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Schuldenkrise: Italien spricht mit IWF über 400-Milliarden-Notpaket

Der Internationale Währungsfonds könnte dem angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien mit einem Notpaket beispringen - Gespräche darüber sollen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits seit Wochen laufen. Laut den Plänen würden drei Viertel der Gesamtsumme einfach gedruckt werden.

Italiens Regierungschef Monti: Seit Wochen soll es Gespräche mit dem IWF geben Zur Großansicht
AFP

Italiens Regierungschef Monti: Seit Wochen soll es Gespräche mit dem IWF geben

Brüssel - Die Chefin dementierte höchstpersönlich: Italien habe den Internationalen Währungsfonds (IWF) bislang noch nicht um Unterstützung gebeten, und es gebe auch keine Verhandlungen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Montag. Und ein IWF-Vertreter bekräftigte dies am Dienstag.

Offenbar sind aber durchaus schon erste Gespräche über Finanzhilfen in der Schuldenkrise geführt worden. Dies meldet jedenfalls die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach soll ein Notpaket in Höhe von 400 Milliarden Euro angedacht sein, drei Viertel davon sollen die Notenbanken des Währungsraums beisteuern.

Italien stehen harte Monate bevor - allein bis Ende April 2012 werden Staatsanleihen in Höhe von rund 175 Milliarden Euro fällig. Der eigentlich für angeschlagene Euro-Mitglieder gedachte Rettungsschim EFSF wird zudem wohl selbst nach einer Verstärkung durch Gelder privater Investoren nicht genug Mittel haben, um ein Schwergewicht wie Italien zu retten.

Laut mehreren Insidern, auf die sich Reuters beruft, könne der Beitrag des IWF an den Finanzhilfen womöglich um Kredite nationaler Zentralbanken der Euro-Zone aufgestockt werden. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Der neugewählte Regierungschef Mario Monti werde vor dem 5. Dezember keine Hilfeersuchen an den IWF stellen. An diesem Tag will Monti seinem Kabinett den Entwurf für den Haushalt 2012 vorlegen.

EU-Diplomat: "Die Notenbanken würden schlichtweg Geld drucken"

Bereits seit Wochen würden die Gespräche über Hilfskredite für Italien den Insidern zufolge auf höchster Ebene laufen. Durch die Klarstellung Deutschlands, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Rom nicht direkt unter die Arme greifen dürfe, sei seit einer Woche zusätzlich Fahrt in die Beratungen gekommen. "Die Diskussion dreht sich derzeit um ein Notpaket von 400 Milliarden Euro. Italien hat keinen Antrag gestellt, aber es läuft in diese Richtung", sagte einer der Eingeweihten.

Finanzhilfen in diesem Ausmaß würden die Leistungsfähigkeit des IWF allein jedoch bei weitem übersteigen - dem Fonds stehen insgesamt nur rund 286 Milliarden Euro an Kreditvolumen für Länder in Not zur Verfügung. Daher wird unter den führenden Industrie- und Schwellenländern bereits diskutiert, die IWF-Mittel aufzustocken. Nach den jetzt gehandelten Plänen würde der Fonds Italien 100 Milliarden Euro Kredit geben, Notenbanken der Euro-Länder sollten die übrigen 300 Milliarden Euro beisteuern. "Das ist sinnvoll", sagte ein führender Vertreter des IWF.

Ein EU-Diplomat erklärte, dies käme letztlich de facto der Finanzierung Italiens durch Gelddrucken gleich. "Wenn Italien in Schwierigkeiten kommt, könnten die Euro-Länder die Mittel des IWF erhöhen, und sie können das über die nationalen Notenbanken tun, die schlichtweg Geld drucken würden", sagte er.

Auch auf dem Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstagabend stand die Suche nach zusätzlichen Geldquellen für den Fall einer weiteren Verschärfung der Krise im Mittelpunkt. Auch dort diskutierten die Beteiligten über eine stärkere Beteiligung des IWF an Rettungsaktionen für die Euro-Länder. Als eine, wenn auch unwahrscheinliche Option sind Kredite der EZB an den IWF im Gespräch.

