Schuldenkrise Griechen starten frustriert ins neue Jahr

Von Vorfreude auf 2011 kann in Griechenland keine Rede sein: Das Land steckt trotz Milliardenhilfen der Euro-Partner tief in der Schuldenkrise. Die Bürger fürchten einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen.


Athen - Ob die Griechen wirklich an der Silvesterparty gespart haben, weiß natürlich niemand. Doch die Meldungen, dass auf große Partys mit Feuerwerk in diesem Jahr verzichtet wurde, passen ins Bild.

In Athen versammelten sich am zentralen Syntagma-Platz nur wenige tausend Menschen. "Die großen Feiern der vergangenen Jahre sind eine ferne Erinnerung geworden", kommentierte ein Fernsehreporter aus dem Zentrum Athens.

Klar ist: 2010 war ein übles Jahr für Griechenland. Die Kosten für neue Schulden wurden so teuer, dass das Land allein nicht mehr überlebensfähig war - ein Rettungsschirm mit einem Volumen von 110 Milliarden Euro musste her. Als Gegenleistung zwingen EU und Internationaler Währungsfonds das Land zu einem strikten Sparkurs.

Die Folge: Die Arbeitslosigkeit ist 2010 von 9,3 auf mehr als 12 Prozent gestiegen. Das Einkommen vieler Griechen ist um fast 20 Prozent zurückgegangen. "Ein schwieriges Jahr ist vorbei. Ein noch schwierigeres kommt", sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias in seiner Neujahrsansprache.

Diese Furcht teilt die Mehrheit der Griechen: 75 Prozent sind laut einer Umfrage der Ansicht, die Arbeitslosigkeit werde im neuen Jahr enorm steigen. Sechs von zehn Bürgern erwarten weitere Gehaltskürzungen.

Die Zahlen berufen auf einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kapa Research, die am Freitag in der Athener Zeitung "To Vima" veröffentlicht wurde.

Frust über etablierte Parteien

Demnach geraten die etablierten Parteien angesichts des harten Sparkurses unter Druck: Die regierenden Sozialisten würden im Falle von Neuwahlen derzeit nur 22,2 Prozent bekommen. Die oppositionelle konservative Nea Dimokratia (ND) profitiert davon aber nicht: Sie käme nur auf 20,2 Prozent.

Das ist das historisch schlechteste Ergebnis der beiden großen Parteien, die sich seit Jahrzehnten an der Macht abwechseln. Viele Griechen sehen offenbar keinen Sinn mehr darin, überhaupt eine Partei zu unterstützen - mehr als 30 Prozent der Befragten sagten, sie würden gar nicht wählen oder ihre Stimme als Protest ungültig abgeben.

Ein klares Bild gibt es auch bei der Haltung zur Euro-Einführung: Mehr als zwei Drittel der Befragten hält es nachträglich für falsch, ihre alte Währung Drachme aufgegeben zu haben. Einen Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung will die Mehrheit aber auch nicht: 61 Prozent bezeichnen es als besser, den Euro zu behalten.

84 Prozent bewerten Merkel negativ

Besonders unbeliebt bei den Griechen scheint die Kanzlerin zu sein. 83,7 Prozent bewerten die deutsche Regierungschefin in der Umfrage negativ. Nur 14 Prozent finden sie gut. Das dürfte vor allem mit Merkels langem Sträuben gegen Finanzhilfe liegen - sowie an ihrer Forderung, private Gläubiger an der Schuldenkrise zu beteiligen. Dies hatte den Druck der Finanzmärkte auf die Schuldenstaaten noch verstärkt.

