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DIW-Chef fordert: Deutschland soll Griechenland bis zu 50 Milliarden erlassen

DIW-Chef Fratzscher: Schuldenerlass gegen Reformen Zur Großansicht
DPA

DIW-Chef Fratzscher: Schuldenerlass gegen Reformen

Kurz vor der entscheidenden Parlamentswahl in Griechenland diskutieren Ökonomen über einen Schuldenschnitt. Die Gläubiger sollten dem Land die Hälfte seiner Verbindlichkeiten erlassen, fordert DIW-Chef Marcel Fratzscher.

Berlin/Wien - Der Berliner Ökonom und Regierungsberater Marcel Fratzscher plädiert dafür, Griechenland die Hälfte seiner Schulden zu erlassen. "Wir sollten uns auf eine Diskussion über eine Schuldenumstrukturierung einlassen", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Freitag dem Österreichischen Fernsehen ORF. Wenn Griechenland im Gegenzug zu weiteren Reformen bereit sei, sollte eine Halbierung der Staatsschulden ins Auge gefasst werden, sagte Fratzscher. "Das heißt: 120 Milliarden Euro müssten eigentlich abgeschrieben werden."

Deutschland werde als Gläubiger dann wahrscheinlich "mit 40 bis 50 Milliarden Euro dabei" sein, sagte Fratzscher. Eine solche Summe sei für das Land sicherlich verkraftbar. Griechenland ist schon 2012 ein Schuldenschnitt gewährt worden: Dabei erließen Banken und andere private Gläubiger Verbindlichkeiten in Höhe von 107 Milliarden Euro.

Das DIW gehört zum Kreis führender Forschungsinstitute, die die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen beraten. In Griechenland wird am 25. Januar neu gewählt. Umfragen zufolge liegt die linke Syriza unter Alexis Tsipras vorn. Tsipras will die im Gegenzug für Finanzhilfen von 240 Milliarden Euro zugesagten Reformen stoppen und mit den Europartnern sowie dem IWF einen Schuldenerlass vereinbaren.

Die EZB weigert sich

Ganz so einfach dürfte das allerdings nicht werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa, die griechische Staatsanleihen im Volumen von rund 25 Milliarden Euro hält, hat eine Beteiligung an einem Schuldenschnitt kategorisch ausgeschlossen. Die Notenbank dürfe dies nicht, sagte Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré dem Sender France 24. Die von der EZB in der Eurokrise erworbenen Anleihen des Landes seien tabu, weil ein Schuldenerlass eine verbotene Staatsfinanzierung bedeuten würde. Dies sei gegen das Gesetz. "Die Europäischen Verträge besagen das ganz deutlich", sagte Coeuré.

Mit der Neuwahl in Athen gewinnt die griechische Schuldenkrise wieder an Brisanz, da die EZB nur drei Tage zuvor über ihren geldpolitischen Kurs berät: Dann könnte sie ein massives Staatsanleihen-Kaufprogramm auflegen, um die maue Kreditvergabe und die lahmende Wirtschaft in der Eurozone anzuheizen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg geht es um bis zu 500 Milliarden Euro.

Coeuré trat dem Eindruck entgegen, die EZB wolle damit Marktturbulenzen nach einem Sieg der Reformgegner in Athen verhindern: "Da gibt es keinerlei Zusammenhang", betonte Coeuré.

stk/Reuters

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insgesamt 125 Beiträge
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1. Kein Schuldenschnitt!
Immanuel_Goldstein 09.01.2015
Wer den Steuerzahler zum Verzicht auf sein Eigentum auffordert, der sollte zurücktreten, denn er ist nicht mehr tragbar. Wenn Griechenland 50 Milliarden braucht, dann kann es dieses Geld bei Banken beschaffen, oder aber Valuta verkaufen. Dann muss man sich eben irgendwann doch von ein paar Inselchen trennen. Jeder Schuldner verliert sein Hab und Gut, warum soll es Staaten und Banken da besser gehen, wenn sie schlecht wirtschaften?
2.
Spanier.cs 09.01.2015
Wo bleibt hier die Kommunikation für die Bürger? Es sollten sich gerade Menschen, die behaupten, dass ein Land "sicherlich" Abschreibungen auf geliehenes Geld in Höhe von 50mrd. € leisten können, hinstellen und erklären, wie diese These zu belegen ist. Szenarien sollten dem Volk näher gebracht werden. Hier sehe ich ein unglaubliches Versagen der Politik gegenüber dem Volk. Schlussendlich soll die Krise erfolgreich beendet werden, aber nicht über unsere Köpfe hinweg.
3. Marcel Fratzscher soll Privatvermögen für GR opfern
new_eagle 09.01.2015
Marcel Fratzscher plädiert also dafür, Griechenland die Hälfte seiner Schulden zu erlassen. Ich plädiere dafür, dass Marcel Fratzscher 50% seines Privatvermögens der Griechischen Regierung spendet. Meine Steuergelder jedenfalls sollen dafür nicht geopfert werden!
4. Ein CDU-Erfolg
tyr-7 09.01.2015
Die Fonds und Banken haben (absehbar) ihre Lasten durch massgeblichen Lobbyistenerfolg und politische MIthilfe auf den Steuerzahler übertragen ! Bravo CDU !
5. Ganz einfach
Progressor 09.01.2015
Fährt eine Volkswirtschaft über längere Zeit hohe Leistungsbilanzüberschüsse, dann kommen diese irgendwann letzten Endes in Kausalitätsablauf als Verlustabschreibung wieder zurück, weil die Handelspartner pleite sind. Das Dumme an der Sache ist, dass diejenigen die am meisten vom Exportüberschuss profitiert haben, nämlich die Exportindustrie, dann zur Finanzierung der Verluste nicht herangezogen werden. Wie auch immer: Unsere Exportüberschüsse in die USA haben wir anlässlich der Finanzkrise 2008 "beglichen", nun ist Griechenland dran, weitere werden folgen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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