Schuldenkrise: Ex-Bundesbank-Chef fordert Euro-Garantien für Griechenland

Axel Weber meldet sich mit einem Radikalplan zur Rettung der Euro-Zone zurück: Der Ex-Bundesbank-Chef verlangt von der EU, für sämtliche Schulden Griechenlands zu garantieren. Für die Lösung der griechischen Misere veranschlagt der Finanzexperte mehrere Jahrzehnte.

Axel Weber: Vermisst eine langfristige Strategie der Euro-Regierungen Zur Großansicht
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Axel Weber: Vermisst eine langfristige Strategie der Euro-Regierungen

Hamburg - Axel Weber ist nicht der Typ für halbe Sachen: Das hat der ehemalige Präsident der Bundesbank viele Male demonstriert. Auch nach seinem Abgang als oberster Währungshüter Deutschlands bleibt der Finanzexperte seiner Linie treu - und prescht mit einem Masterplan zur Rettung der Euro-Zone vor. Europa müsse für alle Schulden Griechenlands garantieren, sagte Weber dem "Wall Street Journal". Wenn dies nicht geschehe, drohe Griechenland eine ungeordnete Staatsinsolvenz. Deren Folgen wären wesentlich teurer und dürften verheerende Folgen an den Finanzmärkten haben.

Der Vorteil europäischer Garantien sei, dass sie Griechenlands Gläubiger davon überzeugen könnten, ihre Anleihen in länger laufende umzutauschen. Das würde Griechenland Zeit geben, sich zu sanieren.

Sein erstes Interview seit dem Ausscheiden bei der Bundesbank und dem Rat der Europäischen Zentralbank Ende April nutzte Weber auch für eine Generalkritik an der Politik der europäischen Regierungen: Bislang stützten die EU-Partner Griechenland nur mit direkten Finanzspritzen, sagte Weber. Eine langfristige Lösung, die dem Land eine Perspektive zum Abbau des Schuldenberges biete, fehle jedoch.

Der Euro sei nicht Ursache der griechischen Probleme

Die Optionen für einen Schuldenabbau seien jedoch leider sehr begrenzt: entweder ein Totalausfall, eine Umschuldung oder aber Garantien für die ausstehenden griechischen Schulden. "Die Regierungen müssen sich für eine dieser Optionen entscheiden". Die "aktuellen gestückelten Hilfsprogramme" aber führten unausweichlich zu einer Pleite.

Weber betonte, dass das griechische Problem nicht durch die gemeinsame Währung hervorgerufen worden sei. "Stattdessen handelt sich um ein tiefergehendes, haushaltspolitisches und strukturelles Problem, dessen Lösung wahrscheinlich eher mehr als 30 Jahre statt drei oder fünf Jahre dauern dürfte", sagte Weber. "Die europäischen Maßnahmen müssen daher deutlich tiefer greifen als nur die kurzfristige Zahlungsfähigkeit im Auge zu haben."

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1. kluger Mann
mattotaupa 27.06.2011
Zitat von sysopAxel Weber meldet sich mit einem Radikalplan zur Rettung der Euro-Zone zurück: Der Ex-Bundesbank-Chef verlangt von der EU, für sämtliche Schulden Griechenlands zu garantieren. Für die Lösung der griechischen Misere veranschlagt der Finanzexperte mehrere Jahrzehnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770712,00.html
Nur so lässt sich Chaos verhindern und auch ist den Griechen nur langfristig zu helfen. Allerdings müssen die Griechen an die Steuerproblematik ran. Sonst wird das nichts.
2. Doch ein Problem des Euro
naturfreund 27.06.2011
Die Wirtschaftssituation Griechenlands führt innerhalb einer EURO-Zone dazu, dass Griechenland wirtschaftlich untergeht. Entweder Griechenland wird solange unterstützt, bis sich die wirtschaftliche Situation erholt hat, oder es gibt eine Völkerwanderung in lukrativere Gegenden Europas. Ein Austritt aus dem EURO wäre natürlich auch möglich und für die Griechen sicherlich besser. Aber diejenigen, die bisher an Griechenland verdient haben und irgendwo muss das Geld ja jetzt sein, haben sicherlich etwas gegen den Austritt.
3. Schuldenkrise: Ex-Bundesbank-Chef Weber fordert Euro-Garantien für Griechenland
Roßtäuscher 27.06.2011
Zitat von sysopAxel Weber meldet sich mit einem Radikalplan zur Rettung der Euro-Zone zurück: Der Ex-Bundesbank-Chef verlangt von der EU, für sämtliche Schulden Griechenlands zu garantieren. Für die Lösung der griechischen Misere veranschlagt der Finanzexperte mehrere Jahrzehnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770712,00.html
Und diese haushaltspolitisch, kaputte Staatsform hat die EU ohne tiefgreifende Prüfung einfach aufgenommen, obendrein noch in die €-Währung. Die EU hat unkontrolliert Mitglieder aufgenommen, ohne zu prüfen ob die Staaten dem Standard der Gründungsländer genügen. Bulgarien, Rumänien. 2013 soll Kroatien folgen. Brüssel allein scheint an diesem Saustall schuld zu sein. Es werden viel zu viele mäßige, bis ungeeignete Allerweltspolitiker aus den Mitgliedsländern nach Brüssel abgeschoben. Und wir haben eine Frau Merkel.
4. das Kind im Brunnen
Emil Peisker 27.06.2011
Zitat von sysopAxel Weber meldet sich mit einem Radikalplan zur Rettung der Euro-Zone zurück: Der Ex-Bundesbank-Chef verlangt von der EU, für sämtliche Schulden Griechenlands zu garantieren. Für die Lösung der griechischen Misere veranschlagt der Finanzexperte mehrere Jahrzehnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770712,00.html
Recht hat er. Es war nicht der Euro, der Griechenland in die Misee führte, sondern ein extrem unseriöse haushaltsführung der Nia Demokratia unter dem Karamanlis-Clan. Keine vernünftige Steuerpolitik, Vetterles-Wirtschaft ins uferlose, und fehlende staatsbürgerliche Verantwortung der Eliten. Das das Kind im Brunnen liegt, sollte man es herausholen und nicht den Brunnen zuschütten, oder?
5. das Kind im Brunnen liegt
Emil Peisker 27.06.2011
Zitat von Emil PeiskerRecht hat er. Es war nicht der Euro, der Griechenland in die Misee führte, sondern ein extrem unseriöse haushaltsführung der Nia Demokratia unter dem Karamanlis-Clan. Keine vernünftige Steuerpolitik, Vetterles-Wirtschaft ins uferlose, und fehlende staatsbürgerliche Verantwortung der Eliten. Das das Kind im Brunnen liegt, sollte man es herausholen und nicht den Brunnen zuschütten, oder?
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