Wird SPON irgendwann auch verblüfft feststellen das die gewerblichen Immobilien krachen? Ach was für eine Überraschung.
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Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

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Lehren aus dem Kollaps
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank
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"Die Banken setzen die Lehren aus der Krise Schritt für Schritt um. Schwerpunkt dieser Reformen ist das Risikomanagement: Die gewohnten Modelle werden gründlich überarbeitet, Stresstests intensiver eingesetzt. Die Banken haben ihr Eigenkapital erhöht, die Fremdfinanzierung ihrer Geschäfte abgebaut, ihre Liquiditätspuffer verstärkt, die Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern verringert und die Strukturen von Forderungen und Verbindlichkeiten noch mehr miteinander in Einklang gebracht. Überkomplexe Finanzprodukte sind zugunsten mehr standardisierter und transparenter Produkte aus dem Angebot verschwunden. Die Leitlinien für die Kundenberatung wurden überarbeitet, und besonders für Verbriefungen und Derivate entstehen derzeit übersichtlichere und solidere Marktinfrastrukturen. Nicht zuletzt passen die Banken aber auch ihre Vergütungsmodelle an. Ziel ist dabei, die Vergütung noch besser am nachhaltigen Erfolg und den längerfristigen Interessen der Aktionäre auszurichten."
Lloyd C. Blankfein, Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs
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"Die Bezahlung von Mitarbeitern sorgt für kontroverse Diskussionen. Anreize können zu Exzessen führen, wenn sie falsch gesetzt werden. Und es gibt wohl keine Rechtfertigung für die Zahlung überhöhter Boni, wenn eine Bank Verlust gemacht hat. Die notwendige Verbesserung von Anreizstrukturen ist allerdings kein Allheilmittel gegen unzureichendes Risikomanagement. Nicht wenige Finanzinstitute hatten Vermögenswerte in Milliardenhöhe in ihren Büchern. Oft behielten sie diese, weil sie nicht wussten, dass es sich um hochgefährliche Instrumente handelte. Diese Institute und ihre Mitarbeiter hatten die Folgen zu tragen. Nach solchen Schocks besteht verständlicherweise der Wunsch, unser Regulierungssystem zu reformieren. Wir sollten jedoch überlegen, was wir mit Regulation erreichen wollen. Es wird faktisch unmöglich und für die wirtschaftliche Entwicklung schädlich sein, jegliches Risiko zu eliminieren. Risikomanagement und Fair-Value-Bewertung sind wichtige Lehren aus der Krise."
Niall Ferguson, Historiker an der Harvard-Universität und Autor
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"Trotz vieler Diskussionen über Regulierung wird man sich dem größten Fehler in unserem Finanzsystem wohl nicht widmen. Er lässt sich in einem Satz ausdrücken: 'too big to fail' - die Banken sind zu groß, um unterzugehen. Leider gibt es keinen Hinweis darauf, dass Politiker in den USA oder Europa den ernsthaften Wunsch haben, das Existenzrecht dieser Institute in Frage zu stellen. Auch die Medien begreifen das Wesentliche nicht. Die Menschen beschäftigen sich lieber mit Gehältern von Bankern, weil es leicht zu verstehen ist, dass der Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein 2000-mal mehr verdient als der Durchschnittsbürger. Aber das ist nicht die Ursache des Problems. Die Banken, die zu groß sind, um unterzugehen, können wahnsinnige Summen zahlen, weil sie den Lohn der Risiken einheimsen, ohne die Kosten zu tragen: das Risiko pleitezugehen. Solange sie existieren, wird das internationale Finanzsystem nicht mehr sein als eine Parodie eines wirklich freien Marktes."
Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank
DPA
"Europa hat schnell und mutig auf die Krise reagiert. Die Europäische Zentralbank hat ihre Fähigkeit zu raschem und entschlossenem Handeln unter Beweis gestellt, in völligem Einklang mit ihrem vorrangigen Auftrag, Preisstabilität zu gewährleisten. Der Euro hat einen unverzichtbaren Beitrag geleistet, die Auswirkungen der Krise zu vermindern. Was das globale Finanzsystem betrifft, so müssen wir seine Widerstandsfähigkeit stärken, übermäßiges Kurzfristdenken abbauen und für volle Transparenz sorgen. Wir müssen insbesondere gegen solche Faktoren vorgehen, die übermäßige Schwankungen nach oben wie nach unten verstärken. Vergütungssysteme müssen längerfristigen Zielsetzungen Rechnung tragen und dürfen exzessive Risikobereitschaft nicht belohnen. Die allgemeine Wirtschaftspolitik sollte übergroße binnen- und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte, wie sie der Krise zugrunde lagen, vermeiden und sich auf die Förderung eines nachhaltigen Wohlstands ausrichten."

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