Schuldenangst: IWF wappnet sich gegen globale Dauerkrise

Der Internationale Währungsfonds rüstet auf - für den Notfall: Die Finanzmittel für Krisenländer könnten laut "FAZ" von 940 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar aufgestockt werden. Auch das Volumen des Euro-Rettungsschirms könnte der BBC zufolge vervierfacht werden.

IWF-Chefin Lagarde: Befürworterin einer Kapitalaufstockung Zur Großansicht
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IWF-Chefin Lagarde: Befürworterin einer Kapitalaufstockung

Berlin - Die Furcht vor einer neuen globalen Finanzkrise ist präsenter denn je - doch dieses Mal will der Internationale Währungsfonds (IWF) besser vorbereitet sein als 2008. Dafür braucht er allerdings mehr Geld - und das will er sich nun besorgen: Zwei Modelle seien im Gespräch, mit denen Finanzmittel von derzeit rund 940 Milliarden Dollar auf 1,3 Billionen Dollar oder mehr steigen könnten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ohne Angabe von Quellen.

Zum einen gehe es darum, dass bilaterale Kreditlinien, die einzelne Länder während der Finanzkrise dem IWF temporär gewährt hatten, in höherem Volumen fortgeführt werden könnten. Eigentlich sollten diese Kreditlinien im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar künftig auslaufen. Mit diesen freiwilligen Vereinbarungen könnte dem IWF sehr kurzfristig mehr Geld verschafft werden, schreibt die Zeitung.

Zum anderen stehe zur Debatte, dass die neuen Kreditvereinbarungen nicht - wie noch im November 2010 vereinbart - abgeschmolzen werden sollen. Sie waren in diesem Jahr um mehr als das Zehnfache auf rund 573 Milliarden Dollar erhöht worden. Diese Kreditvereinbarungen sollten im Ausmaß der Kapitalerhöhung verringert werden. Würde diese Absprache aufgegeben, läge die Kapitalausstattung des Fonds laut "FAZ" künftig bei rund 1,3 Billionen Dollar.

Der IWF ist alarmiert: Die Euro-Krise, die hohe Verschuldung der USA und Schwächen im Bankensektor beunruhigen den Währungsfonds. Vor allem IWF-Chefin Christine Lagarde warnt vor großen Risiken für das System. Ziel der Aufstockung sei es nun, mehr Länder in Wirtschaftskrisen vor Ansteckungsgefahren schützen zu können, schreibt die Zeitung. Die Verhandlungen über die Kapitalaufstockung stünden jedoch erst am Anfang. Auf der Jahrestagung am Wochenende sei ein Prüfauftrag erteilt worden. Insbesondere die Hilfen für schuldengeplagte Euro-Länder belasten die Mittel des IWF.

Lagarde zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass eine erneute Weltfinanzkrise verhindert werden kann. Beim Schuldenabbau sei bereits vieles angeschoben worden, bei der verbesserten Kapitalausstattung der Banken oder Finanzreform schon einiges erreicht worden, sagte sie zum Abschluss der Tagung in Washington. Der Lenkungsausschuss des IWF, in dem die Richtlinien vorgegeben werden, erklärte: "Wir werden gemeinsam handeln, um Vertrauen und Finanzstabilität wiederherzustellen und das weltweite Wachstum wieder aufleben zu lassen."

EU-Regierungen wollen Plan in spätestens sechs Wochen fertig haben

Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten planen auch die Euro-Länder neue Schritte zur Eindämmung der Krise. Im Zentrum steht eine Erweiterung des derzeitigen Euro-Rettungsschirms. "Wir denken über Möglichkeiten nach, den EFSF mit zusätzlicher Hebelwirkung auszustatten, um ihm mehr Stärke zu verleihen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der "Welt". Diese Maßnahme solle zusätzlich zu der bereits im Juli beschlossenen Ausweitung der Aufgaben des Rettungsschirms erfolgen, fügte er hinzu.

Der britischen BBC zufolge könnte der EFSF von derzeit 440 Milliarden Euro künftig mit zwei Billionen Euro ausgestattet werden - also vervierfacht werden. Die EU-Regierungen hofften darauf, den Plan in fünf bis sechs Wochen fertiggestellt zu haben. Die "Times" berichtet ebenfalls von einer deutlichen Aufstockung des EFSF. Demnach ist eine Ausweitung der Mittel auf mindestens eine Billion im Gespräch.

Der Fonds Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) vergibt Notkredite an hochverschuldete Euro-Länder. Künftig soll er zudem Anleihen von Schuldenstaaten kaufen können, und nicht erst bei akuten Krisen, sondern auch vorsorglich Kreditlinien bereitstellen dürfen. Auch sollen Darlehen an Staaten vergeben werden dürfen, damit diese ihre Banken und andere Finanzinstitute refinanzieren können. Aus Sicht der Finanzmärkte reicht dies alles aber nicht aus, um nach Griechenland auch weiteren Ländern der Euro-Zone bei ihren Schuldenproblemen helfen zu können.

