Brüssel/Luxemburg - Der erfolgreiche Schuldenschnitt für Griechenland hat schnell weitere positive Folgen: Die Euro-Finanzminister haben das zweite Hilfspaket für das von der Pleite bedrohte Land zum Teil freigegeben. Bei einer Telefonkonferenz einigten sie sich am Freitag darauf, dass 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des Schuldenschnitts plus 5,5 Milliarden Euro für die Begleichung aufgelaufener Zinsen nun bereitstehen. Das teilte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker nach einer Telefonkonferenz mit den Finanzministern mit.
Das Rettungspaket umfasst insgesamt 130 Milliarden Euro. Eine endgültige Entscheidung über das Gesamtpaket soll dem Vernehmen nach Anfang kommender Woche in Brüssel fallen. Ohne die Hilfskredite der Euro-Länder wäre Griechenland noch im März pleite, weil es seine Schulden nicht mehr begleichen könnte. Ein erfolgreicher Schuldenschnitt war zwingend für die Freigabe.
Die Euro-Gruppe sehe sich durch die hohe Beteiligung bei dem als freiwillig bezeichneten Schuldenschnitt in Griechenland ermutigt, sagte Juncker. Die Euro-Finanzminister seien von ihrem griechischen Amtskollegen Evangelos Venizelos informiert worden, dass Athen die verpflichtenden Umschuldungsklauseln (CAC) ziehen werde, um verbliebene Privatgläubiger zur Umschuldung zu zwingen.
Die Euro-Finanzminister zeigten sich zuversichtlich, dass sich noch mehr Gläubiger als bisher an dem Angebot für Anleihen unter internationalem Recht beteiligen werden. Die Frist für diese Anleihen war von Athen bis 23. März verlängert worden.
Schäuble: IWF beteiligt sich am Hilfspaket
Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wird sich nach Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Hilfspaket beteiligen. Das kündigte der CDU-Politiker in Berlin an, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Er gehe davon aus, dass der IWF mit einem "bedeutenden Beitrag" dabei sein werde. Dies habe IWF-Chefin Christine Lagarde in der Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister erklärt und Sorgen ausgeräumt, der IWF wolle nicht mehr mitziehen. Das galt bis zuletzt als offen.
Schäuble betonte, die erfolgreiche Umschuldung in Athen stabilisiere die gesamte Euro-Zone. Der Schuldenschnitt sei kein Sündenfall. Es bestehe nicht "der Hauch einer Gefahr", dass es zu weiteren Umschuldungen in anderen Euro-Ländern kommen werde. Die Lage Griechenlands sei einzigartig.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, Griechenland sei nun über den Berg. Er sei sehr glücklich darüber, dass eine Lösung für die griechische Krise gefunden worden sei. Das Problem sei jetzt gelöst. "In der Finanzkrise wendet sich ein Blatt."
Trotz des Schuldenschnitts steht Griechenland aber weiter vor großen Problemen: Die Wirtschaftsleistung des Landes geht weiter zurück. Wie die griechische Statistikbehörde am Freitag mitteilte, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr noch stärker zurückgegangen, als angenommen: Das BIP fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 7,5 Prozent.
Schon im dritten Quartal war das BIP auf Jahressicht um 5,0 Prozent geschrumpft. Für das zweite Jahresviertel wird ein Minus von 7,3 Prozent und für das erste Quartal ein Minus von 8,0 Prozent berichtet. Im vierten Quartal gingen die Exporte zudem um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, während die Importe um 14,2 Prozent noch stärker schrumpften. Griechenland befindet sich damit im fünften Jahr einer Rezession.
yes/dpa/Reuters
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