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Schuldenkrise: Siemens zieht halbe Milliarde Euro von französischer Großbank ab

Die Schuldenkrise schmälert das Vertrauen in die europäischen Banken: Der Siemens-Konzern hat laut "Financial Times" mehr als eine halbe Milliarde Euro von einem französischen Institut abgezogen. Das Unternehmen soll das Geld bei der EZB in Sicherheit gebracht haben.

Siemens: Konzern gründete 2010 eine eigene Bank Zur Großansicht
dapd

Siemens: Konzern gründete 2010 eine eigene Bank

London - Siemens geht offenbar auf Nummer sicher: Der Konzern hat laut "Financial Times" mehr als 500 Millionen Euro Guthaben von einer französischen Großbank zur Europäischen Zentralbank (EZB) transferiert. Die Zeitung beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Insider. Ziel sei es gewesen, für das Geld einen sicheren Hafen zu finden.

Mit dem Schritt beweist Siemens Chart zeigen erneut seine extreme Vorsicht im Umgang mit der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr hat der Konzern seine eigene Bank gegründet - als Reaktion auf die Finanzkrise. Der Schritt war ungewöhnlich für ein Unternehmen außerhalb der Autobranche, wo die Hersteller eigene Kreditinstitute für Finanzierungs- und Leasinggeschäfte nutzen. Siemens betreut mit seiner Bank keine Kunden, sondern nutzt sie nur für die eigenen Anlagen.

Der Konzern gehört damit auch zu den wenigen Unternehmen, die Geld direkt bei der EZB anlegen können. Insgesamt ist es nun eine Summe zwischen vier und sechs Milliarden Euro, die Siemens bei der Zentralbank parkt - größtenteils in Form von Einlagen, die über eine Woche laufen. Ein Grund für den Schritt, eine halbe Milliarde von der französischen Bank abzuziehen, ist laut "FT" die Sorge um den Zustand des Instituts. Wegen der Schuldenprobleme Griechenlands und weiterer Euro-Länder könnten europäische Banken in Schieflage geraten. Das wäre der Fall, wenn die Staaten ihre Schulden nicht zurückzahlen können und die Banken den Wert der Staatsanleihen abschreiben müssen.

Doch offenbar sind die Bedenken wegen der Schuldenkrise nur ein Auslöser. Wie die Zeitung berichtet, bekommt Siemens bei der EZB höhere Zinsen für seine Anlagen als es bei privaten Banken möglich ist. Der Vorgang soll bereits vor zwei Wochen stattgefunden haben. Um welches französische Geldhaus es sich handelt, sei unklar. Eine mit der Großbank BNP Paribas vertraute Person wird mit den Worten zitiert, diese sei es nicht gewesen. Siemens hat den Bericht bislang nicht kommentiert.

Auch aus China kommen schlechte Nachrichten für das europäische Bankensystem: Eine große chinesische Staatsbank hat Insidern zufolge Devisengeschäfte mit mehreren europäischen Geldhäusern gestoppt. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten am Dienstag, es handele sich unter anderem um die französischen Banken Société Générale, Crédit Agricole Chart zeigen und BNP Paribas Chart zeigen. Auch die Schweizer Großbank UBS Chart zeigen sei betroffen - wegen des Handelsskandals, bei dem ein einzelner Mitarbeiter 2,3 Milliarden Dollar verzockte.

cte/Reuters

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1. ups..
mel80 20.09.2011
...es geht langsam los. Bei uns im Konzern ist auch gerade Krisensitzung, zusammen mit den Banken. Da scheint in EU-Land was im Gange zu sein....
2. Frage
peterhausdoerfer 20.09.2011
Zitat von sysopDie Schuldenkrise schmälert das Vertrauen in die europäischen Banken: Der Siemens-Konzern hat laut "Financial Times" mehr als eine halbe Milliarde Euro von einem französischen Institut abgezogen. Das*Unternehmen soll das Geld bei der EZB in Sicherheit gebracht haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787218,00.html
was ist der Euro noch wert wenn die Banken Frankreichs zahlungsunfähig sind ? Anwort: vermutlich weniger als 1,0 $. Allerdings gibt es Hoffnung denn das Abwerten des Euros vernichtet Vermögen und Schulden zugleich. Fällt der Euro auf Parität zum Dollar hat Italien nur noch eine Verschuldung von ca. 85% GDP. Die Schuldenkrise in Europa wäre durch ein remanentes Abwerten des Euro beendet.
3. Titel:
Wolf_68, 20.09.2011
Zitat von sysopDie Schuldenkrise schmälert das Vertrauen in die europäischen Banken: Der Siemens-Konzern hat laut "Financial Times" mehr als eine halbe Milliarde Euro von einem französischen Institut abgezogen. Das*Unternehmen soll das Geld bei der EZB in Sicherheit gebracht haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787218,00.html
Ob die Summe bei der vom einschlägig vorbestraften Trichet geführten EZB sicherer ist, sei mal dahingestellt :D
4. .
kuddel37 20.09.2011
Zitat von sysopDie Schuldenkrise schmälert das Vertrauen in die europäischen Banken: Der Siemens-Konzern hat laut "Financial Times" mehr als eine halbe Milliarde Euro von einem französischen Institut abgezogen. Das*Unternehmen soll das Geld bei der EZB in Sicherheit gebracht haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787218,00.html
Oh, da werde ich jetzt wohl besser auch meine 300 € von der Bank aholen. Nicht das ich sonst noch der letzte bin. ;)
5. Wo ist das Gleichbahnadlungsgesetz?
Viva24 20.09.2011
Warum dürfen einfache Bürger Ihr Geld nicht zur EZB bringen? Weil, dann ja keine "Bankräuber"= Bank nötig wären, oder?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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