Schuldenkrise Banker rechnen mit Staatspleite in Europa

Mit Milliardenkrediten wurden Griechenland und Irland vor dem Bankrott gerettet, trotzdem erwarten viele führende Banker das Schlimmste: Rund die Hälfte von ihnen gab in einer Umfrage an, mit der Pleite eines europäischen Landes zu rechnen.

Irische Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter Druck
DPA

Irische Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter Druck


Frankfurt am Main - Wie geht es weiter in der Euro-Krise? Muss Portugal wirklich als nächstes Land unter den EU-Rettungsschirm flüchten? Die meisten Investoren rechnen damit. Und viele deutsche Bankenmanager gehen sogar noch einen Schritt weiter: Nach einer Umfrage der Beratungsfirma Ernst & Young rechnet fast die Hälfte von ihnen mit der Pleite zumindest eines Landes in Europa.

Befragt wurden Führungskräfte aus 120 Banken in Deutschland. Auf die Frage "Erwarten Sie derzeit den Ausfall staatlicher Schuldner in Europa?" antwortete zwar eine knappe Mehrheit von 53 Prozent mit nein. 47 Prozent stimmten mit ja.

Negative Auswirkungen von Ausfällen auf ihr eigenes Institut erwarteten allerdings nur 25 Prozent der Banker. "Die große Mehrheit der befragten Institute dürfte kaum oder keine Papiere der wackelnden Staaten halten und hat daher auch keine direkten Ausfälle zu fürchten", sagte der Leiter des Bereiches Financial Services bei Ernst & Young, Claus-Peter Wagner. Zudem hätten sich die Papiere von schwachen Euro-Ländern durch die Maßnahmen der EZB stabilisiert.

Sollte es tatsächlich zur Zahlungsunfähigkeit eines Staats kommen, hätte dies katastrophale Folgen, warnte Wagner. "Sollten massive Abschreibungen bei einigen großen Häusern nötig werden, würde dies zu erneuten Turbulenzen im gesamten Wertpapiermarkt führen."

Die EZB kauft Staatsanleihen gefährdeter Staaten auf und stützt damit die Märkte. Bis Ende vergangener Woche hatten die Notenbanker auf diese Weise rund 74 Milliarden Euro investiert. Laut "Süddeutscher Zeitung" hat die EZB nun erneut portugiesische Papiere gekauft.

Streit in der portugiesischen Notenbank

Nach SPIEGEL-Informationen wollen Deutschland und Frankreich Portugal dazu drängen, möglichst bald unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen. Das finanziell angeschlagene Land werde nicht mehr lange Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen können, vermuten Experten beider Regierungen. Die Verantwortlichen in Berlin und Paris dementierten das: Man zwinge niemanden zu gar nichts, beteuern sie. Auch der portugiesische Ministerpräsident José Sócrates bekräftigte, sein Land werde sein Haushaltsziel für 2010 erfüllen und brauche keine Hilfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor einer vorschnellen Beurteilung der Lage Portugals gewarnt. Sie will zunächst die Reformanstrengungen Portugals für mehr Stabilität abwarten. "Aus unserer Sicht hat Portugal ja sehr wichtige und einschneidende Maßnahmen ergriffen", sagte Merkel am Dienstag.

Die Debatte um die eventuell notwendigen Hilfen führt nun auch zu Streit in der portugiesischen Notenbank. Direktoriumsmitglied Teodora Cardoso erwog öffentlich die Annahme der EU-Gelder - und stellte sich damit gegen ihren Chef Carlos Costa.

Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen von schwachen Euroländern waren vergangene Woche wieder gestiegen. Griechenland und Irland haben bereits Hilfen anderer EU-Länder und des Internationalen Währungsfonds angenommen, die mit harten Auflagen verbunden sind. An den Märkten gab es für Griechenland am Dienstag allerdings gute Nachrichten: Die Regierung konnte bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit sechs Monaten Laufzeit statt der geplanten 1,5 Milliarden Euro insgesamt 1,95 Milliarden Euro einsammeln. Wie das Finanzministerium in Athen mitteilte, liegt die Rendite bei 4,9 Prozent.

Für ihre eigenen Institute sehen die Banker laut der Umfrage ein gutes Jahr voraus. Für die kommenden sechs Monate erwarteten 81 Prozent der Manager eine gute Entwicklung des operativen Geschäfts, 12 Prozent sogar eine sehr gute Entwicklung. Damit haben sich die Erwartungen der Banken seit vergangenem Juni deutlich verbessert: Damals wagten nur sieben Prozent der Befragten eine sehr positive Prognose.

hut/dpa



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insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
Klo, 11.01.2011
1. Witzig
Zitat von sysopMit Milliardenkrediten wurden*Griechenland und Irland vor dem Bankrott gerettet, trotzdem erwarten viele führende Banker das Schlimmste: Rund die Hälfte von ihnen gab in einer Umfrage an, mit der Pleite eines europäischen Landes zu rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,738876,00.html
Wenn der Steuerzahler nicht mit Billionen ausgeholfen hätte, dann wären heute keine Staaten pleite, aber so gut wie alle Banken.
Kontrastprogramm 11.01.2011
2. Abschreckendes Beispiel
Zitat von sysopMit Milliardenkrediten wurden*Griechenland und Irland vor dem Bankrott gerettet, trotzdem erwarten viele führende Banker das Schlimmste: Rund die Hälfte von ihnen gab in einer Umfrage an, mit der Pleite eines europäischen Landes zu rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,738876,00.html
An einer Staatspleite, vorzugsweise Griechenland, wird man wohl nicht vorbeikommen, zumal man diese als abschreckendes Beispiel benötigt. Niemand wird ernsthaft glauben, dass das Aufkaufen von Staatsanleihen durch die EZB ewig weitergehen kann. Ende wäre die Währungsreform und vieleicht auch damit verbunden das Ende des Euro. Es kann nur mit Umschuldung, Haircut und stringentem Sparkurs funzen.
Baikal 11.01.2011
3. Argentinien..
Zitat von sysopMit Milliardenkrediten wurden*Griechenland und Irland vor dem Bankrott gerettet, trotzdem erwarten viele führende Banker das Schlimmste: Rund die Hälfte von ihnen gab in einer Umfrage an, mit der Pleite eines europäischen Landes zu rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,738876,00.html
.. ist ach seinem haircut weder politisch noch ökomisch von der Landkarte verschwunden - warum soll also dem Merkelschen Euro-Wahn der Rest der europäischen Länder geopfert werden? Oder gilt immer noch Kohl's Diktum, der Euro entscheide über Krieg und Frieden? Wenn ja, dann mal los, Belgien etwa gibt es heute schon doch nur noch virtuell.
kimba2010 11.01.2011
4. tja
Die kommenden Staatspleiten vieler EU Staaten haben ja auch nichts mit "Glauben" zu tun, sondern sind eine mathematische Sicherheit.
Gebr.Engels 11.01.2011
5. Nee, -is schon klar jetzt-
Zitat von sysopMit Milliardenkrediten wurden*Griechenland und Irland vor dem Bankrott gerettet, trotzdem erwarten viele führende Banker das Schlimmste: Rund die Hälfte von ihnen gab in einer Umfrage an, mit der Pleite eines europäischen Landes zu rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,738876,00.html
Kaum etwas würde den Bankern mehr Geld in die Kassen spülen als die Pleite von einem oder mehreren PIIGS-Staaten, denn für alle noch solventen EU-Länder mit EURO als Währung würde es massive Zinsaufschläge bei Staatsanleihen geben.
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