Schuldenkrise: Rating-Agentur Fitch gibt Griechenland zweitschlechteste Note

Kaum ist das nächste Rettungspaket bewilligt, muss die Regierung in Athen wieder schlechte Nachrichten verkraften: Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland erneut herabgestuft. Jetzt warnt sie, ein Staatsbankrott sei höchstwahrscheinlich.

Sokrates in Athen: Zahlungsausfall im März Zur Großansicht
REUTERS

Sokrates in Athen: Zahlungsausfall im März

Athen - Die Rating-Agentur Fitch glaubt offenbar nicht an den Erfolg des neuen 130-Milliarden-Euro-Hilfspakets für Griechenland. Sie bewertet die Kreditwürdigkeit des Landes nur noch mit "C". Laut der von der Rating-Agentur auf ihrer Website veröffentlichen Tabelle der Codes hat Fitch die Bonität Griechenlands damit um gleich zwei Noten herabgestuft.

Noch weiter abwärts kann es nun nicht mehr gehen - außer Fitch stellt den Staatsbankrott fest. Die Rating-Agentur hat diesen Schritt bereits für den nun am 12. März erwarteten freiwilligen Schuldenschnitt angekündigt: Vorübergehend würde Griechenland auf die Note "RD" für begrenzter Zahlungsausfall (Restricted Default) herabgestuft, bis die dann ausgegebenen neuen Staatsanleihen eine Bewertung erhalten.

Die griechische Regierung spielte die Ankündigung herunter - es handele sich nur um einen formalen Schritt, denn ein Staatsbankrott und ein Austritt aus der Euro-Zone werde durch das neue Rettungspaket verhindert.

Fitch hatte die Note Griechenlands schon im vergangenen Juli von "B+" auf "CCC" herabgestuft und dies vor allem mit dem "Fehlen eines neuen Hilfsplans" und der Unsicherheit über die Rolle privater Investoren bei den Rettungsbemühungen begründet. Diese Bedingungen sind jetzt allerdings erfüllt: Das Finanzministerium in Athen hat einen Zeitplan für den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger ausgearbeitet, mit dem der Schuldenstand um 107 Milliarden Euro reduziert werden soll. Das offizielle Angebot an die Banken und andere Finanzinstitute soll nach Berichten des staatlichen Rundfunks am Freitag vorgelegt werden.

Kleinanleger können hoffen, verschont zu werden

Bis zum 8. März sollen sich die Banken dann ins Buch der sogenannten Willigen eintragen - verzichten mindestens 95 Prozent freiwillig auf ihre Forderungen, gilt der Schuldenschnitt als erfolgreich. Sollten sich dagegen weniger als zwei Drittel der Gläubiger zum Schuldenschnitt bereiterklären, treten Zwangsklauseln (Collective Action Clausel, CAC) in Kraft. Für Kleinanleger, die bis zu 100.000 Euro in griechische Staatsanleihen investiert haben, ließ der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos allerdings ein kleines Fenster offen - die Regierung werde für die "Personen-Sparer" Sorge tragen, sagte er. Einzelheiten gab er aber nicht bekannt.

Der frühere Finanz- und jetzige griechische Umweltminister Giorgos Papakonstantinou sprach sich in der "Zeit" dafür aus, die für April geplanten Neuwahlen zu verschieben. "Es wäre gut, wenn die Regierung von Loukas Papademos mehr Zeit bekäme. Die Leute müssen spüren, dass sich etwas verändert", sagte er der Wochenzeitung.

Niederlande bezweifeln Reformwillen der Athener Regierung

Genau daran zweifelt der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager: Auch nach dem zweiten Rettungspaket für Griechenland glaubt er nicht an den Reformwillen des Landes. Auch die beschlossenen Überwachungsmechanismen für die Regierung in Athen hätten die Zweifel an der Umsetzung der Reformen nicht verschwinden lassen, sagte de Jager der französischen Zeitung "Le Monde". Über die am Dienstag beschlossenen Finanzhilfen sagte er: "Um ehrlich zu sein, ich habe Zweifel, aber es ist das Beste, was wir tun konnten".

In Athen selbst gehen die Proteste gegen die Sparpläne der Regierung weiter: Für Mittwochnachmittag riefen griechische Gewerkschaften zu zwei Demonstrationen vor dem Parlament auf. Die Kommunisten wollten mit einem Marsch demonstrieren, während andere Veranstalter einen Motorradkorso planten. Bei vergangenen Protesten kam es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen.

