Schulden-Staat paradox: Portugal hortet gewaltige Goldreserven

Neuer Wirbel um Portugal: Laut Zeitungsberichten diskutieren Übergangsregierung und EU-Experten eine Aufstockung der Hilfen für das schuldengeplagte Land. Zugleich sitzt die Regierung auf riesigen Goldreserven -und rührt sie nicht an für die Haushaltssanierung.

Übergangspremier Sócrates: Kampf gegen den Schuldenstrudel Zur Großansicht
REUTERS

Übergangspremier Sócrates: Kampf gegen den Schuldenstrudel

Hamburg - Die Meldungen könnten kaum widersprüchlicher sein: Nach Angaben der portugiesischen Zeitung "Diário Económico" gehen Experten der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) davon aus, dass Portugal deutlich mehr Hilfskredite braucht als bisher veranschlagt. Statt der geplanten 80 könnten es bis zu hundert Milliarden Euro sein, heißt es. Allein zehn Milliarden benötige der Bankensektor.

Gleichzeitig erregt ein Artikel in der britischen "Times" Aufsehen. Demnach sitzt die Regierung in Lissabon auf gewaltigen Goldreserven, macht jedoch keine Anstalten, diese zu verkaufen - trotz Hilfskrediten, hoher Schulden und ungeachtet des enorm hohen Goldpreises.

Gut 382,5 Tonnen Gold horte Portugals Regierung, berichtet die "Times". Geschätzter Wert: rund 20,7 Milliarden Dollar. Das entspricht ungefähr neun Prozent der jährlichen portugiesischen Wirtschaftsleistung, es ist die höchste Quote in ganz Europa.

Angehäuft hat das Edelmetall der Diktator António de Oliveira Salazar: Er schichtete einen Teil der Staatseinnahmen in Gold um, vor allem zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Damals soll der Diktator auch Gold von den Nazis geliefert bekommen haben.

Könnte Portugal das Gold überhaupt verkaufen?

Berücksichtige man die Goldreserven als Faktor in Portugals Haushalt, stehe das Land wesentlich besser da, sagte Rob Carnell, Chefökonom der ING-Bank, der "Times". Tatsächlich könnte die Regierung mit einem gezielten Goldverkauf ihre Schulden deutlich drücken und ihren Bedarf an Hilfskrediten begrenzen.

Manche Experten sind jedoch skeptisch, inwieweit man Portugal Verkaufsträgheit vorwerfen kann. Eine groß angelegte Abstoßaktion "könnte das falsche Signal an die Märkte senden", sagt Ross Norman, Chef der Gold-Brokers Sharps Pixley, der Zeitung. Sie könnte eine Investorenpanik provozieren und das Schuldenproblem verschlimmern.

Portugal musste als drittes europäisches Land um Finanzhilfe bitten. Die Wirtschaft wuchs in den vergangenen zehn Jahren kaum, die Industrie ist international nicht wettbewerbsfähig, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als zehn Prozent, reihenweise melden Firmen Insolvenz an. Gegenwärtig wird über die Bedingungen des Hilfspakets verhandelt. Die EU will noch vor der Wahl im Juni eine Einigung erzielen.

Ob sie im Zweifelsfall mehr als die bislang veranschlagten 80 Milliarden Euro bewilligen würde, ist unklar. Laut "Diário Económico" soll eine Expertengruppe im Laufe des Tages mit der Übergangsregierung und der Opposition darüber sprechen.

ssu

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insgesamt 170 Beiträge
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1. Da hilft nur eins
Viva24 03.05.2011
was die EU machen kann. US Special Forces anfordern, Befehl Eingriff und "Griff" in die Goldtruhe in Lissabon. Bitte dann auch den Steuerzahlern in Deutschland was rüberschicken!
2. aha...
spigalli 03.05.2011
na und - nur weil sie Gold im Wert von 20Mrd USD haben, heisst es ja noch langenicht, dass sie auch 20Mrd USD dafür bekämen, wenn sie verkaufen würden. Irgendwie eine falsche Sicherheit... "Aber Schatz, ist doch nicht schlimm, wenn wir die Raten fürs Haus nur durch neue Schulden finanzieren können - wir haben ja das Haus als Sicherheit..." Grüße aus der Welt in der ich lebe.
3. Deutschland zahlt doch immer
Wattläufer 03.05.2011
Zitat von sysopNeuer Wirbel um Portugal: Laut Zeitungsberichten diskutieren Übergangsregierung und EU-Experten eine*Aufstockung der*Hilfen für das schuldengeplagte Land. Zugleich sitzt die Regierung auf riesigen Goldreserven -und rührt sie nicht an für die Haushaltssanierung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,760331,00.html
Warum sollten sie auch ? Das würde ich als Portugiese auch nicht machen. Notfalls zahlt ja Deutschland und wenn Deutschland Unwillen zeigt zu zahlen beschimpft man sie als Nazi. Dann zahlt Deutschland bestimmt.
4. Und wieder einmal
flower power 03.05.2011
Zitat von sysopNeuer Wirbel um Portugal: Laut Zeitungsberichten diskutieren Übergangsregierung und EU-Experten eine*Aufstockung der*Hilfen für das schuldengeplagte Land. Zugleich sitzt die Regierung auf riesigen Goldreserven -und rührt sie nicht an für die Haushaltssanierung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,760331,00.html
...reingefallen auf die Rating-Agenturen...haha ...reingefallen auf eine Europa, welches wir retten müssen.. ...reingefallen auf welche, sie eben schlauer sind als wir ...reingefallen auf das Deutsche Wohl..... Jedes Land hat die Regierung, die es verdient......
5. vorbauen..
fritz_64 03.05.2011
für die Zeit nach dem Euro, das wird die Devise der Portugiesen sein. Warum sollten sie also jetzt verkaufen wo doch die Freunde aus dem Norden die Zeche bezahlen...
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