Von Stefan Kaiser
Hamburg - Die griechische Regierung war mal wieder schnell - nicht mit einem wirklichen Erfolg, aber immerhin mit dem Streuen einer Erfolgsmeldung. Am Freitagabend war die Frist für den Rückkauf eigener Staatsanleihen abgelaufen. Am nächsten Morgen berichteten die Athener Zeitungen unter Berufung auf das Finanzministerium, das Projekt sei geglückt. Verschiedene Investoren hätten der staatlichen Schuldenagentur Anleihen im Nennwert von rund 30 Milliarden Euro angeboten - genauso viel, wie die Regierung angepeilt hatte.
Ganz so glatt lief es dann leider doch nicht. Und wer das Drama der Griechenland-Rettung in den vergangenen drei Jahren verfolgt, dürfte davon kaum überrascht gewesen sein. Am Montag teilte die griechische Schuldenagentur mit, das Anleihenkaufprogramm werde verlängert. Die neue Frist läuft nun an diesem Dienstag ab - um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Ob es diesmal geklappt hat, dürfte sich wohl frühestens im Laufe des Nachmittags zeigen.
Das Rückkaufprogramm ist Teil eines dritten Rettungspakets für das Land, auf das sich die Euro-Finanzminister Ende November geeinigt hatten. Es sieht unter anderem Zinssenkungen und einen Zinsaufschub für die Hilfen aus den beiden ersten Rettungspaketen vor. Darüber hinaus sollen die europäischen Notenbanken Kursgewinne, die sie mit dem Ankauf griechischer Staatsanleihen gemacht haben, wieder an Griechenland ausschütten. Der Kernpunkt des Pakets ist jedoch der Rückkauf von Altschulden: Griechenland wurden dazu zehn Milliarden Euro weitere Hilfen zugesagt. Mit dem Geld soll das Land alte Anleihen zurückkaufen.
Weil die Staatspapiere stark an Wert verloren haben und am Finanzmarkt im November nur noch zu rund einem Viertel ihres ursprünglichen Wertes gehandelt wurden, kann Griechenland sie deutlich unter ihrem Ursprungswert zurückkaufen. Die Regierung hatte den Haltern deshalb Angebote zwischen 30 und 40 Prozent des Nennwerts gemacht. Laut Plan sollen die zehn Milliarden Euro so ausreichen, um Papiere im Volumen von 30 Milliarden Euro zurückzukaufen. Der Schuldenstand würde netto um rund 20 Milliarden Euro sinken. So weit jedenfalls die Theorie.
In der Praxis gibt es aber offenbar mindestens zwei Probleme, die das Projekt erschweren.
Sollte der Schuldenrückkauf nicht gelingen, droht die gesamte Rettungspolitik für Griechenland zu scheitern. Der IWF hat die angepeilte Entlastung von 20 Milliarden Euro zur Bedingung gemacht, um sich weiter an den ausstehenden Hilfszahlungen des zweiten Rettungspakets zu beteiligen. Allein in diesem Jahr braucht Griechenland noch rund 44 Milliarden Euro, um den Staatsbetrieb am Laufen zu halten. Das Geld wollen die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen am Donnerstag freigeben - wenn der Schuldenrückkauf geglückt ist.
Mit Material von Reuters und dpa
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