Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schuldenkrise: China bietet sich als Euro-Retter an

Die Volksrepublik, dein Freund und Helfer: China verspricht Krisenländern wie Irland und Spanien konkrete Hilfen im Kampf gegen die Schuldenkrise. Was dies genau bedeutet, ist bislang unklar. Doch der Einfluss Pekings auf den Kontinent dürfte massiv wachsen.

Almunia, Chinas Vize-Premier Wang: "Wir sollten unsere Zusammenarbeit verbessern" Zur Großansicht
Getty Images

Almunia, Chinas Vize-Premier Wang: "Wir sollten unsere Zusammenarbeit verbessern"

Peking - China bietet europäischen Schuldenstaaten seine Hilfe an. Man werde "konkrete Maßnahmen" ergreifen, um einigen EU-Mitgliedstaaten aus ihrer ernsthaften Schuldenkrise zu helfen, sagte der chinesische Vize-Premierminister Wang Qishan bei einem Treffen mit Vertretern der EU-Kommission. Details nannte er allerdings nicht.

Für China ist die Europäische Union der wichtigste Handelspartner, der bilaterale Handel lag bis November um 33 Prozent über dem Vorjahresniveau. Laut chinesischen Angaben beträgt das Volumen des Handels rund 330 Milliarden Euro.

Nicht zuletzt deshalb hat China ein Interesse daran, die Euro-Zone zu stabilisieren - und kriselnde Länder wie Griechenland und Irland zu unterstützen. Deshalb hat die Volksrepublik im Oktober bereits Griechenland massive Hilfen zugesagt. Ministerpräsident Wen Jiabao kündigte an, China werde seine griechischen Anleihen halten und sogar weitere dazukaufen. Offiziellen Angaben zufolge verpflichtete sich China in der vergangenen Woche außerdem, dem Krisen-Mitgliedstaat Portugal finanziell beizustehen.

Den Chinesen geht es neben dem Schutz ihrer Exporte auch um mehr Einfluss in Europa und um eine stärkere Verteilung ihrer Anlagen. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hat rund 2,5 Billionen Dollar Devisen angehäuft, schätzungsweise 70 Prozent davon sind Dollar-Anlagen. Doch seit einiger Zeit versuchen die Chinesen, ihr Geld stärker auch in Nicht-Dollar-Währungen anzulegen - vor allem, weil sie sich über die expansive Geldpolitik der Amerikaner ärgern.

"Wir werden darauf achten, was im ersten Quartal passiert"

Vize-Premier Wang Qishan sagte bei dem Treffen mit den EU-Kommissaren Joaquín Almunia, Karel De Gucht und Olli Rehn, "China und die EU sollten ihre Zusammenarbeit verbessern, um gemeinsam für ein robustes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum zu arbeiten".

Chinas Handelsminister Chen Deming äußerte sich vorsichtiger als Wang: "Wir verfolgen genau, ob Europas Schuldenkrise sich kontrollieren lässt und werden dabei vor allem darauf achten, was im ersten Quartal des nächsten Jahres passiert." China werde verfolgen, "ob Europas Konsens in der Schuldenkrise und bei der Risikoprävention sich in praktisches Handeln umwandeln lassen".

Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigungen: Der japanische Nikkei-Index stieg um 1,51 Prozent, der Dax kletterte am Vormittag um 0,6 Prozent auf 7060 Punkte.

cte/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Jetzt beginnt der Ausverkauf
ReneMeinhardt, 21.12.2010
europäischer "Ramsch-"Länder an China. Mal sehen, ob die entsprechenden Regierungen vorher ihr Völker fragen werden, ob diese die Hilfe auch wollen, bestimmt nicht. Wenn dann China Inhaber einiger Euroländer ist, kann es auch die Aufnahme in die EU beanspruchen. IRONIE aus.
2. Leider wahr!
Holzhausbau 21.12.2010
Zitat von ReneMeinhardteuropäischer "Ramsch-"Länder an China. Mal sehen, ob die entsprechenden Regierungen vorher ihr Völker fragen werden, ob diese die Hilfe auch wollen, bestimmt nicht. Wenn dann China Inhaber einiger Euroländer ist, kann es auch die Aufnahme in die EU beanspruchen. IRONIE aus.
China kann die EU komplett übernehmen. Die europäischen Völker sind bereits darauf eingestimmt: auf Diktatur, Armut, Überwachung, Sklaventum.
3. Bitte! Bitte! Blos NICHT!
Sherlock70 21.12.2010
Jetzt kommen die Menschenverachter und Schlächter mit ihrem Blutgeld und wollen die Retter spielen. Amerika hat sich ja schon zu großen Teilen an China verkauft, Europa muss nicht folgen. Ich hoffe inständig, daß es Leute mit Rückgrat in der EU gibt, die diesem Ansinnen eine klare Absage erteilen...zumal es ja nun wirklich nicht mehr nötig ist.
4. Der Euro
Katzenfreund, 21.12.2010
Der Euro braucht keine Retter. Der Euro ist auch so stark genug.
5. Miese
dr_gisela_v._kerf-binsing 21.12.2010
Zitat von sysopDie Volksrepublik, Dein Freund und Helfer:*China verspricht Krisenländern wie Irland und Spanien konkrete Hilfen im Kampf gegen die Schuldenkrise an. Was dies genau bedeutet, ist bislang*unklar. Doch der Einfluss Pekings auf den Kontinent dürfte massiv wachsen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,735941,00.html
Schlau, schlau. Während der "Westen" die Welt mit Kriegen überzieht und dabei Miese macht, kaufen die Chinesen den Westen auf. Raffiniert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mini-Serie
AFP

