Schuldenkrise China und Russland wollen Euro-Staaten retten

Während die Euro-Zone über Notkredite streitet, erklären sich China und Russland offenbar freiwillig bereit, Staatsanleihen zu kaufen. Sogar der Kauf von Euro-Bonds wäre denkbar. Mit den Hilfen wollen die Schwellenländer auch ihre eigenen Investitionen sichern.


Sao Paulo/Moskau - Das hohe Wirtschaftswachstum macht's möglich: Die führenden Schwellenländer wollen einem Zeitungsbericht zufolge den Euro-Staaten im Kampf gegen die Schuldenkrise helfen.

Die Finanzminister und Zentralbankchefs von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika könnten bei ihrem Treffen am 22. September in Washington den Kauf von Euro-Staatsanleihen beschließen, berichtete die brasilianische Zeitung "Velor Economico" unter Berufung auf einen Geldpolitiker. Die brasilianische Notenbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Leisten könnte sich die Schwellenländer die Hilfen allemal. Die sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sind in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als die Weltwirtschaft. Sollten die vier Länder von "schwerwiegenden Wirtschaftskrisen verschont bleiben, sind sie die Handelsriesen von morgen", sagte kürzlich Michael Hüther, Direktor am Institut der deutschen Wirtschaft.

Russland erklärte sich schon im Vorfeld des Treffens bereit, weiterhin regelmäßig Staatsanleihen aus der Euro-Zone abzunehmen. Sollte sich die Euro-Zone für gemeinsame Staatsanleihen entscheiden, könnte Russland auch solche Euro-Bonds kaufen, sagte Finanzminister Alexej Kudrin am Dienstag. Mit dem angeschlagenen Euro-Staat Zypern werde derzeit über eine langfristige Finanzierungsvereinbarung gesprochen.

"Financial Times": Gespräche zwischen Italien und China

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti ist derweil nach Angaben seines Ministeriums mit dem Vorsitzenden des chinesischen Staatsfonds CIC, Lou Jiwe, zusammengetroffen. In seiner Finanznot versucht der Schuldenstaat, Investoren in Fernost für sich zu gewinnen. Laut "Financial Times" hat Tremonti für den Kauf italienischer Staatsanleihen oder Investitionen in Firmen des Landes geworben. Später berichtete auch das "Wall Street Journal" über eine mögliche Rettungsaktion aus Fernost.

Das chinesische Außenministerium bekräftige, dass Peking mit den europäischen Ländern kooperieren werde, um die Finanzkrise zu bewältigen. "Europa wird weiterhin einer von Chinas wichtigsten Investitionsmärkten sein", sagte eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin die finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit bei Investitionen ausweiten, um gemeinsam die Finanzkrise anzugehen." Peking hoffe, die Länder der Euro-Zone würden "effektive Maßnahmen zur Sicherung der chinesischen Investitionen unternehmen".

dis/Reuters



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Gumpelino 13.09.2011
1. Das heißt doch...
..."im Grunde", und damit meine ich nicht den üblichen Schwafel-Topos, dass der Euro i.O. ist. Er ist kreditwürdig (credo=ich vertraue). Man will ihn, Man braucht ihn. Jetzt nur noch die Deltas und Epsilons überzeugen. Das wird schierig.
Benjowi 13.09.2011
2. Interessante Konstellation
Interessante Konstellation. Während die Wallstreet und die angelsächsische sogenannte "Finanzindustrie" offenbar alles tut, um den Euro an die Wand zu fahren, um dabei kasinomäßig abzusahnen und deren Politiker sich klammheimlich darüber freuen, sind die Staaten, die der Realwirtschaft etwas mehr verpflichtet sind offensichtlich mit steigendem Einsatz dabei, genau das zu verhindern. Das Problem dabei sind dann natürlich solch korrupten tauben Nüsse wie Griechenland, die mit allen Mitteln der Welt nicht stabilisierbar sind. Man darf gespannt sein, wie das Spiel ausgeht!
Schnarzan 13.09.2011
3. Na ja
Hier hört sich das aber ein wenig anders an. Zitat: "Es sollen aber vor allem Anleihen aus soliden Ländern wie Deutschland und Großbritannien gekauft werden. Mann wolle zu einer ausgewogeneren Entwicklung der Weltwirtschaft beitragen. So könnten man die Devisenreserven stärker diversifizieren und auch höhere Renditen als bisher erzielen, heißt es in dem Bericht. Die Länder waren bisher vor allem in US-Staatsanleihen investiert" http://www.onvista.de/devisen/news.html?TIME_RANGE=week&ID_NEWS=204693588 Hier wird keinem Eurostaat geholfen, sondern die Anleger der BRIC suchen nach sicheren Anlagen! Komisch das da Anleihen von Staaten im Focus stehen, die auch ohne € können?
Europa! 13.09.2011
4. Worauf es ankommt
Dass Europa und die BRIC-Staaten gut zusammenpassen, liegt auf der Hand. Jetzt kommt es darauf, nicht bloß ein paar mehr oder weniger fragwürdige Staatsanleihen zu verkaufen, sondern wirtschaftlich vernünftig zusammenzuarbeiten, zum Wohl der Menschen und zum Wohl der Umwelt. Chinesen finden Europa toll (besonders auch Deutschland). Der Mond ist runder hier, sagen sie gern. Darauf kann man aufbauen.
detektuv 13.09.2011
5. Interessant
Zitat von Gumpelino..."im Grunde", und damit meine ich nicht den üblichen Schwafel-Topos, dass der Euro i.O. ist. Er ist kreditwürdig (credo=ich vertraue). Man will ihn, Man braucht ihn. Jetzt nur noch die Deltas und Epsilons überzeugen. Das wird schierig.
zumindest auf den ersten Blick. Damit dokumentiert China /dass ihm eine zweite Währung neben dem Dollar wichtig ist /dass es auf an einen verlässlichen Partner EUROPA Wert legt. Das ist eine spontane Einschätzung, nachdem China /v.a. in den USA viel investiert hat /und auch hier Inverstionen tätigt Bin gespannt auf dieses Forum.
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