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Schuldenkrise: Rating-Agentur attackiert Euro-Rettungsfonds

Die Euro-Retter müssen den nächsten Schlag hinnehmen: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Bonität des Rettungsfonds EFSF um ein oder zwei Stufen zu senken. In diesem Fall könnte die Krisenstrategie der Europäer ernsthaft gefährdet sein. 

Standard & Poor's-Zentrale in New York: Negativer Ausblick für EFSF Zur Großansicht
dapd

Standard & Poor's-Zentrale in New York: Negativer Ausblick für EFSF

London - Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat auch den Kreditausblick für Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF gesenkt. Das langfristige "AAA"-Toprating auf "CreditWatch negativ" gesetzt und damit unter verschärfte Beobachtung gestellt, teilte die Agentur mit. Der Rettungsfonds könnte die Topbonität verlieren, falls ein bisher mit Bestnote versehener Mitgliedstaat der Euro-Zone herabgestuft werden sollte. Dabei könnte die Kreditbewertung des EFSF um ein bis zwei Stufen gesenkt werden, hieß es.

Unter der Bezeichnung "CreditWatch negativ" verstehen die Experten von S&P nach eigenen Angaben eine Art Beobachtungsliste. Mit der Bewertung bestehe kurzfristig, in den kommenden 90 Tagen, eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung der Kreditbewertung.

Bereits am späten Montagabend hatte S&P den Ausblick für 15 der 17 Euro-Länder und damit auch für die sechs Staaten mit der Top-Kreditwürdigkeit "AAA" auf "negativ" gesetzt. Nach dem EU-Gipfel am kommenden Freitag will S&P so schnell wie möglich entscheiden, ob die aktuellen Ratings beibehalten werden. Derzeit halten noch Deutschland, Frankreich, Österreich, die Niederlande, Luxemburg und Finnland bei S&P die Bestnote.

Die Entscheidung ist dahingehend konsequent, als die Bonität des Rettungsfonds auf jener der fünf Top-Euro-Länder beruht. Die Topnote ist wichtig, damit sich die EFSF zu niedrigen Zinsen Geld leihen kann. Das heißt im Umkehrschluss: Verliert der Fonds seine Topnote, könnten die Hilfskredite für Irland, Portugal und eventuell weitere Krisenstaaten teurer werden.

Der Europa-Chefanalyst von S&P, Moritz Kraemer, hat die Kritik an der Entscheidung der Rating-Agentur zurückgewiesen. Investoren würden nicht blind Rating-Veröffentlichungen folgen. Wer dies glaube, unterschätze die Intelligenz der Marktteilnehmer. Zudem könnte der EU-Gipfel Ende dieser Woche noch einiges bewegen. "Wir glauben, dass der Krisengipfel eine ganz maßgebliche Chance ist, diesen Prozess umzukehren", sagte Kraemer im ARD-Morgenmagazin.

Die Risiken, die von der Krise ausgingen, könnten in den kommenden Wochen deutlich steigen, warnte Kraemer. Die Krise sei in einer Art und Weise ausgeufert, die nicht nur die Staatenfinanzierung betreffe, sondern auch das Bankensystem geschwächt habe: "Es ist eine systemische Vertrauenskrise."

Anleger reagieren gelassen

In der Bundesregierung löste die Warnung von S&P am Dienstag recht unterschiedliche Reaktionen aus. Kanzlerin Merkel gab sich gelassen und spielte die Bedeutung der Drohung herunter: "Was eine Rating-Agentur macht, das ist in der Verantwortung der Rating-Agentur." Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Rating-Drohung als Handlungsaufforderung an die EU: "Die Warnung betrifft die Euro-Zone als Ganzes."

Vom Koalitionspartner FDP kamen dagegen heftige Attacken gegen S&P: "Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber manchmal fällt es schwer, den Eindruck zu widerlegen, dass einige amerikanische Rating-Agenturen und Fondsmanager gegen die Euro-Zone arbeiten", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem "Handelsblatt". Auch Parteichef Philipp Rösler kritisierte die Entscheidung: "Wir halten nichts von solchen Drohungen", sagte der Wirtschaftsminister. Die deutsche Volkswirtschaft sei "absolut intakt", ihn könne Standard & Poor's nicht beeindrucken.

