Schwache Konjunktur IWF fürchtet Abwärtsspirale der Weltwirtschaft

In China ebbt der Exportboom ab, in den USA gibt es weniger neue Jobs, und in Europa würgt die Euro-Krise das Wachstum ab: Die Weltwirtschaft steht vor immer größeren Problemen. IWF-Chefin Lagarde erwartet, dass sich die globale Konjunktur deutlich schlechter entwickelt als erhofft.

Containerschiff im Hamburger Hafen: Aussichten für Weltwirtschaft trüben sich ein
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Containerschiff im Hamburger Hafen: Aussichten für Weltwirtschaft trüben sich ein


Hamburg - Die Weltwirtschaft steht nach Einschätzung von Christine Lagarde vor immer größeren Problemen. Der Ausblick habe in den vergangenen Monaten besorgniserregendere Züge angenommen, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag. Der IWF werde seine Prognose vermutlich bald nach unten korrigieren und von einer noch schwächeren Wirtschaftsentwicklung ausgegangen.

Tatsächlich mehren sich die besorgniserregenden Nachrichten. So könnte Chinas Handel nach Einschätzung der Regierung in diesem Jahr hinter seinem Wachstumsziel von zehn Prozent zurückbleiben. Das Land importiere mehr Hightech-Produkte, Bauteile, Energie und Konsumgüter, während kleinere Exporteure mit Kreditengpässen zu kämpfen hätten, hieß es.

Auch aus den USA gibt es wenig erfreuliche Signale. Dort versucht die Regierung von Barack Obama seit langem, den Arbeitsmarkt zu mobilisieren und neue Jobs zu schaffen. Doch die Entwicklung ist deutlich schlechter als erwartet. Analysten rechnen mit 95.000 neu geschaffenen Stellen, deutlich weniger als erhofft. Der deutsche Aktienindex lag am Morgen im Minus.

Die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank dagegen macht Ökonomen und Anlegern wenig Hoffnung. Die historische Entscheidung wird Europas schwächelnde Konjunktur kaum stimulieren. Der Zinssatz dafür richtet sich nach dem aktuellen Leitzins. Wenn dieser sinkt, müssen auch die Banken weniger Zinsen an die EZB zahlen. Doch die Banken vergeben dennoch nicht mehr Kredite an Unternehmen. Dazu fehlt das Vertrauen.

Derweil drosselt die Euro-Krise das wirtschaftliche Wachstum. Neuestes Beispiel sind die Absätze des französische Autoherstellers PSA Peugeot Citroën. Im ersten Halbjahr 2012 gingen die weltweiten Auslieferungen um 13 Prozent auf 1,62 Millionen Autos zurück. In Europa brach der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 15 Prozent ein. Hauptgrund ist nach Angaben des Unternehmens mangelndes Kundeninteresse in den schuldengeplagten Euro-Ländern.

ssu/AFP/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 99 Beiträge
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Tungay 06.07.2012
1. Panikmache von selbsternannten Besserwissern
China braucht keinen Exprotboom. Wieder einmal hinken die "Experten" der Realität in Asien weit hinterher. China hat eine starke Binnennachfrage von 1,3 Milliarden Menschen und zusätzlich hat es sich gr0ße Teile von Afrika und Asien wie einen Binnenmarkt, einschliesslich der Rohstoffe gesichert. IWF und wie all diese Veranstaltungen sich sonst noch nennen, ändern Quartalsweise ihre Prognosen um immer den Anschein von Aktualität zu erwecken. In Wahrheit sind es Nachgesänge der Realität.
wkilikidoo 06.07.2012
2. Cool...
Zitat von sysopDPAIn China ebbt der Exportboom ab, in den USA gibt es weniger neue Jobs, und in Europa würgt die Euro-Krise das Wachstum ab: Die Weltwirtschaft steht vor immer größeren Problemen. IWF-Chefin Lagarde erwartet, dass sich die globale Konjunktur deutlich schlechter entwickelt als erhofft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842905,00.html
...dann machen wir doch die Inhaber der Zentralbanken weiter reicher und reicher und tun so als müssten wir unser eigenes Geld zu Zinsen bei denen nicht einkaufen. Die Politik verscheweigt das und die meisten Menschen wissen dies nicht. Das meiste Geld schulden wir denen den es nicht gehört. Wir sind Sklaven der Inhaber der Zentralbanken.
doubtful 06.07.2012
3. Das Ende des Wachstums
ist sowieso in Sicht! Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die Wirtschaft nicht ewig wachsen kann. Jeder weiss es, doch alle tun so, als könnten wir ewig so weiter machen. Unsere Kinder werden völlig neue Wege finden müssen und wir sollten damit beginnen, diese vorzubereiten. Dieses ewige "besorgniserregend, wie die Wirtschaft wieder nur 0,4 Prozent langsamer wächst als erwartet" ist völlig verantwortungslos und geht an der kommenden Realität vorbei.
leserin_45 06.07.2012
4. Wohin soll die Wirtschaft denn noch wachsen?
Es scheint fast so, als reguliere die "Natur" unser Nicht-Genug-Kriegen-Können. Die Spirale kann sich nicht immer weiter nach oben drehen - wir haben schon viel zu viele Konsumgüter in den Regalen liegen, Ressourcen, die verbraucht werden, um sie anschließend in Müll zu verwandeln. Es ist gut, dass ein Zwangsstopp eintreten wird! Die nachfolgenden Generationen wollen auch noch auf diesem Planeten leben.
reznikoff2 06.07.2012
5. Sehr tiefgreifend, Largardes Kommentare
Zitat von sysopDPAIn China ebbt der Exportboom ab, in den USA gibt es weniger neue Jobs, und in Europa würgt die Euro-Krise das Wachstum ab: Die Weltwirtschaft steht vor immer größeren Problemen. IWF-Chefin Lagarde erwartet, dass sich die globale Konjunktur deutlich schlechter entwickelt als erhofft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842905,00.html
Ich freue mich immer, wenn Frau Lagarde spontan ihre Gefühle äußert. Dass Europa noch drei Monate habe. Dass Deutschland irgendwie mehr tun müsse. Dass Deutschland jetzt in eine schwierige Situation gerate. Dass sie das Gefühl hat, die Weltwirtschaft schmiere ab. Das ist alles sehr hilfreich. So hilfreich wie der der Kommentar des Ko-Piloten beim Absturz: "Captain. Ich glaube, wir stürzen ab".
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