Schuldenkrise Zentralbank enttäuscht Märkte

Europas Notenbanker wollen ihr Hilfsprogramm für finanzschwache Euro-Länder nicht ausweiten - aber weiter Staatsanleihen aufkaufen und Geschäftsbanken mit billigem Geld versorgen. Die Märkte reagierten zunächst enttäuscht.

EZB-Präsident Trichet: Märkten Liquidität entziehen
dapd

EZB-Präsident Trichet: Märkten Liquidität entziehen


Frankfurt am Main - Gnadenlos breitet sich die Schuldenkrise in Europa aus. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) will dagegen vorgehen - und setzt ihren Kauf von Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder fort. Die schon während der Griechenland-Krise eingesetzten außergewöhnlichen Hilfsmaßnahmen blieben in Kraft, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag. Eine Ausweitung, wie sie zuletzt von Politikern gefordert worden war, wird es jedoch nicht geben.

Als weitere Maßnahme gegen die Krise bietet die Notenbank den Geschäftsbanken zudem weiterhin billiges Geld mit bis zu drei Monaten Laufzeit an. Der Ausstieg aus diesen Sonderprogrammen wird nun erst im zweiten Quartal 2011 fortgesetzt.

Die EZB verlässt damit ihren zuletzt angekündigten Kurs - nämlich sich von ihren außerordentlichen Krisenhilfen zurückzuziehen. In den vergangenen Wochen ist die Euro-Krise zurückgekehrt und hat die Pläne für Exit-Strategien umgeworfen. Die Zinsen für Staatsanleihen der europäischen Problemländer, wie Portugal und Spanien, steigen weiter. Selbst das milliardenschwere Rettungspaket für Irland und ein neuer Beschluss für einen permanenten Krisenmechanismus nach 2013 konnte die Märkte nicht beruhigen. Selbst EU-Währungskommissar Olli Rehn riet den politisch nicht weisungsgebundenen Zentralbankern daher am Mittwoch, ihre umstrittenen Käufe von Staatsanleihen zur Stabilisierung des Euro auszuweiten.

Auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise im Frühjahr hatte die EZB das Tabu gebrochen, Staatsanleihen von Problemländern aufzukaufen. Inzwischen hat die Notenbank 67 Milliarden Euro für den Kauf griechischer, irischer und portugiesischer Anleihen in die Hand genommen. Eine Obergrenze nennt die EZB nicht. Trichet betonte am Donnerstag jedoch, die Maßnahmen seien vorübergehend: "Wir werden damit fortfahren, dem Markt die Liquidität wieder zu entziehen."

An den Märkten stieß die Entscheidung der EZB auf Enttäuschung. Dass die Hilfen fortgesetzt, aber nicht ausgeweitet werden, reichte Beobachtern nicht. Der Euro gab noch während der Pressekonferenz von Trichet nach. Er fiel zeitweise auf 1,30 Dollar. Später erholte er sich aber wieder.

"Die Investoren haben auf aussagekräftige, unterstützende Worte von Trichet zur Euro-Krise gehofft, die es aber nicht gab", sagte ein Devisenhändler. "Dass das Anleiheankaufprogramm weitergeht, dürfte die Märkte erfreuen", sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Allerdings wollten die Investoren konkrete Summen hören, aber die hat Trichet nicht genannt und das sorgt für Enttäuschung." Zudem gab es keine Angaben, von welchen Ländern genau Anleihen aufgekauft werden.

Zentralbank belässt Leitzins bei 1,0 Prozent

Die EZB kündigte am Donnerstag außerdem an, den derzeitigen Leitzins beizubehalten. Die Banken im Euro-Raum können sich Zentralbankgeld weiterhin für 1,0 Prozent Zinsen beschaffen. Seit Mai 2009 liegt der Leitzins nun auf diesem Rekordtief.

Zugleich hoben die Notenbanker ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht an. Die Wirtschaft in der Euro-Zone dürfte 2010 im Durchschnitt um 1,7 Prozent wachsen, sagte Trichet. Im September war die Notenbank noch von einem Zuwachs von 1,6 Prozent ausgegangen.

