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Schuldenmisere: Notenbank bereitet sich auf Pleite der USA vor

Im US-Haushaltsstreit läuft die Zeit ab: In zwölf Tagen ist die größte Wirtschaftsnation der Welt pleite - wenn sich Demokraten und Republikaner nicht doch noch einigen. Die Notenbank Fed bereitet sich schon auf den Ernstfall vor. Kann sie die eigenen Staatsanleihen noch als Sicherheit akzeptieren?

Fed-Zentrale in Washington: Quasi die Bank des amerikanischen Finanzministeriums Zur Großansicht
Getty Images

Fed-Zentrale in Washington: Quasi die Bank des amerikanischen Finanzministeriums

Philadelphia - Die ganze Welt fürchtet den Ernstfall: In knapp zwei Wochen könnten die USA zahlungsunfähig sein - und die Notenbank des Landes bereitet sich bereits darauf vor. "Die Notfallplanung läuft", sagte der Präsident der Federal Reserve (Fed) von Philadelphia, Charles Plosser, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sind alle daran beteiligt, es ist ein sehr aktiver Prozess."

Nur noch bis zum 2. August können die USA weiter Kredite aufnehmen und damit ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen - wenn sich die Politik bis dahin nicht auf eine Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze für neue Verbindlichkeiten geeinigt hat, ist das Land faktisch pleite.

Bekommen die Sozialhilfeempfänger ihre Schecks?

Notenbank-Manager Plosser geht nach eigener Aussage zwar davon aus, dass Präsident Barack Obama und der Kongress die Schuldengrenze rechtzeitig gemeinsam anheben werden - zudem ließ der Präsident inzwischen durchblicken, einer Zwischenlösung zuzustimmen, die den Parteien mehr Zeit verschaffen würde. Dennoch plant die Fed, wie sie im Falle eines Scheiterns vorgehen soll. Vor allem die praktische Umsetzung der Maßnahmen steht nun zur Debatte.

Zu den Planungen gehört zum Beispiel die Auswahl freizugebender Schecks. Die Federal Reserve arbeitet quasi als Bank für das amerikanische Finanzministerium. Über sie laufen Schecks für diverse Gruppen - von den Regierungsangestellten bis hin zu den Sozialhilfeempfängern.

Besonders schwierig ist laut Plosser außerdem die Frage zu beantworten, ob die Fed im Falle der Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten weiterhin US-Staatsanleihen als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften mit den Banken akzeptieren würde oder nicht. Entschieden ist die Frage offenbar noch nicht.

Die Hedgefonds wollen an der Krise verdienen

Auch an der Wall Street breitet sich Angst vor einem Scheitern im Schuldenstreit aus. Nach einem Bericht der "New York Times" bereiten sich Geldinstitute bereits darauf vor, wie sie darauf reagieren sollten, falls sich Regierung und Opposition in Washington nicht einigen sollten.

Dem Bericht zufolge versuchen Geldinstitute etwa das Risiko für US-Staatsanleihen in einem solchen Fall einzuschätzen - allgemein gelten US-Staatsanleihen gerade in Krisenzeiten als sicherste Geldanlagen.

Zugleich werde an der Wall Street aber auch bereits über Wege nachgedacht, wie aus der Schuldenkrise Profit geschlagen werden könnte. Hedgefonds horten demnach schon Bargeld, um US-Schulden billig aufzukaufen, falls andere Investoren die Papiere panisch verkaufen sollten.

Ein Durchbruch in der Krise war am Donnerstag noch nicht in Sicht. Rating-Agenturen hatten bereits vor schweren Konsequenzen gewarnt, falls eine Einigung nicht rechtzeitig zustande kommen sollte.

Eine Lösung ist vor allem durch das parlamentarische Patt schwierig. Die Republikaner beharren auf massiven Einsparungen als Bedingung für eine Erhöhung der Schuldenobergrenze. Das Obama-Lager ist zwar zu drastischen Einschnitten bereit, verlangt im Gegenzug aber auch Steuererhöhungen für die Reichen - was Republikaner bisher ablehnen.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Na dann....
SPONU 21.07.2011
...soll man zunächst einmal alle Schecks an Abgeordnete und Senatoren zurückhalten. Die stünden auf meiner Liste an Platz 1. Ein Kompromiss wäre schnell gefunden.
2. Ah Ah Ah
notty 21.07.2011
Zitat von sysopDie Zeit drängt im erbitterten Streit über den Haushalt der USA: In wenigen Tagen droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit.*Die amerikanische Notenbank bereitet sich schon einmal auf den Ernstfall vor - und muss entscheiden, ob sie dann noch*Staatsanleihen als Sicherheit akzeptieren kann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775718,00.html
....und das alles mit Triple A....
3. Glaub ich nicht
Mitch 21.07.2011
Zitat von SPONU...soll man zunächst einmal alle Schecks an Abgeordnete und Senatoren zurückhalten. Die stünden auf meiner Liste an Platz 1. Ein Kompromiss wäre schnell gefunden.
Die bekommen doch noch genug Geld vom jeweiligen Konzern, den sie als Lobbyisten vertreten... das hätte also kaum Wirkung. ;-)
4. Das chinesische Jahrhundert beginnt
frankhertel1 21.07.2011
Auch wenn sich die Streithähne im US-Senat noch einigen sollten, ist nun doch dem letzten Zweifler klar, dass die USA ihre Rolle als Hegemon verloren haben. Bei 10 Prozent Arbeitslosigkeit, einem Bildungssystem ohne Erfolg, einem Adipositasproblem und nach zwei verlorenen Kriegen stehen die Staaten mit dem Rücken zur Wand. China ist der US-Hauptgläubiger. Noch ein, zwei Kontakte mit dem Dalai Lama von Seiten Obamas, und der Geldhahn ist nicht nur zu, sondern die Schulden werden zurückgefordert. Aus der Schuldenkrise gehen die Staaten als Sieger hervor, die keine Schulden haben: China, Russland, Saudi-Arabien und Co.
5. wayne?
Methados 21.07.2011
Zitat von SPONU...soll man zunächst einmal alle Schecks an Abgeordnete und Senatoren zurückhalten. Die stünden auf meiner Liste an Platz 1. Ein Kompromiss wäre schnell gefunden.
das würde die nicht die bohne jucken da so ziemlich alle bereits millionäre sind.
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Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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