nck/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nachfrage
Progressor 22.02.2012
Bedeutet das Rating RD, dass die CDS fällig werden?
2. Enttäuschende Farce!
blauer_engel 22.02.2012
Zitat von sysopREUTERSKaum ist das nächste Rettungspaket bewilligt, muss die Regierung in Athen wieder schlechte Nachrichten verkraften: Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland erneut herabgestuft. Jetzt warnt sie, ein Staatsbankrott sei höchstwahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816921,00.html
Diese Spielchen, Druck auf alle Beteiligten auszuüben, die Vorgaben dieser sogenannten "Rettung" Griechenlands einzuhalten, macht im Sinne einer EU sehr viel kaputt. Wenn man nicht an Griechenland glaubt, braucht es auch kein Rettungspaket. Da spielt eine Rating-Agentur keine Rolle mehr.
3. Rettung...?
chewbacca1 22.02.2012
An die Rettung Griechenlands zu glauben ist genau so wahrscheinlich wie der Glaube daran, dass es 2016 das Hoverboard geben wird ... ;-)
4. ohne
unemployed50 22.02.2012
Zitat von sysopREUTERSKaum ist das nächste Rettungspaket bewilligt, muss die Regierung in Athen wieder schlechte Nachrichten verkraften: Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland erneut herabgestuft. Jetzt warnt sie, ein Staatsbankrott sei höchstwahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816921,00.html
[Zitat][QUOTE=sysop;9690151]Kaum ist das nächste Rettungspaket bewilligt, muss die Regierung in Athen wieder schlechte Nachrichten verkraften: Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland erneut herabgestuft. Jetzt warnt sie, ein Staatsbankrott sei höchstwahrscheinlich.[Zitat] Na endlich kommt Bewegung in die Sache! Ich hoffe die anderen Ratingagenturen ziehen nach! Es scheint, dass nur über diesen Weg die Pleite GR abgeschlossen wirden kann. Bis jetzt waren mir die Rateagenturen eher supekt jetzt empfinde ich etwas wie Wohlwollen. Weiter so!
5.
Pega123 22.02.2012
Zitat von sysopREUTERSKaum ist das nächste Rettungspaket bewilligt, muss die Regierung in Athen wieder schlechte Nachrichten verkraften: Die Rating-Agentur Fitch hat Griechenland erneut herabgestuft. Jetzt warnt sie, ein Staatsbankrott sei höchstwahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816921,00.html
Oh welch Überraschung. Der Prognose von Fitch kann man wohl nur Zustimmen, schließlich wird ja über den Zahlungsausfall schon heute verhandelt. Dabei gehts ja wohl nur noch um die Höhe und damit wir Griechenland mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% zahlungsunfähig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare
Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Der Zeitplan für die Griechenland-Rettung
Der Zeitplan für die Griechenland-Rettung
Die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts ist mit dem zweiten Hilfspaket gebannt - vorerst jedenfalls. Bis die Regierung in Athen die 130-Milliarden-Euro-Überweisung allerdings wirklich bekommt, sind noch etliche Hürden zu überwinden. Ein Überblick über die wichtigsten Termine.
22. Februar: Griechisches Parlament stimmt ab
Das griechische Parlament stimmt über die zusätzlichen Maßnahmen ab, mit dem die jüngste Finanzierungslücke von 325 Millionen Euro im Sparpaket geschlossen werden soll.
23. bis 24. Februar: Angebot an private Gläubiger
Griechenland unterbreitet den privaten Gläubigern ein Angebot für den freiwilligen Schuldenschnitt. Gleichzeitig will die Regierung die gesetzliche Grundlage schaffen, um Anleihen auch dann umzutauschen, wenn deren Besitzer nicht zugestimmt haben.
24. bis 26. Februar: G-20-Treffen in Mexiko
Die Finanzminister der weltweit 20 größten Volkswirtschaften treffen sich in Mexiko. Dort beraten sie unter anderem darüber, ob sie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr Geld zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zur Verfügung stellen.
27. Februar bis 2. März: Abstimmungen in mehreren Euro-Ländern
Mehrere Parlamente der Euro-Länder müssen den Finanzhilfen für Griechenland zustimmen - in der letzten Woche des Monats debattiert das niederländische Parlament und der deutsche Bundestag über das Rettungspaket. In den Niederlanden steigt der Widerstand dagegen, Griechenland erneut zu helfen. Unklar ist, wie das Votum in Deutschland und Finnland ausfallen wird. Wann das finnische Parlament abstimmt, ist noch nicht bekannt.
1. bis 2. März: EU-Gipfel in Brüssel
Der nächste EU-Gipfel ist angesetzt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs beraten in Brüssel über eine Zusammenlegung der Rettungsfonds EFSF und ESM. Nach derzeitigem Stand wäre die Kapazität bei 500 Milliarden Euro gedeckelt - ein Großteil des Geldes ist bereits für Griechenland, Irland und Portugal reserviert. Durch eine Zusammenlegung der beiden Fonds würde die Kapazität erhöht.
5. bis 9. März: Entscheidung des IWF-Direktoriums
In der zweiten März-Woche wird das IWF-Direktorium darüber entscheiden, wie groß der Beitrag des Internationalen Währungsfonds zum zweiten Hilfspaket sein wird. In derselben Woche dürfte bekanntgegeben werden, wie viele der privaten Gläubiger sich an dem freiwilligen Schuldenschnitt beteiligen.
9. März: Ende der Angebotsfrist für Schuldenschnitt
Ende der Angebotsfrist für den freiwilligen Schuldenschnitt. Sollten sich mindestens 66 Prozent der privaten Gläubiger beteiligen, kommt er zustande.
12. März: Schuldenschnitt wird vollzogen
Vollzug des Schuldenschnitts: Private Gläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der Schulden. Den Rest ihrer alten Griechenland-Anleihen tauschen sie in neue mit langer Laufzeit um.
20. März: Athens Altschulden werden fällig
Das entscheidende Datum, an dem sich die bisherigen Bemühungen ausrichten: Am 20. März muss Griechenland Altschulden in Höhe von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Hat das Land bis zu diesem Datum nicht die ersten Zahlungen aus dem neuen Hilfspaket erhalten, steht es vor der Pleite.
April: Parlamentswahl in Griechenland
Im April soll in Griechenland ein neues Parlament gewählt werden. Ein fester Termin wurde noch nicht angesetzt. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone befürchten, dass eine neue Regierung sich nicht an die vereinbarten Zusagen halten könnte.
Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite