Schuldenkrise: Troika prophezeit Griechenland langes Leiden

Griechenland ist Europas Problemfall Nummer eins, eine schnelle Lösung für die Krise gibt es nicht. Die Kontrolleure von EU und IWF rechnen erst 2013 mit einer Erholung der Wirtschaft. Gleichzeitig stellen sie die nächste Milliardenzahlung für das Land in Aussicht.

Akropolis in Athen: Keines der Ziele für 2011 erreicht Zur Großansicht
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Akropolis in Athen: Keines der Ziele für 2011 erreicht

Athen - Es reicht bei weitem nicht, aber ein Anfang ist gemacht: So lässt sich der Troika-Bericht für Griechenland deuten. Die Kontrolleure des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank haben nach wochenlanger Prüfung ihr Abschlussgutachten zum Stand der Dinge in dem Fast-Pleiteland fertiggestellt. Am Dienstag veröffentlichten sie die ersten Resultate.

Aufmunternd sind die Ergebnisse nicht gerade: Unmissverständlich macht die sogenannte Troika deutlich, dass Griechenland in diesem Jahr keines seiner geplanten Ziele erreicht. Es sei nicht mehr damit zu rechnen, dass die Regierung von Ministerpräsident Georgios Papandreou im laufenden Jahr das gesetzte Defizitziel von 7,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erreiche. Die konservative Athener Zeitung "Kathimerini" hatte zuvor berichtet, dass die Kontrolleure nun mit einer Neuverschuldung von neun Prozent rechnen.

Für das hochverschuldete Griechenland war im Frühjahr 2010 ein erstes Programm mit Notkrediten vereinbart worden. Vor Auszahlung der Raten muss die Regierung in Athen jedoch nachweisen, dass sie die im Gegenzug vereinbarten Reform- und Sparmaßnahmen erfüllt.

Die Prüfer rechnen nun aber sogar mit einer noch längeren Durststrecke als bislang. Ein Wirtschaftsaufschwung werde nun erst für 2013 erwartet, teilten sie mit. Das Land steckt seit 2009 in der Rezession, und ursprünglich war mit einem kleinen Plus bereits im kommenden Jahr gerechnet worden. Für 2013 und 2014 sei es bereits jetzt schon absehbar, dass zusätzliche Schritte nötig seien, erklärte die Mission.

Auch reicht den Prüfern das Tempo bei der Verschlankung des Staats nicht aus. Der Stellenabbau gehe nicht schnell genug voran, auch bei den Privatisierungen seien noch keine sichtbaren Erfolge zu sehen.

EU-Finanzminister müssen Bericht absegnen

Dennoch: Die Troika bescheinigte der griechischen Regierung "große Fortschritte" bei der Haushaltskonsolidierung. So sollten die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen für das kommende Jahr genügen, um die Ziele zu erreichen, hieß es weiter.

Diese Sätze sind entscheidend. Denn von den Fortschritten hängt ab, ob Griechenland die nächste Kredittranche über acht Milliarden Euro von der EU und dem Währungsfonds erhält. Sollte die Zahlung nicht bis Mitte November erfolgen, geht der Regierung das Geld aus.

Nach Einschätzung der Troika-Experten könnte das nächste Geld Anfang November fließen. Vorher müssten die Euro-Finanzminister und der IWF den aktuellen Überprüfungsbericht aber noch billigen. Eine klare Aussage, wonach sie die Auszahlung befürwortet, machte die Troika in ihrer Mitteilung nicht.

