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08. Juni 2011, 21:27 Uhr

Schulden am Limit

Dritter Rating-Riese droht USA mit Abstufung

Es ist der nächste Warnschuss für die größte Wirtschaftsmacht der Welt: Mit Fitch warnt auch die dritte der großen Rating-Agenturen vor einer Absenkung der Bonitätsnote für die USA. Auch der Konjunkturbericht für Mai gibt wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise.

Washington - Erst Standard & Poor's, dann Moody's, jetzt Fitch: Die dritte der großen Rating-Agenturen zieht eine Herabstufung der US-Bonität in Betracht. Sollte der Kongress in Washington es bis Anfang August nicht schaffen, die gesetzliche Schuldenobergrenze für den Haushalt zu erhöhen, könnte dies eine Abwertung zur Folge haben, schrieb das Unternehmen in einem am Mittwoch veröffentlichten Report.

Fitch droht, konkret würde man die Kreditwürdigkeit der USA von der Bestnote "AAA" auf "B+" ändern. Die Rating-Agentur begründete den Schritt ähnlich wie die Konkurrenten: Könnten sich die Parteien nicht auf den als Routine geltenden Schritt einigen, würde das eine Regierungskrise bedeuten. Theoretisch würde der erste Zahlungsausfall der USA in der Geschichte drohen - mit möglicherweise dramatischen Konsequenzen auf den Finanzmärkten.

Die USA müssen bis zum 2. August die Grenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar deutlich anheben, um zahlungsfähig zu bleiben. Die Republikaner erklärten, der Anhebung nur zuzustimmen, wenn Obama weitere Kürzungen zusagt. Das Land hatte die Latte eigentlich schon Mitte Mai gerissen, bleibt aber nach den Worten von Finanzminister Timothy Geithner durch "außergewöhnliche Maßnahmen" flüssig - gemeint sind Bilanzierungstricks.

Aus dem Finanzministerium hieß es zur Fitch-Warnung, dies sei "eine weitere starke Mahnung". An den Märkten sorgte sie kaum für Unruhe.

US-Wachstum schwächt sich teilweise ab

Auch der Konjunkturbericht der US-Notenbank für den Monat Mai enthält wenig Positives: Demnach hat sich das Wachstum in den USA teilweise etwas abgeschwächt. Einige Notenbank-Distrikte hätten zuletzt von einem etwas schwächeren Wachstum berichtet, heißt es in dem Beige Book genannten Bericht. Dies gelte für die Regionen New York, Philadelphia, Atlanta, und Chicago. Demgegenüber habe sich das Wachstum in anderen Distrikten fortgesetzt oder sogar leicht beschleunigt. Generell zeige die Entwicklung nach oben.

Der wichtige Industriesektor ist laut dem Bericht in den meisten Regionen weiter gewachsen, zum Teil aber etwas langsamer als bislang. Die Konsumausgaben hätten sich gemischt entwickelt - hier dürften vor allem höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise belastet haben. Die Autoverkäufe seien zuletzt eher schwach ausgefallen, auch wegen Zulieferschwierigkeiten wegen der Japan-Katastrophe.

Den Häusermarkt umschreibt die Notenbank als unverändert schwach. Lediglich bei Mietwohnungen habe sich die Lage zuletzt gebessert. Der wichtige Arbeitsmarkt habe sich moderat verbessert, das Lohnwachstum sei aber immer noch bescheiden. Nahezu alle Distrikte hätten über deutlich gestiegene Rohstoffpreise berichtet, die von den Unternehmen zumindest teilweise auf die Endpreise umgelegt worden seien.

Der Bericht bezieht sich auf Daten bis zum 27. Mai. Zuletzt stark enttäuschende Frühindikatoren und Arbeitsmarktdaten sind in die Untersuchung damit nicht eingeflossen.

fdi/Reuters/dpa-AFX/AFP

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