Streit über Schuldenschnitt Ukraine droht Russland mit Rückzahlungsstopp

Die Ukraine steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise und hat milliardenschwere Schulden. Die meisten Gläubiger wollen auf einen Teil ihres Geldes verzichten, Russland jedoch nicht. Der ukrainische Ministerpräsident droht Moskau nun mit einem Zahlungsstopp.

Ministerpräsident Jazenjuk: Will Härte gegenüber Moskau zeigen
REUTERS

Ministerpräsident Jazenjuk: Will Härte gegenüber Moskau zeigen


Der Streit zwischen Kiew und Moskau um die Rückzahlung eines Milliardenkredits spitzt sich zu. Wenn Russland sich nicht wie andere Gläubiger auf einen Schuldenschnitt einlasse, "werden wir ein Schuldenmoratorium verhängen und den Kredit nicht bedienen", sagte der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk dem "Handelsblatt".

Die Ukraine könne Russland nicht anders behandeln als die übrigen internationalen Gläubiger, mit denen sich die Ukraine bereits auf einen Schuldenschnitt verständigt habe. "Genau dieselben Konditionen bieten wir Russland an. Die Deadline für eine Einigung ist der 29. Oktober", sagte er.

Die Ukraine hatte sich im August mit den wichtigsten Gläubigern auf Schuldenerleichterungen, Laufzeitverlängerungen und Zinserleichterungen geeinigt. Nach Angaben von Finanzministerin Natalija Jaresko wollten die Kreditgeber mit Ausnahme Russlands auf 20 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Russland hatte seitdem mehrfach angekündigt, es werde sich nicht an einer Schuldenerleichterung beteiligen. Moskau verlangt eine vollständige Rückzahlung zum vereinbarten Termin Ende des Jahres. Bei der Anleihe handele es sich um eine Schuldverschreibung zwischen Staaten, die nicht den Regeln des kommerziellen Anleihenmarkts unterliege, lautet die russische Argumentation.

Jazenjuk wies das zurück. Vielmehr seien die drei Milliarden Euro aus einer Anleihe "in Wirklichkeit Schmiergeld aus Russland" gewesen, damit der damalige Präsident Wiktor Janukowytsch das Assoziierungsabkommen mit der EU stoppt.

Der Milliarden-Forderungsverzicht von Gläubigern ist Teil eines internationalen Hilfspakets über 40 Milliarden Dollar zugunsten der Ukraine. Damit soll das tief in einer Rezession steckende Land ökonomisch wieder auf die Beine kommen. Die Ukraine steht wegen Misswirtschaft und des Konflikts mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes am Rande einer Staatspleite.

brk/mmq/Reuters

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insgesamt 53 Beiträge
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Robert Redlich 26.10.2015
1. klingt nach dreister Erpressung
Ist schon frech, als Schuldner einen Rabatt erzwingen zu wollen, indem man damit droht, sonst gar nichts zurückzuzahlen. Das hätte Griechenland mal versuchen wollen, da wären unsere Politiker aber Amok gelaufen! Das ist so als wenn ich tanke und dann zum Tankwart sage: "Hey, ich gebe Dir 80 Cent pro Liter. Wenn Du nicht einverstanden bist, bezahle ich gar nichts und fahre einfach weg."
juergw. 26.10.2015
2. Da schafft Vertrauen...
für zukünftige Investionen in der Ukraine-Kredite werden nach gutdünken zurück gezahlt,gerade wie es passt. Jaze mit seiner partei würden in der Ukraine auch nur noch 3% wählen-damit hat der Ministerpräsident jedes mandat verloren.Er sollte zu seinen Freunden in die USA zurück gehen.
windpillow 26.10.2015
3. Schwarze Null
Jazenjuk würde nicht so große Reden schwingen, wenn er nicht wüßte, das Deutschland mit Zahlungen einspringen wird.
Ella66 26.10.2015
4. lustig....
so hätte Griechenland mit der EU auch verhandeln sollen.
Wilmalein 26.10.2015
5. Schnell
Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gekommen die Ukraine in die EU zu holen.
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