Konjunktur: Schwacher Export lässt deutsche Wirtschaft schrumpfen

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Autoexport in Emden: Volkswirte sprechen von einem Ausrutscher

Deutsche Unternehmen haben 2012 so viel exportiert wie nie zuvor. Ende des Jahres brach der Außenhandel allerdings massiv ein, die Wirtschaftsleistung schrumpfte um 0,6 Prozent. Ein so großes Minus gab es zuletzt auf dem Höhepunkt der Krise 2009.

Wiesbaden - Erstmals seit einem Jahr hat der Außenhandel die deutsche Wirtschaft belastet. Wegen schwacher Exporte ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2012 so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise nicht mehr. Allein die Ausfuhren gingen verglichen mit dem Sommer um zwei Prozent zurück und damit so stark wie seit Anfang 2009 nicht mehr, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit.

Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft 2012 zwar so viele Waren exportiert wie nie zuvor - mit einem Gesamtwert von knapp 1,1 Billionen Euro. Zum Jahresende ging den Unternehmen jedoch die Luft aus. Im Dezember lagen die Ausfuhren 6,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Verglichen mit dem dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. Damit bestätigten die Statistiker ihre erste Schätzung.

"Die Schwäche der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal ist fast allein dem negativen Außenbeitrag geschuldet", sagte Alexander Koch von Unicredit. Es sei aber nicht zu erwarten, dass Deutschland in die Rezession rutsche. "Die Industrie sollte zum Jahresbeginn wieder einen positiven Beitrag leisten", so Koch. Auch Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim sprach von einem "Ausrutscher": " Die Daten vom vierten Quartal sind relativ schlecht. Aber der Export dürfte sich beleben und die Binnennachfrage wird sich stabil entwickeln."

Für erstes Quartal leichtes Wachstum erwartet

Die Importe schrumpften ebenfalls, aber nicht so stark. Auch die Investitionen sanken: Für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen gaben die deutschen Unternehmen zwei Prozent weniger aus als im Vorquartal, im Bau wurde ebenfalls etwas weniger investiert.

Für den Start ins neue Jahr sagen Volkswirte wieder ein leichtes Wachstum der deutschen Wirtschaft voraus. Für das Gesamtjahr erwarten Bundesregierung und Bundesbank ein Plus von 0,4 Prozent. 2012 waren es 0,7 Prozent.

Auch die Unternehmer sind optimistisch. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um 3,1 auf 107,4 Punkte, teilte das Münchner Institut am Freitag mit. Das ist der beste Wert seit zehn Monaten. Ökonomen hatten nur ein Plus auf 105 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Staatsüberschuss größer als erwartet

Der deutsche Staat hat 2012 einen größeren Überschuss erzielt als zunächst erwartet. Der Überschuss lag laut Statistischem Bundesamt bei 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung statt wie zunächst berechnet bei 0,1 Prozent.

Der Fiskus profitierte von der robusten Konjunktur im Gesamtjahr und nahm unter dem Strich mehr ein, als er ausgab (rund 4,2 Milliarden Euro). Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen erzielten damit unter dem Strich erstmals seit 2007 einen Überschuss. 2011 hatte Deutschland mit 0,8 Prozent gesamtstaatlichem Defizit abgeschlossen.

Bund und Länder verringerten den Angaben zufolge ihre Defizite im vergangenen Jahr kräftig. Bei Gemeinden und Sozialversicherung stiegen die Überschüsse. Die Sozialkassen kamen dank niedriger Arbeitslosigkeit auf ein sattes Plus von 17 Milliarden Euro. Während andere Euroländer unter Rezession und Sparprogrammen leiden, ist Deutschland weit entfernt von der 3,0-Prozent-Defizitmarke, die der Maastricht-Vertrag höchstens erlaubt.

cte/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 99 Beiträge
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1. Große Wellen
Zaphod 22.02.2013
Die Wirtschaftsleistung sinkt um 0,6 %. Das bedeutet ja wohl, dass 99,4 % der Wirtschaftsleistung weiterhin erbracht werden. Derartige Schwankungen sollten eigentlich gar nicht zu Kenntnis genommen werden. Weder ein Wachstum von 0,6 % noch ein Schrumpfen um 0,6 % sollte der Rede wert sein. Schlimm ist nur, dass eine Verminderung um 0,6 % gerne zum Anlass genommen wird, um Lohnverzicht der Arbeitnehmer zu fordern, während eine Steigerung um 0,6 % ganz unmittelbar zu einer Erhöhung der Vorstandsbezüge um 10 % führt.
2. Aha ...
gaiusbonus 22.02.2013
Was haben denn unsere "Voll-Waisen" erwartet? Eine exponentielle ewige Kurve nach oben? Entweder kapieren diese BWL /VWL kompetenttuer oder wir hören uns diesen Krisenmist noch Jahrelang an. In einem Gerechten Land würde das zuerst die spitze der Pyramide in ihrem Einkommen treffen, das wäre nämlich das gesündeste, leider hat man sich für die andere Lösung entschieden ... was bisher Krieg immer sehr wahrscheinlich machte ...
3.
PublicTender 22.02.2013
Zitat von sysopDeutsche Unternehmen haben 2012 so viel exportiert wie nie zuvor. Ende des Jahres brach der Außenhandel allerdings massiv ein, die Wirtschaftsleistung schrumpfte um 0,6 Prozent. Ein so großes Minus gab es zuletzt auf dem Höhepunkt der Krise 2009. Schwacher Export lässt deutsche Wirtschaft schrumpfen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schwacher-export-laesst-deutsche-wirtschaft-schrumpfen-a-884898.html)
OH MEIN GOTT! Die Wirtschaftsleistung schrumpfte um 0,6 Prozent! Das ist der nahende Untergang.
4. Oh Mann, 0,6 Prozent, ich hyperventiliere:
albertdasschaf 22.02.2013
Spinnen die Analysten nun völlig? Vor ein paar Tagen war die Wirtschaft noch bester Dinge und nun diese Meldung. Diese Wechselbäder der Meldungen gehen mir langsam auf den Geist. Die Glaubwürdigkeit dieses Gefasels ist eh schon weg. Verfahren die eigentlich nach dem Prinzip der Hirnneutralisierung indem man jede Meldung durch eine Gegenmeldung aufhebt? Dadurch bleibt Angst und Anspannung im Volk immer in Takt und damit auch jede Bereitschaft harte Sparmaßnahmen in Staat und Wirtschaft hinzunehmen?
5. Ja, nee, schon klar. Die Loesung ist alternativklos
Altesocke 22.02.2013
Wir koennten doch bei den Loenhen sparen, oder? Ich meine, damit die Wirtschaft etwas Luft zum atmen hat, und diese schwere Zeit durchstehen kann. Sonst kommt es noch zum Stellenabbau in unvorstellbaren Zahlen. Und hinterher stellen die Unternehmer nur Wirtschaftsfluechtlinge aus Suedeuropa ein. Fuer weit weniger, als die gelernten Fachkraefte, die ja dann auf der Strasse sitzen. Muessen
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