Brüssel - Bislang galt die Haltung der EU-Kommission als felsenfest: Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kommt nicht in Frage. Nun hat erstmals ein hochrangiges Mitglied der Kommission öffentlich einen Rauswurf des reformmüden Landes aus der Währungsunion ins Spiel gebracht - und die Folgen als durchaus verkraftbar dargestellt. "Es wird immer gesagt, wenn man ein Land zum Ausstieg aufriefe, würde die gesamte Struktur zusammenbrechen. Aber das ist einfach nicht wahr", sagte die Niederländerin Neelie Kroes, der niederländischen Zeitung "De Volkskrant".
Kroes ist Vizepräsidentin der EU-Kommission, ihre Aussage hat daher Gewicht. Mit ihrer Äußerung befeuert sie die Debatte um die unsichere Zukunft Griechenlands. Zudem verstärkte sie in dem Interview den Druck auf die Regierung in Athen. "Die Griechen müssen verstehen, dass 'wir Deutsche' und 'wir Niederländer' unseren Steuerzahlern nur dann Nothilfen verkaufen können, wenn es einen Beweis des guten Willens gibt."
Bereits am Montag hatte die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki von Plänen in ihrer Heimat berichtet, aus der Währungsunion auszusteigen. Auch der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, hatte im SPIEGEL offen von einer möglichen Pleite Griechenlands im März gesprochen, falls keine überzeugenden Reformen vorangetrieben werden und die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern schieflaufen sollten.
Die EU-Kommission geht inzwischen vorsichtig auf Distanz zu ihrer Vizepräsidentin. Sprecher Olivier Bailly sagte: "Die Haltung der Kommission hat sich nicht geändert. Griechenland soll in der Euro-Zone verbleiben." Auch der Präsident des Gremiums, der Portugiese José Manuel Barroso, pfiff seine Kommissarin zurück. "Wir wollen, dass Griechenland im Euro bleibt", sagte er. Die Kosten wären im Falle einer Pleite Athens und des Euro-Austritts "sehr viel höher" als der Verbleib.
Die Verhandlungsführer in Griechenland nahm Barroso in die Pflicht. "Ganz Europa hat die Augen auf Athen gerichtet", sagte er. Notwendig sei das klare Bekenntnis der griechischen Parteien für ein neues Programm. Die Auflagen seien zwar hart, aber sie würden mittelfristig Früchte tragen.
fdi/Reuters/dapd
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