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yes/Reuters/dpa

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1. Was soll schon wieder das verlogene Gerede ...
Pinin 26.09.2011
... von wegen Auftsockung ... Hebelwirkung ... etc. Das ganz klare Ziel dieser EURO-Wahnsinnigen ist ein Rettungsschirm der Marke UNENDLICH. Aber vielleicht denken diese Leute auch schon weiter: Nach dem zu erwarteten Gesamt-Zusammenbruch soll kein Land ungeschoren davonkommen, so dass nach dem folgenden reset alle bei Null anfangen müssen. Aber bis dahin können noch Maßnahmen in den Schuldenländern finanziert werden, die dann nach disem reset nützlich sind. Und die doofen Deutschen haben sich bis zum reset dumm und dämlich gespart und ihre Infrastruktur verkommen lassen.
2. Witz komm ´raus
walter_e._kurtz 26.09.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds rüstet auf -*für den Notfall: Die Finanzmittel*für Krisenländer könnten laut "FAZ" von 940 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar aufgestockt werden. Auch das Volumen des*Euro-Rettungsschirms könnte der BBC zufolge vervierfacht werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788328,00.html
Wenn dies wirklich passiert und der Finanzindustrie eine solche Summe "bereitgestellt" wird, wird Europa brennen! Auf die eine oder andere Weise! Diese Prophezeiung ist nun wirklich nicht schwer zu machen...
3. Ich hatte schon vor Wochen geschrieben,
Michael KaiRo 26.09.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds rüstet auf -*für den Notfall: Die Finanzmittel*für Krisenländer könnten laut "FAZ" von 940 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar aufgestockt werden. Auch das Volumen des*Euro-Rettungsschirms könnte der BBC zufolge vervierfacht werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788328,00.html
warum nur 440 Milliarden oder 700 Milliarden? Ist doch eh alles abstrakt. Ich bin auch nicht für 2 Billionen. Was soll der Geiz. Setzen wir den Fonds Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) doch gleich auf 3 Trillionen an. Ach was, machen wir ne runde 1 Trilliarde daraus. Dann darf auch jeder mal unter diesen Schirm. Oder wie wärs mit ner runden 1 Quadrilliarde?
4. wtf !?
clonck 26.09.2011
...und nächsten Monat verzehnfachen wir die Summen nochmals? Im kommenden Jahr reden wir dann nicht mehr von Billionen, sondern Trillionen? Wer anhand der absurden Enwicklung der Zahlengrößenordnungen immernoch nicht begriffen hat, dass da versucht wird eine unsausweichliche exponentielle Entwicklung zu bekämpfen, der muss blind und dumm sein. Unser globales Geldsystem ist am Ende. Aus dem nichts geschöpfte Geldvermögen mit Zinseszins zu verknüpfen endet in exponentiellem Wachstum der Geldmengen - bzw. Schuldenbergen auf der anderen Seite der Bilanz. Es ist schon bizarr wie die Reichen und Mächtigen mit allen Mitteln versucht wird am gescheiterten System fest zu halten. Das wird am Ende ein Chaos geben, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.
5. ...
zwischendominante 26.09.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds rüstet auf -*für den Notfall: Die Finanzmittel*für Krisenländer könnten laut "FAZ" von 940 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar aufgestockt werden. Auch das Volumen des*Euro-Rettungsschirms könnte der BBC zufolge vervierfacht werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788328,00.html
Bereits im oben stehenden Aufmacher werden Dimensionen genannt, die das Vorstellungsvermögen des ehrlich arbeitenden kleinen Mannes bei Weitem übersteigen. Es macht Angst. Auch durchschaut man schon nicht mehr, wer wem eigentlich mit Krediten, "Kreditlinien" usw. dient. Hab ich da richtig gelesen von Fortschritten beim Schuldenabbau? Mein Eindruck ist, dass das Neu-Verschulden immer gespenstischere Ausmaße annimmt - und wenn es das Verschulden um der Rettung an Verschuldung Scheiternder Willen ist ... Ich kann mich leider des Eindrucks nicht erwehren, dass sich an dem Hin und Her von Schulden und Krediten und wieder Schulden eine ganz bestimmte Kaste weltweit eine sehr goldene Nase verdient ... auf Kosten der Zukunft. Bedenklich stimmt mich, dass wir eigentlich das Vermögen an Finanzen und natürlichen Lebensgrundlagen unserer Enkel schon aufgebraucht haben, ganz zu schweigen davon, wie wir uns am natürlichen Reichtum unserer Erde, an Tieren und Pflanzen vergehen - und dafür wird unsere Generation einst bitter verachtet werden.
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.

Fotostrecke
Der IWF: Struktur des Währungsfonds