Anleger reagierten zunächst gelassen auf die Meldungen: Bis zum Nachmittag verlor der deutsche Leitindex Dax rund ein Prozent auf 6041,58 Punkte. "Die Warnung von S&P hat den Markt nicht in Panik versetzt, da die Probleme ziemlich offensichtlich sind", sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Die Stimmung ist aber eingetrübt." Die Regierungschefs stünden nun vor dem EU-Gipfel Ende der Woche noch stärker unter Druck.

cte/dpa/dapd

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insgesamt 49 Beiträge
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1. ja ja
heuwender 06.12.2011
jetzt wird es lustig über die Weihnachtsfeiertage,na denn schöne Bescherung Frau Besserwisser Merkel.
2. Der Finanzkrieg lässt grüßen …
wika 06.12.2011
… also dann, auf in den globalen Finanzkrieg … und alle müssen hingehen. Das Motto lautet: „Wen haben wir im Rahmen der Umerteilung zuerst in Grund und Boden geratet“? So würde ich das miese Spiel umschreiben. Die USA sind hier mit ihre Rate-Übermacht natürlich völlig im Vorteil und in der Übermacht, eigentlich wie in allen Kriegen und daher schon die designierten Gewinner. Ist so ähnlich wie wenn eine Hundertschaft der Polizei auf zehn Demonstranten losprügelt … rechtlich alles sauber und die Bedenken können von Gesetzeswegen ignoriert werden. An sich ist ja der Dollar noch kaputter als der Euro, deshalb muss man sich aus der Richtung beeilen auch diesen zu zerschießen um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Wer die Zeche zahlt ist klar, dafür sind die 99% zuständig, wieder mehr Zinsen aus den Staatshaushalten für die Geldberge die sich jetzt schlimmstes Risiko für die gleichen Geldmengen höher vergüten lassen müssen. Wer gewinnt diesen Finanzkrieg? Auch klar, das eine Prozent welches über die Monstermengen an Geld gebietet und seine Banken und Rate-Agenturen geeint an die Front schickt um die Schlacht zu schlagen. So treiben letztere fein die Politik vor sich her und die reagiert berechenbar … mit noch heftigerer Öffnung der Schatulle, statt dieses kaputte Geld-System endlich zu kastrieren. Aufklärung zur *„Guthabenkrise“* bietet hier ein Interview mit einem Vertreter der „Anonymen Billionäre“, der sich recht freigiebig zu diesen Vorgängen und Zusammenspielen äußert. Also Dinge verlauten lässt die die Bezahlt-Presse natürlich nicht schreiben darf … gibt's nur in den kleinen schattigen Winkeln des Internets … bitte hier … *Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/)* Sollten sie der Meinung sein dies wäre böse Satire, dann stimmt dies nur bedingt. Nicht für die Aussagen, sondern allein für die Tatsache dass sie mal sowas zu lesen bekommen. Das ist schon blanke Ironie. Liefert Ihnen nichtmal der schwarze Kanal von SPON … (°!°)
3. Rating - Agentur - Geschäfte
ernstmoritzarndt 06.12.2011
Zitat von sysopDie Euro-Retter müssen den nächsten Schlag hinnehmen: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Bonität des Rettungsfonds EFSF um ein oder zwei Stufen zu senken.*In diesem Fall*könnte die Krisenstrategie der Europäer ernsthaft gefährdet sein.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,802080,00.html
Muß man evtl. einmal die Frage zulassen, wer an den Rating - Agenturen und ihren Geschäften verdient?
4. Agents Provocateurs
hhismanic 06.12.2011
Zitat von sysopDie Euro-Retter müssen den nächsten Schlag hinnehmen: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Bonität des Rettungsfonds EFSF um ein oder zwei Stufen zu senken.*In diesem Fall*könnte die Krisenstrategie der Europäer ernsthaft gefährdet sein.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,802080,00.html
Wer bezahlt diese Agents Provocateurs und deren Treiben?
5. Zu Recht
slider 06.12.2011
Zitat von sysopDie Euro-Retter müssen den nächsten Schlag hinnehmen: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Bonität des Rettungsfonds EFSF um ein oder zwei Stufen zu senken.*In diesem Fall*könnte die Krisenstrategie der Europäer ernsthaft gefährdet sein.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,802080,00.html
Nur wer bei diesem Wetter Frost in Birne hat, kann glauben, dass wenn 27 verschuldete Hungerleider einen "Topf" mit Geld füllen, welches noch nicht mal gedruckt, Bonität ausstrahlen.
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Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall

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