Erst Griechenland und Irland, nun wetten die Märkte schon gegen Portugal, Spanien und Italien. In Europa wächst die Sorge, dass weitere Schuldenländer Milliardenhilfen brauchen. Aber wie groß ist das Risiko wirklich? Und wer könnte der nächste Pleitekandidat sein? Ein Überblick:


Wie die Euro-Krise gelöst werden könnte
Trotz riesiger Hilfspakete schwelt die Schuldenkrise in der Euro-Zone weiter. Kaum wurde Irland gerettet, geraten mit Portugal und Spanien die nächsten Wackelkandidaten in den Fokus der Finanzmärkte. Doch wie könnte die Krise überwunden werden? Einige Lösungsvorschläge im Überblick.
Die EZB kauft massiv Anleihen
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Retter in der Not spielt. Sie könnte viel Geld in die Hand nehmen und Staatsanleihen der finanzschwachen Euro-Länder aufkaufen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, sind nach Berechnungen der Anleihenexperten von Evolution Securities in London ein bis zwei Billionen Euro notwendig. "Das Verfahren, von Land zu Land zu springen, hat die Märkte bislang nicht beruhigen können", sagt deren Expertin Elisabeth Afseth. "Der einfachere Weg ist, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm hochfährt und große Summen ausgibt." Spanien und Italien müssen im kommenden Jahr zusammen etwa 500 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten erlösen. Das wird schwierig und teuer, weil die Investoren hohe Risikoaufschläge verlangen. "Deshalb muss jemand einspringen und helfen", begründet Afseth ihren Vorschlag. Der Vorteil: Die EZB kann rasch helfen. Binnen weniger Tage könnte sie das Kaufprogramm starten. Der Haken: Einige Mitglieder des EZB-Rates werden dem voraussichtlich nicht zustimmen, weil ein solches Vorgehen gegen die Statuten der EZB verstößt, die sich hauptsächlich um stabile Preise kümmern soll. "Das würde sie weiter von ihrem Mandat entfernen und besonders in Deutschland Sorge über die langfristige Stabilität des Euro auslösen", befürchtet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.
Erweiterung des EU-Rettungsschirms
In den Euro-Ländern wird bereits darüber diskutiert, das für Notfälle geschnürte Rettungspaket zu vergrößern. Nach den Hilfen für Irland ist es noch mit etwa 650 Milliarden Euro gefüllt. Bundesbankpräsident Axel Weber hat bereits eine Erweiterung ins Spiel gebracht. Ökonomen wie DIW-Präsident Klaus Zimmermann raten dazu, das ursprüngliche Volumen von 750 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen zu verdoppeln. Politisch ist das aber nicht so einfach durchsetzbar. In Staaten wie Finnland muss die Zustimmung dafür im Parlament eingeholt werden, was schwierig werden dürfte. Andererseits ist es sinnvoll, einen bereits bestehenden und funktionierenden Krisenmechanismus auszubauen. Er sieht strenge Sparauflagen für die Staaten vor, die Hilfen benötigen. Zudem ist der Internationale Währungsfonds mit an Bord, der die Einhaltung der Auflagen überprüft und über viel Erfahrung im Krisenmanagement verfügt.
Ausgabe von Euro-Anleihen
Diese Idee hat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen prominenten Fürsprecher. Eine gemeinsame Anleihe für alle 17 Euro-Länder hatte er bereits vor Monaten gefordert. Allerdings gibt es dagegen starken Widerstand, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Beide Länder können sich ohne große Probleme und zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Sie müssten ihre hohe Kreditwürdigkeit mit Krisenländern wie Portugal oder Spanien teilen und höhere Zinszahlungen in Kauf nehmen. Sie würden um ihren Lohn gebracht, den sie sich durch vergleichsweise solide Staatsfinanzen verdient haben. Der Nachteil: Die Vorbereitung einer Euro-Anleihe nimmt viel Zeit in Anspruch. Die aktuelle Krise, die Portugal und Spanien zu erfassen droht, ließe sich damit kaum lösen.
China kauft Staatsanleihen aus Europa
Die Volksrepublik besitzt die weltweit größten Devisenreserven. Das Geld ist vorwiegend in US-Staatsanleihen angelegt - insgesamt 1,8 Billionen Doller. China ist damit der größte Gläubiger der USA. "Man muss darüber nachdenken, wer genügend Geld hat, um das Problem zu lösen", sagte ein hoher EU-Offizieller. "Das einzige Land ist China. Wir müssen die Chinesen dazu bringen, EU-Schuldtitel zu erwerben." Allerdings gilt diese Lösung als unwahrscheinlich. Sowohl die EU-Behörden als auch die EZB und die Politik dürften sich dagegen verwahren.
EU beschließt gemeinsame Haushaltspolitik
Die 17 Euro-Länder verfügen über eine gemeinsame Währung und einen gemeinsamen Leitzins, aber nicht über eine gemeinsame Steuer- und Haushaltspolitik. Das hat die Spannungen erst ermöglicht, deretwegen die Währungsunion vor einer Zerreißprobe steht. "Wir brauchen auch eine Art Haushaltsbund", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. "Wir können das erreichen, wenn es eine starke Aufsicht und Kontrolle gibt." Allerdings ist das ein Tabuthema für Deutschland und andere Kernländer der Währungsunion, die kaum einen Teil ihrer Eigenständigkeit abgeben dürften. Politisch wäre dieser Weg deshalb kaum durchsetzbar. Eine Umsetzung würde zudem viele Jahre dauern - zu lange, um die akute Krise zu lösen.

Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: