Von Stefan Schultz
Der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren liegt er gut einen Prozentpunkt über dem deutschen - und auf den ersten Blick verwundert das nicht. Denn Italiens Gesamtstaatsverschuldung ist hoch. Nach Schätzungen der Regierung liegt sie bei weit mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Das tat sie allerdings auch schon 2006, lange vor dem Ausbruch der Krise - und so geben Ökonomen fürs erste Entwarnung: Sie sehen für Italien kurzfristig nicht dieselben Gefahren wie für Griechenland & Co. Der Staat zeigt nicht dieselben Krisensymptome wie die anderen Wackelkandidaten.
Schuldenquote: 115,1 Prozent des nationalen BIP (2009)
Haushaltsdefizit: 5,3 Prozent des nationalen BIP (2009)
BIP-Wachstum: -4.8 Prozent (Prognose 2009)
Quelle: Prognose der italienischen Regierung, September 2009
Dass die Staatsausgaben in Italien in absehbarer Zeit deutlich steigen, ist unwahrscheinlich. Die Regierung hat im Gegenteil schon im Juli 2008 ein Sparpaket durch das Parlament geboxt. Dennoch bleibt eine Gesamtstaatsverschuldung von mehr als 100 Prozent ein gewaltiger Risikofaktor. Italiens aktuelles Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent mag zwar weit unter dem anderer Krisenländer liegen, aber immer noch deutlich über der Stabilitätspaktgrenze von drei Prozent. "Die Staatsausgaben galoppieren weiter", kritisierte der Mailänder Ökonom Tito Boeri in der vergangenen Woche. Und die italienische Regierung macht kaum Anstalten, daran rasch etwas zu ändern.
Die Rating-Agentur Fitch kritisierte kürzlich, dass so gut wie alle Maßnahmen zum Abtragen der Schulden auf unbestimmte Zeit verschoben worden sind. Entsprechend überrascht es nicht wirklich, dass Italien an den Kapitalmärkten mit Euro-Risikoländern wie Griechenland und Portugal zusammengeworfen wird.
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