fdi/Reuters

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1. Friedensprojekt
bestoffive 30.11.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds könnte dem angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien mit einem Notpaket beispringen - Gespräche darüber sollen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits seit Wochen laufen. Laut den Plänen würden Dreiviertel der Gesamtsumme einfach gedruckt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800748,00.html
Das Friedensprojekt wird langsam richtig teuer...
2. Frage
Ottokar 30.11.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds könnte dem angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien mit einem Notpaket beispringen - Gespräche darüber sollen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits seit Wochen laufen. Laut den Plänen würden Dreiviertel der Gesamtsumme einfach gedruckt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800748,00.html
wie hoch wäre der deutsche Anteil?
3. wir haben es geahnt
Teile1977 30.11.2011
Wir haben es ja geahnt das eine gemeinsame Währung, bei der jeder machen darf was er will, irgendwann schiefgeht. Aber zumindest ich habe gehofft das es länger als 10 Jahre dauert. Was nun?
4. inflationäre Auswirkung?
irgendwer_bln 30.11.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds könnte dem angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien mit einem Notpaket beispringen - Gespräche darüber sollen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits seit Wochen laufen. Laut den Plänen würden Dreiviertel der Gesamtsumme einfach gedruckt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800748,00.html
Bevor nun wieder alle den Himmel schwarzmalen, weiß jemand welche inflationäre Auswirkung 300Mrd.€ auf den Wirtschaftsraum EU haben? Ich halte mich der "Lösung" "Druck-das-Geld-einfach" skeptisch gegenüber. Aber wenn alle Politiker der EU offen zugeben, dass es für diese Situation weder Handbuch noch Beispiele gibt, werden wir hier wahrscheinlich Genies finden, die sofort die einzig richtige Lösung parat haben. ;-)
5. Einfach mal drucken
rafkuß 30.11.2011
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds könnte dem angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien mit einem Notpaket beispringen - Gespräche darüber sollen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits seit Wochen laufen. Laut den Plänen würden Dreiviertel der Gesamtsumme einfach gedruckt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,800748,00.html
Na dann! Besser wäre natürlich: Wenn sich dies Finanz- und Politpack einfach ver-drücken würde. (Werden sie zwar sowieso, nach dem großen "Bäng"...)
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Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen Zur Großansicht

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Wie Euro-Bonds funktionieren sollen
Was sind Euro-Bonds?
Bonds sind Anleihen, also Schuldverschreibungen von Staaten. Bislang leiht sich jedes Land der Euro-Zone alleine Geld von Investoren, Deutschland macht dies über Bundesanleihen. Mit Euro-Bonds würden dagegen alle Länder der Währungszone gemeinsam Schulden aufnehmen.
Warum werden Euro-Bonds gefordert?
Durch die weltweite Finanzkrise haben sich die Schulden vieler Länder massiv erhöht. Dadurch wurden Investoren misstrauischer: Die Bonität, also die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal, sank. Deshalb mussten sie immer höhere Zinsen zahlen, um noch Käufer für ihre Anleihen zu finden. Mittlerweile werden alle drei Länder von Rettungsschirmen der EU gestützt, zugleich gibt es Spekulationen gegen große EU-Länder wie Italien oder Frankreich. Um diese zu beenden, fordern Politiker eine gemeinsame Finanzierung.
Welche Vorteile hätten Euro-Bonds?
Bei einer gemeinsamen Anleihe würden alle Euro-Länder dieselben Zinssätze zahlen. Da Länder mit höchster Bonität wie Deutschland für die Euro-Bonds bürgen würden, würden die Zinsen für Länder wie Griechenland deutlich sinken. Trotz der zum Teil extremen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beteiligten Ländern dürfte der Markt für Euro-Bonds schon allein wegen seiner Größe für Investoren interessant sein.
Welche Nachteile hätten sie?
Wirtschaftlich starke Länder müssten durch die Gemeinschaftsanleihen künftig höhere Zinsen bezahlen. Besonders deutlich wäre dieser Unterschied für Deutschland, dessen Anleihen bislang als "Goldstandard" der Euro-Zone gelten. Die jährlichen Mehrkosten bei der Kreditaufnahme dürften sich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag belaufen. Zudem könnten die Euro-Staaten durch gemeinsame Anleihen eine geringere Motivation zur Haushaltsdisziplin haben.
Was bedeuten Euro-Bonds für die EU?
Die Bonds würden das endgültige Ende der No-Bailout-Klausel im Maastricht-Vertrag bedeuten, laut der die EU-Staaten nicht untereinander für ihre Schulden haften. Die EU würde noch stärker als bislang zur Transferunion, in der die gemeinsamen Bonds einen großen Teil der wirtschaftlichen Unterschiede ausgleichen.

Einen solchen Wandel dürfte vor allem Deutschland nur akzeptieren, wenn damit deutlich verschärfte Kontrollen und Sanktionen für die nationalen Haushalte verbunden sind. Viele Anhänger von Euro-Bonds fordern auch eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik der EU, bis hin zu einem europäischen Finanzminister. Dies würde jedoch einen großen Souveränitätsverlust für die nationalen Parlamente und Regierungen bedeuten und deshalb wohl auf erhebliche Widerstände stoßen.

Am 30. Januar 2012 beschlossen 25 der 27 EU-Länder jedoch einen Schritt in Richtung gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzpolitik: den Fiskalpakt. Sie verpflichteten sich zu strengerer Haushaltsdisziplin und der Verankerung einer Schuldenbremse in nationalem Recht. Die Grenze für das strukturelle Defizit legten sie auf 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung fest, die Gesamtverschuldung soll binnen 20 Jahren auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Nur Großbritannien und Tschechien stimmten der Übereinkunft nicht zu.

Fakten zur Euro-Zone

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Interaktive Grafik

Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission
Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise

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