Beliebt ist dagegen der französische Präsident Nicolas Sarkozy. Er findet bei 50,5 Prozent der Befragten Zustimmung. Sarkozy hatte in der Öffentlichkeit mehr die Solidarität der Euro-Länder hervorgehoben.

cte/dpa



insgesamt 56 Beiträge
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weltbetrachter 01.01.2011
1. Griechen finden Merkel schlecht ...
Aber warum haben die dann von Frau Merkel das ganze Geld angenommen. Können es ja jetzt zurückzahlen und dann können die von mir aus Frau Merkel schlecht finden. Wie hoch ist jetzt eigentlich in Griechenland das Renteneintrittsalter? Alles unter 67 --> dann lieber ganz ruhig sein !!!
weltbetrachter 01.01.2011
2. Dankbarkeit ...?
Erst den Staat in den Ruin treiben. Dann Milliarden als Hilfen annehmen. Und denen die geholfen haben jetzt vorhalten, das sie SCHLECHT sind. Sieht so DANKBARKEIT aus ? Künftig sollten besser vorher überlegen, wem wir unsere Steuer-Milliarden in deren maroden Haushalte pumpen. Wir müssen das Geld auch sauer mit unserer Arbeit erst verdienen. Aber das scheint in Griechenland niemanden zu interesieren.
LeisureSuitLenny 01.01.2011
3. Die Rente
Zitat von weltbetrachterAber warum haben die dann von Frau Merkel das ganze Geld angenommen. Können es ja jetzt zurückzahlen und dann können die von mir aus Frau Merkel schlecht finden. Wie hoch ist jetzt eigentlich in Griechenland das Renteneintrittsalter? Alles unter 67 --> dann lieber ganz ruhig sein !!!
Nur weil wir uns hier zum wehrlosen Zahldeppen machen lassen und alles schlucken, muss man das nicht auch für andere fordern. In diesem Punkt sind wir die Allerletzten und die anderen Länder sollten sich nicht zu uns runterziehen lassen.
atock 01.01.2011
4. so funktioniert unsere medienpropaganda...
83,7 prozent der griechen mögen merkel nicht... egal unter welchen gesichtspunkten diese befragung vorgenommen wurden.die art wie gefragt worden ist. dieses informnation zeigt wie einfach es für die mainstreammedien ist,volkesmeinungen zu manipulieren... die griechen mögen merkel nicht? dann hat merkel,so das wahlvieh einen guten job gemacht,da die europäische gemeinschaft seit der entstehung niemals das gefühl des einigen europäers hatte.weil es den in keinster weise gab.jede einzelne von ihren ländern gewählte regierungen hatte die verpflichtung,alles erdenkliche aus dem eu kuchen herrauszuholen was geht. um nichts anderes geht es den "europäischen"freunden. sie spielen selbst generationen nach 33-45 diese karte aus. und unsere volksvertreter die längst nichts mehr mit volkeswille zu tun haben,folgen dem political correctness system. das bedeutet alles zu tun,alles an von deutschen geschaffen werten in die waagschale zu werfen. damit selbst jetzt noch generationen nach 12 jahren der schuld der urahne in kollektivhaft genommen werden kann. mit diesem pfund arbeiten alle europäischen "freunde".. wenn merkel nicht parriert folgt der trumpf,die nazikarte... die dann von allen "befreundeten" schweinestaaten ausgespielt wird,wenn wir nicht bezahlen... hergott ich wünsche mir nichts anderes einen starken führer der sich nur seinem eigenem volk verantwortlich fühlt...
Steff-for 01.01.2011
5. Gelder sinnvoll investiert?
Recht interessant, was hier zu lesen ist. http://www.kopp-online.com/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/schoene-bescherung-eu-rettungsschirm-finanziert-moscheebau-in-athen.html;jsessionid=C71FE3EBF45313C3A95DC3A8048CBB20 - Missbrauch von Stützgeldern und Veruntreuung Recht interessant auch, wer zu allererst unter dem Rettungsschirm steht. Banken Lustig, was letztlich mit dem Rettungsschirm bezweckt werden soll. Rettung der Banken, auf dass der Euro weiter rollt, und zwar in die richtige Richtung, nach oben zu den oberen Einkommensklassen. Ne ne... Was von Kopp zu halten ist... hm? Irgenwo ist immer ein Quäntchen Wahrheit drin. Gutes Neues Jahr Steff
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