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Schuldenkrise: Euro-Retter prüfen Kauf italienischer Staatsanleihen

Italien rückt in den Fokus der Euro-Retter: Experten prüfen, mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF Staatsanleihen des Berlusconi-Landes zu kaufen. Das zeigt, wie ernst die Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion ist.

Euro-Logo vor der EZB-Zentrale in Frankfurt: Retter wollen Ansteckung Italiens verhindern Zur Großansicht
dapd

Euro-Logo vor der EZB-Zentrale in Frankfurt: Retter wollen Ansteckung Italiens verhindern

Hamburg - Die Euro-Länder suchen nach Wegen, Italien aus dem Fokus der Finanzmärkte zu nehmen. Eine Option ist nun offenbar, die Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF einzusetzen, um italienische Staatsanleihen zu kaufen. So könnte eine Ansteckung des Landes in der Euro- Schuldenkrise verhindert werden.

Der Staatsanleihenkauf durch den EFSF wird auf Expertenebene der Euro-Gruppe diskutiert, bestätigte ein EU-Diplomat am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel. Zuvor hatte bereits die französische Zeitung "Le Monde" darüber berichtet. In der Arbeitsgruppe der Euro-Gruppe gebe es Vertreter, "die sich fragen, ob es nicht an der Zeit ist, Italien diesen Schritt vorzuschlagen", sagte der Diplomat.

Der Fonds darf nach seiner kürzlich beschlossenen Stärkung tatsächlich Staatsanleihen von Wackelkandidaten auf dem Sekundärmarkt aufkaufen. Allerdings muss zuvor die Europäische Zentralbank (EZB) "außergewöhnliche Umstände auf dem Finanzmarkt" feststellen. Der Schritt heiße aber nicht, dass Italien unter den Rettungsschirm flüchten müsse, sagte der Diplomat.

Der Aufkauf von Staatsanleihen eines Landes auf dem Sekundärmarkt, also von Investoren, soll genau diesen Schritt verhindern. Die EZB hat bereits vor Wochen damit begonnen, italienische Anleihen zu kaufen und so die Zinsbelastung für das Land einigermaßen erträglich zu halten.

Berlusconi beruft Minister zur Krisensitzung ein

Italien gilt wegen seiner hohen Schuldenlast in der Euro-Krise als Wackelkandidat. Die Regierung in Rom verabschiedete zwar bereits mehrere Sparprogramme; es gibt unter den europäischen Partnern aber Zweifel, ob diese auch wirklich umgesetzt werden.

Mit 120 Prozent der Wirtschaftsleistung hat das Land prozentual die höchsten Schulden nach Griechenland in der EU. Als drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wäre Italien im Ernstfall kaum zu retten. Auf dem Euro-Krisengipfel am Sonntag in Brüssel hatten die Staats- und Regierungschefs den Druck auf das Land erhöht, mehr für den Abbau seiner Schulden zu tun.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat seine Minister für Montagabend zu einer Krisensitzung einberufen. Ab 18 Uhr will er sein Kabinett über die Ergebnisse des EU-Gipfels am Wochenende informieren und einen Ausblick auf das Treffen am Mittwoch geben.

Beobachter vermuten, dass Berlusconi etwa die Debatte über eine Rentenreform wieder aufnehmen wird. Der Ministerpräsident hatte dies schon am Rande des Brüsseler Gipfels angekündigt. Er plane eine Angleichung des Renteneintrittsalters auf die europaweit angestrebten 67 Jahre. Aktuell liegt das Renteneintrittsalter in Italien im Öffentlichen Dienst für Männer bei 65, für Frauen bei 60 Jahren.

cte/AFP/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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1. EZB besiegel damit Euro-Ende
JohnBlank, 24.10.2011
Wenn man nun auch noch regelmässig Italien die Anleihen abkauft, ist das Ende des Euros besiegelt. Italien macht keine Reformen. So wird der Druck durch die Aufkäufe von dem Land genommen. Ich kann gar nicht glauben, dass wir Deutschen nun noch mehr Schulden übernehmen sollen. Die Politik und Demokratie versagt nun komplett, alles natürlich alternativlos, wie die SPD und CDU Politker sagen würden.
2. aaa
Philip Marlowe 24.10.2011
Zitat von sysopItalien rückt in den Fokus der Euro-Retter: Experten prüfen, mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF Staatsanleihen des Berlusconi-Landes zu kaufen. Das zeigt, wie ernst die Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793702,00.html
Das deutsche Triple-A wird in wenigen Monaten Geschichte sein. Die Abtragung des europäischen Schuldenbergs durch die Druckerpresse kommt jetzt richtig in Gang. Wir sollten uns bereits für 2012 auf eine Inflationsrate von über fünf Prozent einstellen.
3. Kaum da,..
Baikal 24.10.2011
Zitat von sysopItalien rückt in den Fokus der Euro-Retter: Experten prüfen, mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF Staatsanleihen des Berlusconi-Landes zu kaufen. Das zeigt, wie ernst die Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793702,00.html
.. und schon hat Draghi seinen Auftrag erfüllt. Vielleicht sollte die Mafia den Laden ganz übernehmen, die zögern nicht und sind effektiv. Schlimmer kann es ja ohnehin nicht werden.
4. Raus aus EU
zeitzeuge10 24.10.2011
Wenn es in Italien schlimm aussieht,dann folgt auch Frankreich. Wenn wir Deutschen in alle Länder unser Geld gepumpt haben, dann sind auch wir dran. Dann lieber jetzt raus aus der EU.
5.
Zereus 24.10.2011
Zitat von sysopItalien rückt in den Fokus der Euro-Retter: Experten prüfen, mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF Staatsanleihen des Berlusconi-Landes zu kaufen. Das zeigt, wie ernst die Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793702,00.html
Ist ja nicht das erste Mal, dass italienische Anleihen von einer europäischen Instituion aufgekauft werden. Logischer Schluß: Das Land kann sich nicht mehr am regulären Finanzmarkt finanzieren, es ist damit als zahlungsunfähig zu betrachten. Aber Deutschland kann ja noch zahlen, also was solls... Mal sehen, wie lange das noch gut geht.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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