Berlin - Die Furcht vor einer neuen globalen Finanzkrise ist präsenter denn je - doch dieses Mal will der Internationale Währungsfonds (IWF) besser vorbereitet sein als 2008. Dafür braucht er allerdings mehr Geld - und das will er sich nun besorgen: Zwei Modelle seien im Gespräch, mit denen Finanzmittel von derzeit rund 940 Milliarden Dollar auf 1,3 Billionen Dollar oder mehr steigen könnten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ohne Angabe von Quellen.
Zum einen gehe es darum, dass bilaterale Kreditlinien, die einzelne Länder während der Finanzkrise dem IWF temporär gewährt hatten, in höherem Volumen fortgeführt werden könnten. Eigentlich sollten diese Kreditlinien im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar künftig auslaufen. Mit diesen freiwilligen Vereinbarungen könnte dem IWF sehr kurzfristig mehr Geld verschafft werden, schreibt die Zeitung.
Zum anderen stehe zur Debatte, dass die neuen Kreditvereinbarungen nicht - wie noch im November 2010 vereinbart - abgeschmolzen werden sollen. Sie waren in diesem Jahr um mehr als das Zehnfache auf rund 573 Milliarden Dollar erhöht worden. Diese Kreditvereinbarungen sollten im Ausmaß der Kapitalerhöhung verringert werden. Würde diese Absprache aufgegeben, läge die Kapitalausstattung des Fonds laut "FAZ" künftig bei rund 1,3 Billionen Dollar.
Der IWF ist alarmiert: Die Euro-Krise, die hohe Verschuldung der USA und Schwächen im Bankensektor beunruhigen den Währungsfonds. Vor allem IWF-Chefin Christine Lagarde warnt vor großen Risiken für das System. Ziel der Aufstockung sei es nun, mehr Länder in Wirtschaftskrisen vor Ansteckungsgefahren schützen zu können, schreibt die Zeitung. Die Verhandlungen über die Kapitalaufstockung stünden jedoch erst am Anfang. Auf der Jahrestagung am Wochenende sei ein Prüfauftrag erteilt worden. Insbesondere die Hilfen für schuldengeplagte Euro-Länder belasten die Mittel des IWF.
Lagarde zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass eine erneute Weltfinanzkrise verhindert werden kann. Beim Schuldenabbau sei bereits vieles angeschoben worden, bei der verbesserten Kapitalausstattung der Banken oder Finanzreform schon einiges erreicht worden, sagte sie zum Abschluss der Tagung in Washington. Der Lenkungsausschuss des IWF, in dem die Richtlinien vorgegeben werden, erklärte: "Wir werden gemeinsam handeln, um Vertrauen und Finanzstabilität wiederherzustellen und das weltweite Wachstum wieder aufleben zu lassen."
EU-Regierungen wollen Plan in spätestens sechs Wochen fertig haben
Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten planen auch die Euro-Länder neue Schritte zur Eindämmung der Krise. Im Zentrum steht eine Erweiterung des derzeitigen Euro-Rettungsschirms. "Wir denken über Möglichkeiten nach, den EFSF mit zusätzlicher Hebelwirkung auszustatten, um ihm mehr Stärke zu verleihen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der "Welt". Diese Maßnahme solle zusätzlich zu der bereits im Juli beschlossenen Ausweitung der Aufgaben des Rettungsschirms erfolgen, fügte er hinzu.
Der britischen BBC zufolge könnte der EFSF von derzeit 440 Milliarden Euro künftig mit zwei Billionen Euro ausgestattet werden - also vervierfacht werden. Die EU-Regierungen hofften darauf, den Plan in fünf bis sechs Wochen fertiggestellt zu haben. Die "Times" berichtet ebenfalls von einer deutlichen Aufstockung des EFSF. Demnach ist eine Ausweitung der Mittel auf mindestens eine Billion im Gespräch.
Der Fonds Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) vergibt Notkredite an hochverschuldete Euro-Länder. Künftig soll er zudem Anleihen von Schuldenstaaten kaufen können, und nicht erst bei akuten Krisen, sondern auch vorsorglich Kreditlinien bereitstellen dürfen. Auch sollen Darlehen an Staaten vergeben werden dürfen, damit diese ihre Banken und andere Finanzinstitute refinanzieren können. Aus Sicht der Finanzmärkte reicht dies alles aber nicht aus, um nach Griechenland auch weiteren Ländern der Euro-Zone bei ihren Schuldenproblemen helfen zu können.
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yes/Reuters/dpa
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