Schuldenkrise Rating-Riese stuft Griechen-Anleihen auf Ramschstatus herab

Klare Ansage von Moody's: Die Rating-Agentur hat ihre Bonitätsbewertung für Griechenland gleich um vier Stufen heruntergesetzt - auf Ramschstatus. Hauptgrund für die Abwertung seien die kaum kalkulierbaren Risiken des Athener Sparprogramms.

Griechischer Premier Papandreou: Riskantes Sparprogramm
REUTERS

Griechischer Premier Papandreou: Riskantes Sparprogramm


New York - Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Euro-Staats Griechenland auf Ramschstatus herabgestuft. Die Bonitätsnote sinke um vier Stufen von "A3" auf "Ba1", teilte Moody's am Montagabend mit. Die Bewertung berücksichtigt das "größere, obgleich, niedrige Risiko einer Pleite". Den Ausblick schätzt die Agentur als stabil ein. Dies bedeutet, dass mittelfristig keine weitere Abwertung in Erwägung gezogen wird.

Analysten reagierten nicht überrascht auf die Moody's-Herabstufung. Die Auswirkungen sollten minimal sein, betonte Marc Chandler von Brown Brothers. Das liege daran, dass Moody's nicht die erste Agentur sei, die dies getan habe.

Die US-Börsen büßten nach Bekanntgabe des Ratings dennoch einen Teil ihrer Gewinne wieder ein. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen für Griechen-Anleihen stiegen leicht. Der Euro grenzte seine Gewinne ein.

Moody's folgt mit der Herabstufung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), die die Bonität Griechenlands bereits Ende April auf Ramsch gesenkt hatte. Fitch, die dritte große Rating-Agentur, teilte am Montagabend mit, man habe keine unmittelbaren Pläne, Griechenlands Bonität ebenfalls auf Ramschstatus abzuwerten. Man wolle der Regierung bis Ende des Jahres Zeit geben, ihren Sparkurs fortzusetzen. Erst dann werde man die Kreditwürdigkeit Griechenlands neu beurteilen.

Moody's begründet die Herabstufung vor allem mit Risiken des drastischen Spar- und Restrukturierungsprogramms der griechischen Regierung. Zwar habe der gigantische Rettungsschirm von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) jegliche Risiken in der kurzen Frist beseitigt. Allerdings seien die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des Programms substantiell und nur mit einer geringeren Bonitätsnote zu vereinbaren. Risiken sieht die Agentur vor allem beim Wirtschaftswachstum.

Bis 2013 will Griechenland 30 Milliarden Euro sparen, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Dafür werden unter anderem Löhne im öffentlichen Dienst gekürzt und es gibt Einschnitte bei Pensionen und Renten. Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), des IWF und der Euro-Länder prüfen seit Montag die Nachhaltigkeit des Sparprogramms. Es ist die erste detaillierte Kontrolle, eine zweite ist für Juli geplant. Fällt auch diese positiv aus, bekommt Griechenland frisches Geld aus dem Rettungsfonds: Für die Regierung in Athen geht es um neun Milliarden Euro.

Im Mai hatte Griechenland die erste Finanzspritze zur Rettung seiner Staatsfinanzen bekommen: 5,5 Milliarden Euro vom IWF und 14,5 Milliarden Euro von den Euro-Land-Partnern. Das gesamte Rettungspaket umfasst 110 Milliarden Euro und ist auf drei Jahre angelegt.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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