Gefährdeter Schuldenrückkauf: Griechenland bangt um Milliarden-Hilfen

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Der geplante Rückkauf von eigenen Staatsanleihen soll Griechenland auf einen Schlag von 20 Milliarden Euro Schulden befreien. Aber das schon sicher geglaubte Projekt wird zur Zitterpartie. Die bereits einmal verlängerte Frist ist am Dienstag abgelaufen.

Griechische Zentralbank: Die Rettung des Landes hängt vom Schuldenrückkauf ab Zur Großansicht
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Griechische Zentralbank: Die Rettung des Landes hängt vom Schuldenrückkauf ab

Hamburg - Die griechische Regierung war mal wieder schnell - nicht mit einem wirklichen Erfolg, aber immerhin mit dem Streuen einer Erfolgsmeldung. Am Freitagabend war die Frist für den Rückkauf eigener Staatsanleihen abgelaufen. Am nächsten Morgen berichteten die Athener Zeitungen unter Berufung auf das Finanzministerium, das Projekt sei geglückt. Verschiedene Investoren hätten der staatlichen Schuldenagentur Anleihen im Nennwert von rund 30 Milliarden Euro angeboten - genauso viel, wie die Regierung angepeilt hatte.

Ganz so glatt lief es dann leider doch nicht. Und wer das Drama der Griechenland-Rettung in den vergangenen drei Jahren verfolgt, dürfte davon kaum überrascht gewesen sein. Am Montag teilte die griechische Schuldenagentur mit, das Anleihenkaufprogramm werde verlängert. Die neue Frist läuft nun an diesem Dienstag ab - um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ob es diesmal geklappt hat, dürfte sich wohl frühestens im Laufe des Nachmittags zeigen.

Das Rückkaufprogramm ist Teil eines dritten Rettungspakets für das Land, auf das sich die Euro-Finanzminister Ende November geeinigt hatten. Es sieht unter anderem Zinssenkungen und einen Zinsaufschub für die Hilfen aus den beiden ersten Rettungspaketen vor. Darüber hinaus sollen die europäischen Notenbanken Kursgewinne, die sie mit dem Ankauf griechischer Staatsanleihen gemacht haben, wieder an Griechenland ausschütten. Der Kernpunkt des Pakets ist jedoch der Rückkauf von Altschulden: Griechenland wurden dazu zehn Milliarden Euro weitere Hilfen zugesagt. Mit dem Geld soll das Land alte Anleihen zurückkaufen.

Weil die Staatspapiere stark an Wert verloren haben und am Finanzmarkt im November nur noch zu rund einem Viertel ihres ursprünglichen Wertes gehandelt wurden, kann Griechenland sie deutlich unter ihrem Ursprungswert zurückkaufen. Die Regierung hatte den Haltern deshalb Angebote zwischen 30 und 40 Prozent des Nennwerts gemacht. Laut Plan sollen die zehn Milliarden Euro so ausreichen, um Papiere im Volumen von 30 Milliarden Euro zurückzukaufen. Der Schuldenstand würde netto um rund 20 Milliarden Euro sinken. So weit jedenfalls die Theorie.

In der Praxis gibt es aber offenbar mindestens zwei Probleme, die das Projekt erschweren.

  • Erstens wollten in der ersten Angebotsphase bis Freitag offenbar nicht genügend Investoren ihre Anleihen verkaufen. Von den knapp 62 Milliarden Euro, die noch im Umlauf sind, sollen nur 26,3 Milliarden Euro angeboten worden sein. Es fehlten also etwa vier Milliarden Euro, die nun nachgereicht werden sollen. Die Hoffnung liegt dabei auf den griechischen Banken. Sie sollen Anleihen im Wert von rund 15 Milliarden Euro in ihren Bilanzen halten, haben aber laut Finanzkreisen nur knapp zehn Milliarden Euro davon angeboten. Nun dürfte der politische Druck auf sie gestiegen sein, auch die restlichen Papiere im Volumen von gut fünf Milliarden Euro herauszurücken. Damit wäre das Gesamtziel von 30 Milliarden Euro erreicht.
  • Allerdings scheint es noch ein zweites Problem zu geben: Der Rückkauf wird teurer als geplant. Wie die Athener Zeitung "Kathimerini" berichtet, habe die Schuldenagentur den Investoren bessere Angebote gemacht hat, als erwartet worden war. Die von der Euro-Gruppe genehmigten zehn Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds EFSF sollen deshalb nicht ausreichen, um wie geplant Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro zurückzukaufen. Laut dem Zeitungsbericht fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) deshalb, die Hilfssumme aufzustocken. Deutschland sei allerdings strikt dagegen. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Schäuble wollte den Bericht nicht bestätigen. Er verwies darauf, dass die Euro-Gruppe das Ergebnis des Schuldenrückkaufs wie geplant erst bewerten wolle.

