Schuldenkrise in Europa China diktiert Bedingungen für Finanzhilfe

Im Kampf gegen die Schuldenmisere blicken die Europäer nach Osten: China könnte die Euro-Zone mit Geldern aus dem gigantischen Staatsschatz unterstützen. Peking erwägt tatsächlich Finanzhilfen - aber nicht ohne Gegenleistung.

Chinesische Banknoten: Europa hofft auf ein Investment aus Peking
REUTERS

Chinesische Banknoten: Europa hofft auf ein Investment aus Peking


Hamburg - Der Kurs für die Rettung des Euro ist seit den Beschlüssen des Brüsseler Krisengipfels klar - nun suchen die europäischen Länder nach Geldgebern, um den Rettungsfonds EFSF zusätzlich mit dem nötigen Kapital auszustatten. Eine wichtige Rolle soll dabei China spielen, mit bis zu 100 Milliarden Euro aus Peking kalkulieren die Euro-Sanierer. Das Geld könnte in den EFSF oder in eine der geplanten Zweckgesellschaften fließen. Doch an mögliche Zahlungen sind laut "Financial Times" Bedingungen geknüpft.

So will China das Risiko nicht allein tragen. Entscheidend sei, ob und in welchem Umfang auch andere nicht-europäische Länder Geld in den Rettungsschirm investierten, sagte Li Daokui von der chinesischen Zentralbank dem Blatt. Zudem könnte Peking umfangreiche Sicherheiten verlangen.

Eine mögliche politische Forderung Pekings dürfte die Verhandlungen zusätzlich erschweren. Laut Li Daokui könnte die Regierung erwarten, dass sich die europäischen Länder in Zukunft mit Kritik an der chinesischen Wirtschaftspolitik zurückhalten. Chinas Währung wird schon lange künstlich schwach gehalten, um die Exporte des Landes zu stützen. Neben Europa hatten auch die USA diese Praxis immer wieder gerügt.

Die chinesische Zeitung "China Daily" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf eine EU-nahe Quelle, dass eine Beteiligung der Volksrepublik auch über den Internationalen Währungsfonds (IWF) möglich sei. Im Gegenzug könnte China seine Abstimmungsrechte im IWF stärken.

Dass China nun zum Hoffnungsträger avanciert, hat gute Gründe. Das Land verfügt über enorme Währungsreserven in Höhe von über 3,2 Billionen Dollar (etwa 2,3 Billionen Euro). Europa jetzt unter die Arme zu greifen, könnte dem Bestreben Pekings nützlich sein, als eine der führenden Wirtschaftsmächte anerkannt zu werden. "Für China könnte das der ganz große Durchbruch in seinem Bemühen werden, in der internationalen Finanzhierarchie den Platz am Kopfende des Tisches einzunehmen", sagt der Ökonom Carl Weinberg von High Frequency Economics.

Zudem hat China beträchtliche Summen in europäische Staatsanleihen investiert. Die Regierung in Peking machte wiederholt deutlich, dass sie von den Europäern aktive Schritte gegen die Schuldenkrise erwartet, um Unsicherheiten auf den Weltmärkten vorzubeugen.

"Beratungen in einer frühen Phase"

Die Europäer haben bereits Kontakt zu den Verantwortlichen in China aufgenommen. Am Donnerstagabend machte sich EFSF-Chef Klaus Regling auf den Weg nach Peking, um dort über Finanzhilfen zu verhandeln. China sei ein "guter, loyaler Kunde" von EFSF-Anleihen, sagte er. Rund 40 Prozent seien bisher von Investoren in Asien gekauft worden.

Der deutsche Finanzexperte dämpfte jedoch Hoffnungen auf eine schnelle Einigung. Er wolle in der chinesischen Hauptstadt "Beratungen in einer frühen Phase" führen, sagte Regling am Freitag. Niemand solle ein "bestimmtes Ergebnis" erwarten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte seinerseits an, mit Staatspräsident Hu Jintao direkt verhandeln zu wollen.

In der EU ist der Vorstoß umstritten. Währungskommissar Olli Rehn hatte sich in der vergangenen Woche im "Handelsblatt" von einem Vorschlag Brasiliens distanziert, wonach China und andere Schwellenländer gemeinsam einen Beitrag leisten könnten: "Das hätte allerdings sehr weitreichende politische Konsequenzen. Letztlich würde es bedeuten, dass Chinesen, Brasilianer und Russen indirekt einen Platz am Tisch der Euro-Zone bekämen. Eine solche Entscheidung hätte eine nicht zu unterschätzende strategische Bedeutung."

Die europäischen Staaten hatten sich am Mittwoch in Brüssel nach einer Marathonsitzung auf ein gigantisches Hilfspaket geeinigt, mit dem sie die Schuldenkrise eindämmen und den Euro absichern wollen. Der Schutzwall gegen die gefährliche Krise umfasst ein neues 100-Milliarden-Euro-Paket sowie einen Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent.

Dazu kommt die Rekapitalisierung von Banken, ein stärkerer Rettungsfonds EFSF und ein Sparprogramm in Italien. Börsen und Politiker hatten erleichtert auf den Durchbruch reagiert.

jok/dpa/Reuters

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insgesamt 330 Beiträge
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BeBeEli 28.10.2011
1. Demütigung
Zitat von sysopIm Kampf gegen die Schuldenmisere blicken die Europäer nach Osten: China könnte die Euro-Zone mit Geldern aus dem gigantischen Staatsschatz unterstützen. Peking erwägt tatsächlich Finanzhilfen - aber nicht ohne Gegenleistung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794503,00.html
Ich gönne den europäischen "Führern" die Demütigung, die darin besteht, dass sie China um Hilfe bitten müssen. Das ist ein weiterer Beweis, dass sie dumm, beschränkt und unfähig sind und keine Scheu haben, ihr eigenes System bloßzustellen.
Bezahler 28.10.2011
2. Ankunft in der Wirklichkeit
Zitat von sysopIm Kampf gegen die Schuldenmisere blicken die Europäer nach Osten: China könnte die Euro-Zone mit Geldern aus dem gigantischen Staatsschatz unterstützen. Peking erwägt tatsächlich Finanzhilfen - aber nicht ohne Gegenleistung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794503,00.html
Werden uns nun die Chinesen nach unserem Jahrzehntewährenden dekadenten "über die Verhältnisse leben"wieder zur Räson bringen? Mal sehen wie schön wir über das Stöckchen springen.
kezia_BT 28.10.2011
3. Verraten und verkauft!
Aha. Jetzt wissen wir also, woher das Geld kommen soll. Und den Preis können wir uns auch ausrechnen: Ade, Menschrechte - ade, Umweltschutz - ade, Soziale Marktwirtschaft. Statt dessen Maloche ohne Urlaub und unter der Knute der Asiaten. Im Mittelalter hat das Abendland die Angriffe aus dem Osten zurückgeschlagen. Jetzt werden die Türken "integriert" und die Chinesen dürfen uns regieren. Danke, Merkel & Co.!
peter h. 28.10.2011
4. Lasst das mal lieber sein
Herrlich die Kapitalisten gehen zu den Kommunisten betteln. Die Kapitalisten würden ihre eigene Großmutter verkaufen wenn man es ihnen erlauben würde.
Pepito_Sbazzagutti 28.10.2011
5. Die Welt
China holt sich Welt - selbstverständlich nicht ohne Gegenleistung :-)
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