Deutschland kommt dank des Aufschwungs beim Schuldenabbau schneller voran als geplant. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet, dass das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen bereits 2011 wieder auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinkt - und damit den Maastricht-Kriterien entspricht.

yes/dpa/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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Medienkritiker 02.12.2010
1. Oh
Die bösen Zentral-Banker wollen also wieder mal nicht spuren? das ist ja beinahe skandalös! sowas aber auch...Dabei sind es doch "die Märkte", die die Macht haben, alles den Bach herunterzuspekulieren - da ist es doch eigentlich selbstverständlich alles devot zu tun um "den Märkten" ein kuscheliges und profitables Dasein zu verschaffen...
Europa! 02.12.2010
2. Es ist nicht der Job der EZB, die Märkte zum nächsten Orgasmus zu bringen
Natürlich müssen die Zinsen steigen. So wie es durch die Maßnahmen des IWF und der EZB zur Konvergenz der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik kommen wird, kommt es natürlich auch zur Zinskonvergenz in der Eurozone. Das ist gesund und richtig.
Ion, 02.12.2010
3. .........
Zitat von sysopEuropas Notenbanker wollen ihr Hilfsprogramm für finanzschwache Euro-Länder nicht*ausweiten - aber weiter Staatsanleihen aufkaufen und Geschäftsbanken mit billigem Geld versorgen. Die Märkte sind enttäuscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,732438,00.html
Und ich bin enttäuscht von den Märkten
atzigen 02.12.2010
4. Wachstum
Zitat von sysopEuropas Notenbanker wollen ihr Hilfsprogramm für finanzschwache Euro-Länder nicht*ausweiten - aber weiter Staatsanleihen aufkaufen und Geschäftsbanken mit billigem Geld versorgen. Die Märkte sind enttäuscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,732438,00.html
Letztlich währe es interessant zu erfahren in welchem Ausmass das Reale Wirtschaftswachstum im Verhältnis zum Wachstum der Brutogeldmenge steigt. Kennt jemand konkrete Zahlen? Vermute in der gesamten EU weiss kein Mensch wie es letztlich um das reale Wirtschaftsgeschehen steht. Die schleichenden Realeinkommensverluste sind letztlich ein Beleg für sinkende Bruto-Realwirtschaftsleistung. Es währe ein Wunder könnte das aktuell in den Markt gepumte Geld in absehbarer Zeit durch reales Wirtschaftswachstum unterfütert resp. gedeckt werden. Der Trichet verzapft ständig etwas von Geldmengenabschöpfung??? Wie das anstellen. Das weiss der mit sicherheit selber nicht.Der hat mit sicherheit keine auch nur ansatzweise konkrete Vorstellung wie das funktionieren soll. Vermutlich durch Einsammeln bei den Verarmenden Massen in den Pleitestaaten. Mit allergrösster Warscheinlichkeit wächst die Geldmenge mit der x fachen Geschwindikeit der tatsächlichn Realwirtschaftswachstumsgeschwindikeit. Das blinde aufpumpen des Geldkrislaufs verpufft sinnlos im Geldkreislauf. Grundsätzlich sollte geschöpftes Geld nur in Produktivitätsfördernde Projekte fliesen = Zweckgebundene Geldschöpfung. Fatalerweise fliesst die Geldschöpfung längst in gigantischem Ausmass in den Konsum ja sogar sinnlos auf Halde. Beispiel in ungenutzte Immobilienkomplexe in Spanien Irland und anderswo dazu zählen auch Grichische Luxusjachten usw. Liebe Debatenfreunde ich hoffe Ihr fersteht die Ausführungen. Mein Gott Trichet und Co.verdammt wo haben Die bloss den gesunden Sach und Menschenverstand.
e.schw 02.12.2010
5. Frohe Weihnacht für die Anleger...
Zitat von sysopEuropas Notenbanker wollen ihr Hilfsprogramm für finanzschwache Euro-Länder nicht*ausweiten - aber weiter Staatsanleihen aufkaufen und Geschäftsbanken mit billigem Geld versorgen. Die Märkte sind enttäuscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,732438,00.html
Wenn ich mir den gestrigen massiven Anstieg der Aktienkurse vergegenwärtige, muss die Ankündigung Trichets durchaus im Sinne der Finanzmärkte gewesen sein. Dass für die Folgen weiterer Krisen wiederum die öffentlichen Haushalte einstehen werden, gibt den Anlegern Zuversicht. Doch ein weiteres Risiko sollte man im Auge behalten, nämlich die nach Ausbruch der Finanzkrise von Trichet ausgesprochene Garantie, die EZB werde US-Dollar in unbegrenzter Menge ankaufen. China und andere Staaten mit großen Dollarbeständen freut dies natürlich. Die Gelackmeierten könnte die Staaten des Euro-Verbundes sein, zuvorderst Deutschland.
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