Sollte der Schuldenrückkauf nicht gelingen, droht die gesamte Rettungspolitik für Griechenland zu scheitern. Der IWF hat die angepeilte Entlastung von 20 Milliarden Euro zur Bedingung gemacht, um sich weiter an den ausstehenden Hilfszahlungen des zweiten Rettungspakets zu beteiligen. Allein in diesem Jahr braucht Griechenland noch rund 44 Milliarden Euro, um den Staatsbetrieb am Laufen zu halten. Das Geld wollen die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen am Donnerstag freigeben - wenn der Schuldenrückkauf geglückt ist.

Mit Material von Reuters und dpa

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1.
naivi 11.12.2012
Zitat von sysopAPDer geplante Rückkauf eigenen Staatsanleihen soll Griechenland auf einen Schlag von 20 Milliarden Euro Schulden befreien. Aber das schon sicher geglaubte Projekt wird zur Zitterpartie. Am Nachmittag läuft die bereits einmal verlängerte Frist ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schuldenrueckkauf-griechenland-bangt-um-milliarden-hilfen-a-872208.html
Ein für allemal: Endlich einen Schlussstrich ziehen!!
2. Antwort der drei kleinen Schweinchen
Christian Wernecke 11.12.2012
Zitat von sysopAPDer geplante Rückkauf eigenen Staatsanleihen soll Griechenland auf einen Schlag von 20 Milliarden Euro Schulden befreien. Aber das schon sicher geglaubte Projekt wird zur Zitterpartie. Am Nachmittag läuft die bereits einmal verlängerte Frist ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schuldenrueckkauf-griechenland-bangt-um-milliarden-hilfen-a-872208.html
Niemals und nie, bei meiner Narbe am Knie.
3. Schuldenstand um 20 Mrd verringern?
Augustusrex 11.12.2012
Griechenland wollte oder sollte mit 10 Mrd. Einsatz nominelle 30 Mrd. Schulden zurückkaufen um seinen Schuldenstand um 20 Mrd zu verringern. Jetzt sind es offensichtlich erst mal nur 26 Mrd. Falls es gelingt, doch noch auf 30 Mrd Rückkauf zu kommen, dafür aber mehr als 10 Mrd Einsatz gebraucht werden, dann ist der Versuch doch sowieso gescheitert und damit das gesamte Projekt "Rettung Griechenland". Oder sehe ich das falsch?
4.
kuddel37 11.12.2012
Zitat von sysopAPDer geplante Rückkauf eigenen Staatsanleihen soll Griechenland auf einen Schlag von 20 Milliarden Euro Schulden befreien. Aber das schon sicher geglaubte Projekt wird zur Zitterpartie. Am Nachmittag läuft die bereits einmal verlängerte Frist ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schuldenrueckkauf-griechenland-bangt-um-milliarden-hilfen-a-872208.html
Griechenland hat also wieder mal gelogen als die Erfolgsmeldung gestreut wurde. Nicht genug Geldgeber sind also bereit sich auf eine erneute Enteignung einzulassen, warum auch? Und Griechenland kauft die Anleihen ja nicht zurück, wovon auch? natürlich von Geld fremder Steuerzahler.
5. Hahahaha
evilavatar 11.12.2012
Man kommt wirklich aus dem Staunen nicht mehr raus, was diese Bevölkerung alles mit sich anstellen lässt. Die Griechen geben also mehr aus als wir Ihnen eigentlich MAL WIEDER als "Kredit" daher kommen lassen um den Banken und Fonds BESSERE Angebote zu machen als die Papiere eigentlich wert sind. Das ist an lächerlichkeit eigentlich nicht mehr zu toppen und das in diesen Tagen!!! Meine Fresse, was lässt dieses Land mit sich machen??? Ich bin Fassunglos, wahrscheinlich könnte Mutti morgen verkünden, Rente wird abgeschafft und Zwangssklaverei bis zum Tod, offene Grenzen und Visa für alle, mind. 50% des BIP als Transferleistung für die EU und es würde keiner Piep sagen. Aber wenn ein Bahnhof abgerissen werden soll, dann steht ganz Deutschland wie eine eins :D:D:D Leute, ich verabschiede mich aus dieser Gesellschaft, ich will nichts mehr mit euch zu tun haben!
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