Schuldenkrise Europäer planen neue Euro-Rettungszentrale

Die Schuldenkrise treibt die Euro-Länder zu umfassenden Maßnahmen: Um Spekulanten zu stoppen, prüfen Deutschland und andere Staaten einen neuen Fonds, der Finanzhilfen verteilt und Defizitsünder abstraft - neben der Zentralbank würde damit eine zweite Institution über die Währung wachen.

Merkel und Kollegen beim Brüssel-Gipfel: Bald neuer Rettungsfonds?
dpa

Merkel und Kollegen beim Brüssel-Gipfel: Bald neuer Rettungsfonds?


München - Gerade erst hat die Europäische Union einen festen Rettungsmechanismus für den Euro-Raum installiert - doch der reicht offenbar nicht aus. Mehrere Euro-Staaten bereiten nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" einen geschlossenen Nothilfeplan für die Gemeinschaftswährung vor. Geplant ist demnach eine neue Institution neben der Europäischen Zentralbank.

Damit es nicht nur bei guten Vorsätzen bleibt, soll die Bundesregierung in einem Papier einen möglichen "Europäischen Stabilitäts- und Wachstums- Investmentfonds" skizziert haben. Dieser Fonds soll dem Bericht zufolge Euro-Ländern "Hilfen in der Not" anbieten und sie zugleich dazu zwingen, nach strengen Regeln zu wirtschaften - ähnlich wie der Internationale Währungsfonds. Er soll eigenständig und politisch weitgehend unabhängig die zweitgrößte Reservewährung der Welt absichern.

Deutschland habe ein "nationales Interesse am Fortbestand des Euro mit allen Mitgliedern", heißt es in dem Positionspapier, das in den kommenden Wochen in Europa diskutiert wird und voraussichtlich Thema beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister Mitte Januar in Brüssel sein wird. Der Euro müsse sich allerdings "an deutschen Stabilitätsinteressen orientieren". Das sei "eine Gegenleistung dafür, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft im Euroraum den Stabilitätsanker bilden soll".

Neben Deutschland haben sich laut "SZ" vor allem Irland, Finnland und die Niederlande an der Erstellung des Papiers beteiligt.

Am Mittwoch hatte die Schuldenkrise den Euro erneut ins Minus gezwungen - und den Schweizer Franken immer weiter nach oben getrieben. Für einen Euro wurde am Mittwoch mit nur knapp mehr als 1,25 Franken so wenig gezahlt wie nie zuvor.

Viele Experten fürchten, dass die Euro-Krise noch lange nicht vorbei ist. Portugal, Spanien oder Italien gelten als mögliche weitere Pleitekandidaten. In diesem Jahr hatten bereits Griechenland und Irland EU-Hilfen in Höhe Dutzender Milliarden benötigt, um den Bankrott zu verhindern. Die Märkte reagierten nervös und ließen die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise massiv im Kurs fallen.

EU-Währungskommissar Olli Rehn wirft den Finanzmärkten jedoch übertriebenen Pessimismus vor. Das Krisenmanagement der Euro-Länder Spanien und Portugal sei viel besser als die Märkte dies derzeit vermuteten, sagte er der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat". Die Euro-Zone habe die Fähigkeit, eine Ausweitung der Schuldenkrise zu verhindern.

Zumindest Portugal kann sich zurzeit Hoffnung auf Hilfe von außen machen: Die Volksrepublik China wolle Staatsanleihen im Wert von vier bis fünf Milliarden Euro kaufen, berichtete die portugiesische Zeitung "Jornal de Negócios" am Mittwoch. Beide Regierungen hätten sich darauf geeinigt, dass China im ersten Quartal 2011 investiere - entweder bei Auktionen der staatlichen Finanzagentur oder am Markt. Quellen für ihren Bericht nannte die Zeitung allerdings nicht. Die chinesische Zentralbank wollte die Angaben auf Anfrage nicht kommentieren.

kgp/dpa/dapd/Reuters



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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
Magentasalex 23.12.2010
1. ....ja, es tut unendlich weh....
....ja, es tut unendlich weh, so kurz vor Weihnachten erleben zu müssen, wie unsere Regierung unermüdlich gegen jene Mächte kämpfen muß, die unsere Währung mißachten und mit Füßen treten , während wir gemütlich und wohlgeborgen unter unseren Weihnachtsbäumen schöne Lieder singen...
buntesmeinung 23.12.2010
2. Was soll das?!
Zitat von sysopDie Schuldenkrise treibt die Euro-Länder zu umfassenden Maßnahmen: Um Spekulanten zu stoppen, prüfen Deutschland und andere Staaten einen neuen Fonds, der Finanzhilfen verteilt und Defizitsünder abstraft - neben der* Zentralbank würde damit eine zweite Institution über die Währung wachen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,736265,00.html
Wozu denn noch eine weitere Einrichtung, in der gut bezahlte Unfähige auf unsere Kosten unser Geld verteilen. Ich verstehe das alles nicht mehr. Wann hört der Wahnsinn endlich auf?
ag999 23.12.2010
3. Krise
Wie können denn noch mehr Schulden die Lösung für Schulden sein ?
shokaku 23.12.2010
4. Hier könnte ein Titel stehen
Wieso neu? Einfach die Aufgaben der Truppe übertragen, die die griechischen Bilanzen geprüft hat.
fatherted98 23.12.2010
5. EuroPolizei...
Ja genau...eine Europolizei...wer als Schuldenland Geld verschwendet wird sofort festgenommen...aber moment...wer wird festgenommen??? Die jeweilige Regierung...nein...da die von der Bevölkerung gewählt wurde ist ja letztlich das Wahlvolk schuld...schlage vor bei Verstößen jeden 3 tausendsten Bürger zu 2 Jahren Schuldenabbau zu verurteilen...dies wird in Form von körperlicher Arbeit auf der Liniengaleere Monaco - Sylt möglich sein.
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