Der griechische Finanzminister bewertete das Troika-Statement positiv. Die Regierung werde die Verzögerungen bei den Reformen aufholen und ihre Sparziele bis 2012 erreichen, versprach Evangelos Venizelos. Wichtige Maßnahmen müssten noch vor dem 23. Oktober ergriffen werden.

yes/Reuters/dapd/dpa

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insgesamt 156 Beiträge
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1. .
kuddel37 11.10.2011
Zitat von sysopGriechenland ist Europas Problemfall Nummer eins - und das Leiden hat noch lange kein Ende. Die Kontrolleure von EU und*IWF rechnen erst 2013 mit einer wirtschaftlichen Erholung in dem Land. Doch sie sehen auch*Fortschritte*und stellen der Regierung in Athen die nächste Milliardenzahlung in Aussicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791194,00.html
Fortschritte? Was eine Lachnummer. Entweder die Bedingungen sind komplett und unwiderruflich erfüllt oder eben nicht. Wenn nicht darf es kein Geld geben Aber wer hätte auch gedacht das es sowieso Geld gibt?
2. Europa find ich gut!
kdshp 11.10.2011
Zitat von sysopGriechenland ist Europas Problemfall Nummer eins - und das Leiden hat noch lange kein Ende. Die Kontrolleure von EU und*IWF rechnen erst 2013 mit einer wirtschaftlichen Erholung in dem Land. Doch sie sehen auch*Fortschritte*und stellen der Regierung in Athen die nächste Milliardenzahlung in Aussicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791194,00.html
Hallo, und was ist daran jetzt neu? Mich ärgert es einfach das 10 jahrenix passiert ist außer das griechenland da sgeld der EU verprasst hat und schulden ohne ende gemacht hat UND wir jetzt WIE lange zahlen sollen damit es dann vieleicht doch klappt? Wie lange würde so was denn im normal fall dauern also das eine volkwirtschaft nach oben kommt wenn sie ganz unten ist 10, 20 oder 30 jahre? Hier in D werden sich noch einige wundern denn der staat muss sich das geld dafür WO holen. Unten ist in D nix mehr zu holen seit H4 und oben geht man nicht dran also bleibt NUR die MITTE und ich wette das es nicht mal ein jahr dauert und es wird was in D kommen wo die zahlen werden also zusätzliche steuern.
3. Lass das mal die Anderen machen...
Dr. Sorglos 11.10.2011
Der Deutsche hat es zwar gehört, aber noch nicht verstanden: Es ist Dein Geld, Dein Wohlstand und Deine Zukunft, die hier verbrannt wird. Also schön weiterjammern und darauf hoffen, dass Andere für Dich Vollkaskomichel die Kohlen aus dem Feuer holen, nicht wahr? Dschungelcamp, DSDS und Fußball sind natürlich auch viel wichtiger, als endlich gegen die Polit- und Finanzdiktatur auf die Straße zu gehen...
4. ...............
lupenrein 11.10.2011
Immer wenn das System Gefahr für seine Hegemonie wittert, packt es die Totschlag- Keule aus dem Notfallkoffer aus. Damit kündigt sich schon wieder das Ende der Piratenpartei an. Ja, das ist halt Demokratie !
5. ...
Phoeni 11.10.2011
Sensationell und leider so vorhersagbar wie dass man nass wird wenn man ins Wasser springt... Da heißt es KEINES der Ziele wird erreicht, spricht aber gleichzeitig von GROßEN FORTSCHRITTEN! Das schließt sich doch grundsätzlich aus, wo kann ein Fortschritt in der Bewertung einer Sache erkannt werden, die terminiert ist und bei Ende der Zeit kein Ziel erreicht wurde? In jeder Lebenslage, von der Schule über das Privatleben bis zur Firma, überall wäre der Fall klar. Sitzengeblieben, Privatinsolvenz, Pleite. Aber hier sehen wir ein weiteres Kapitel der schier endlosen Geschichte Mit-geschlossenen-Augen-und-gebrochenen-Verträgen-freudig-ins-Nimmerland...
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Wo die Griechen konkret kürzen
REUTERS
Die griechische Regierung stemmt sich gegen den Staatsbankrott: Mit ihrem radikalen Kürzungsprogramm will sie in den kommenden Jahren fast 80 Milliarden Euro einsparen. Aber wen treffen die Einschnitte konkret? Das Sparpaket im Überblick.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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