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14. Februar 2012, 12:40 Uhr

Schuldenkrise

Bosch-Chef verlangt Griechenlands EU-Austritt

Von den manager-magazin-Redakteuren Michael Freitag und Martin Noé

Deutsche Manager empfehlen Griechenland die Rückkehr zur Drachme, in einer Umfrage des manager magazin plädieren 57 Prozent der Befragten dafür, dass das Land die Euro-Zone verlässt. Bosch-Chef Franz Fehrenbach geht noch weiter: Auch aus der EU müsse Griechenland raus - notfalls per Zwang.

Hamburg - Bosch-Chef Franz Fehrenbach fordert Griechenland zum Austritt aus der Europäischen Union und dem Euro-Raum auf. Das griechische System sei "marode und in einer Solidargemeinschaft eine untragbare Belastung", sagte Fehrenbach dem manager magazin. Falls die Griechen die Europäische Union (EU) und Euro-Zone nicht freiwillig verließen, müsse die Gemeinschaft ihre Gesetze ändern und sie ausschließen.

Bislang sehen die EU-Verträge den Ausschluss eines Mitgliedslandes nicht vor. Auch die Mehrheit der deutschen Führungskräfte verliert die Geduld mit Athen. Laut einer Umfrage des manager magazin unter mehr als 300 Entscheidern wollen 57 Prozent der Manager, dass Griechenland die Drachme wieder einführt.

Bosch-Chef Fehrenbach sagte, eine gemeinsame Währung funktioniere auf Dauer nur dann, wenn es eine gemeinsame Steuer-, Haushalts- und Wirtschaftspolitik gebe. Die wirtschaftlich schwächeren Länder müssten dabei zunächst außen vor bleiben. "Wir kommen um ein Europa der zwei Geschwindigkeiten nicht herum", sagte der Chef des weltweit größten Automobilzulieferers. Er wollte sich zwar nicht festlegen, welche Länder dem Kern angehören sollten. Klar sei aber: "Wir dürfen Deutschland nicht überfordern."

Bereits im November hatte sich der Bosch-Chef kritisch zu Griechenland geäußert. Damals sprach er sich für eine Rückkehr zur Drachme aus und sagte, seine Firma werde kein Geld mehr in dem Land investieren. Nun geht Fehrenbach noch weiter: Die EU solle Griechenland den Austritt mit Finanzhilfen erleichtern. Nach der fälligen Abwertung der Drachme wäre das Land vielleicht wieder wettbewerbsfähig. Derzeit habe "dieser Staat mit Phantomrentnern und reichen Nichtsteuerzahlern, ein Staat ohne funktionierende Verwaltung", in der Europäischen Union nichts zu suchen.

Das griechische Parlament hatte in der Nacht zu Montag einem Sparpaket zugestimmt, das Voraussetzung für weitere Finanzspritzen in Höhe von rund 130 Milliarden Euro ist. Am Mittwoch wollen die Euro-Finanzminister über das Hilfspaket beraten.

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