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Schuldenkrise: Masterplan für die Euro-Rettung

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Politiker kämpfen seit vielen Monaten gegen die Euro-Krise - doch die strengen Sparprogramme und riesigen Rettungspakete waren bislang erfolglos. Um das Ende der Währungsunion zu verhindern, sind weit radikalere Schritte nötig. Was würde wirklich helfen?

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Wege aus der Schuldenkrise Zur Großansicht
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Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Wege aus der Schuldenkrise

Hamburg - Wollte man der Euro-Krise ein Motto verpassen, würde sich das folgende anbieten:

"Kontinent der Vielfalt. Jede Krise ist anders."

Zumindest flüchten sich die Retter des Euro immer wieder in Ländervergleiche. " Irland ist nicht Griechenland", "Portugal ist nicht Irland": Immer wenn Anleger beginnen, an der Zahlungsfähigkeit eines Euro-Staats zu (ver)zweifeln, wird sofort darauf verwiesen, dass die Lage nicht so prekär ist wie woanders. Jetzt, da die Märkte über das hochverschuldete Italien herfallen, heißt es: "Italien ist nicht Portugal".

Es ist der Versuch, eine Krise herunterzuspielen, für die auch nach 14 Monaten noch keine umfassende Lösung in Sicht ist. "Das Schicksal von Europas Schuldensündern liegt zu 25 Prozent in den Händen der Regierungen und zu 75 Prozent in den Händen der Märkte", sagt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Und kein Rettungspaket oder Sparprogramm konnte deren Nervosität bisher stoppen.

Das beste Beispiel dafür ist Portugal: Monatelang hatten die Regierung in Lissabon, die EU und zahlreiche Experten beteuert, das Land werde die Schuldenkrise aus eigener Kraft überstehen. Doch dann schossen die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen bei jedem denkbaren Anlass ein Stück weiter in die Höhe: als das Parlament über Details von Sparprogrammen stritt; als Generalstreiks gegen Sozialkürzungen das Land lähmten; als Konjunkturprognosen schlechter ausfielen als erwartet. Schließlich waren die Zinsen zu hoch, Portugal drohte die Pleite. Die EU musste das Land doch retten.

"Die Attacken der Finanzmärkte werden weitergehen"

Doch auch danach gaben die Märkte keine Ruhe. Portugals Lage verschlechtert sich weiter. Nun versucht Italien, die Märkte mit einem Turbo-Sparprogramm zu beruhigen. Aber geht das? Bofinger glaubt: "Die Attacken der Finanzmärkte werden weitergehen."

Die Euro-Staaten sehen diese Gefahr und diskutieren nun neue Maßnahmen, um die Krise ein für alle mal zu beenden. Es sind Aktionen, die die Währungsunion stark verändern würden. Vorhaben, die lange tabu waren, weil Staaten eine gehörige Portion Macht nach Brüssel abgeben müssten. Nun bröckeln die Tabus. Europa erwägt den großen Sprung.

Welche Befreiungsschläge werden diskutiert? Wie beurteilen Experten sie? Eine Übersicht.

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insgesamt 325 Beiträge
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1. EU-Schwachsinn
anderton 15.07.2011
---Zitat--- Man könnte in jedem Land der Euro-Zone eine Schuldenkommission installieren, die festlegt, in welchem Zeitraum die Schulden wie stark gedrückt werden müssen", sagt Dennis Snower. "Sie hätte ein Vetorecht gegenüber dem Finanzminister und damit beim Haushalt das letzte Wort. ---Zitatende--- oder noch Besser: ---Zitat--- Bofinger schlägt dagegen das Europäische Parlament als übergeordneten Haushaltswächter vor. "Es sollte die Haushalte hochverschuldeter EU-Länder zusätzlich absegnen", sagt der Wirtschaftsweise. "Das hätte den Vorteil, dass eine demokratisch legitimierte Instanz diesen Job übernimmt. Noch radikaler denkt HWWI-Chef Straubhaar. Er fordert gleich einen gemeinsamen Finanzminister für Europa. ---Zitatende--- Das ist ja ein toller Master Plan! Das ist absoluter Schwachsinn! Glücklicherweise bin ich da mal mit unserem Finanzminister einer Meinung, Euro-Bonds wird es nicht geben! Griechenland umschulden und aus der Währungsunion schmeißen. Oder den Euro in Nord und Süd aufteilen. Das sind die Lösungen, die weiter ausgearbeitet werden müssen.
2. Kollektiv-Schuldscheine
totalmayhem 15.07.2011
Kollektiv-Schuldscheine als das neue Allheilmittel fuer den Euro? Die einzig verbindliche Auflage, geknuepft an Schuldscheine, ist, ist die Verpflichtung sie zu bezahlen wenn sie eingeloest werden. Und nun raten Sie mal welcher Europaeische Steuerzahler am geuebtesten ist in Sachen Kollektivcchuld?
3. Hervorragend! Endlich!
Bondurant 15.07.2011
---Zitat--- Nicht jedes Land für sich leiht sich Geld, sondern die Mitglieder der Währungsunion im Kollektiv. Staaten mit einem soliden Haushalt würden für Länder mit einer höheren Schuldenquote mitbürgen...... ---Zitatende--- Super! Aber warum nur so kleine Schritte? Besser, gleich eine europäische Zentralregierung mit Präsidenten nach amerikanischem Vorbild. Und, wegen der Krise, mit Sondervollmachten für die nächsten, sagen wir 10, Jahre. Ich schlage Silvio Berlusconi für diesen Job vor, alternativ Sarkozy oder Strauss - Kahn. ---Zitat--- Vorhaben, die lange tabu waren, weil Staaten eine gehörige Portion Macht nach Brüssel abgeben müssten. ---Zitatende--- An manche Tabus sollte man vielleicht nicht rühren...
4. Gute Nachrichten
chlorid 15.07.2011
Die Krise kommt genau zur rechten Zeit. Wenn die Euro-Kritiker glauben, dass sie zum Auseinander brechen der Union führen wird, dann irren sie gewaltig. Das Gegenteil wird der Fall sein. Durch den Druck werden die Politiker endlich dazu gezwungen, die Einheit Europas auch wirtschaftlich weiter voranzutreiben.
5. Was hilft denn?
The_Hobbit 15.07.2011
Vielleicht, wie von vielen Seiten bereits ausführlich betont, die Regulierung der Finanzmärkte, die Einführung der berühmten Steuer auf Spekulationen, das Verbot (oder zumindest die Regulierung) von CDS. Eigentlich wissen wir schon alles: Welche Opfer im Namen der Freiheit der Märkte müssen noch erbracht werden? Schauen wir uns einfach die Realität an.
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