Schwaches Wirtschaftswachstum: US-Bürger konsumieren weniger

Die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt kühlt sich deutlich ab. Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist im zweiten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent gewachsen. Schuld sind vor allem die zurückhaltenden Konsumenten - für Präsident Obama ein ernstes Problem.

US-Konsumenten in New York: Nachlassende Kauflaune Zur Großansicht
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US-Konsumenten in New York: Nachlassende Kauflaune

Washington - Die Zahlen, die das US-Handelsministerium am Freitag veröffentlichte, sind schlechte Nachrichten für US-Präsident Barack Obama: Gut drei Monate vor der Wahl verliert die größte Volkswirtschaft der Welt an Fahrt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 1,5 Prozent.

Schuld daran sei unter anderem der lahme Konsum, teilte das US-Handelsministerium in einer ersten Schätzung mit. Noch in den ersten drei Monaten lag das Wachstum bei 2,0 Prozent, im Schlussquartal 2011 sogar bei 3,0 Prozent. Einziger Lichtblick: Analysten hatten mit einer noch stärkeren Konjunkturabkühlung gerechnet - sie hatten eine Wachstumsrate von nur 1,4 Prozent erwartet.

Die Zahlen sind ein Rückschlag für Obama, der im November um seine Wiederwahl bangen muss: Wachstum und Arbeitslosigkeit sind Hauptthemen im Wahlkampf. Das Präsidialamt teilte zu den BIP-Zahlen mit, dass die Wirtschaft auf dem richtigen Weg sei. Es sei aber mehr Wachstum nötig, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln.

Haushaltsdefizit von 1,2 Billionen Dollar

Für dieses und kommendes Jahr hat die amerikanische Regierung ihre Wachstumsprognose deutlich gesenkt. Aktuell wird nur noch von einem Wachstum von 2,3 Prozent für 2012 und von 2,7 Prozent für 2013 ausgegangen, heißt es in einem Haushaltsbericht des US-Präsidialamts. Im Februar lagen die Prognosen noch bei 2,7 beziehungsweise 3,0 Prozent. "Die Wirtschaft spürt weiterhin Gegenwind, der das Wachstum dämpft und den Aufbau von Stellen begrenzt", hieß es in dem Bericht.

In ihrer jüngsten Prognose rechnet die US-Regierung mit einem Haushaltsdefizit von 1,2 Billionen Dollar. Dies liegt allerdings unter den Schätzungen: Zunächst wurden 1,3 Billionen Dollar prognostiziert. Damit wäre das Haushaltsdefizit während der Präsidentschaft von Barack Obama zum vierten Mal in Folge über der Ein-Billionen-Dollar-Marke. Im kommenden Jahr soll es aber laut der Prognose darunter liegen.

Hoffnung auf Eingreifen der Notenbank

Der private Konsum stieg nach Angaben des Ministeriums lediglich um 1,5 Prozent - noch im ersten Quartal lag die Rate fast bei 2,4 Prozent. Analysten führten die Konsumzurückhaltung der Amerikaner auch auf die Euro-Krise sowie drohende US-Steuererhöhungen zurück.

Die Verbraucher gelten als Seismograph für die Konjunkturentwicklung, denn der private Konsum trägt fast 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Die Exporte zogen mit 5,3 Prozent kräftig an. Da die Importe aber mit 6,0 Prozent stärker zulegten, bremste der Außenhandel unterm Strich das Wachstum. Der Staat senkte seine Ausgaben um 2,1 Prozent.

Jetzt werden wieder Spekulationen laut, dass die US-Zentralbank Fed tätig wird: Bereits seit Wochen hoffen die Finanzmärkte auf ein neues Anleihekaufprogramm, mit dem die Fed die Konjunktur anschieben könnte. Allerdings hatte Notenbankchef Ben Bernanke Hoffnungen auf ein unmittelbar bevorstehendes Handeln eher gedämpft.

nck/lei/Reuters/dpa

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1. Im
MiniDragon 27.07.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt kühlt sich deutlich ab. Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist im zweiten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent gewachsen. Schuld sind vor allem die zurückhaltenden Konsumenten - für Präsident Obama ein ernstes Problem. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,846842,00.html
Gleichschritt mit der EZB , Marsch marsch ! :-)
2.
ich-nicht 27.07.2012
Das gleiche wie in Deutschland, wer nicht mehr genug zum Überleben verdient hat erst recht kein Geld für shopping. Es war doch zu erwarten, wenn die Wirtschaft keine anständigen Löhne und Gehälter mehr zahlt, sägt sie sich den Astab auf dem sie sitzt
3.
janne2109 27.07.2012
Zitat von ich-nichtDas gleiche wie in Deutschland, wer nicht mehr genug zum Überleben verdient hat erst recht kein Geld für shopping. Es war doch zu erwarten, wenn die Wirtschaft keine anständigen Löhne und Gehälter mehr zahlt, sägt sie sich den Astab auf dem sie sitzt
na dafür wird aber noch immer gut konsumiert in Deutschland und immer gerade aus ins Regal greifen, nie bücken, könnte ja günstiger sein.
4.
ComLark 27.07.2012
die Amis kaufen nur noch 1,5% mehr sinnloses Zeug, das sowieso in China produziert, einfach furchtbar.... Gehen demnächst die Vermieter für Garagen in dem man sein Scheiss lagern kann, wenn es zu Hause zu viel wird, pleite?
5. nur das nötigste
hessiejames 27.07.2012
Zitat von ich-nichtDas gleiche wie in Deutschland, wer nicht mehr genug zum Überleben verdient hat erst recht kein Geld für shopping. Es war doch zu erwarten, wenn die Wirtschaft keine anständigen Löhne und Gehälter mehr zahlt, sägt sie sich den Astab auf dem sie sitzt
wir noch gekauft. Es ist eine Schande und nur den Us-Ratingfirmen zu verdanken das sie noch AAA haben. Die $$$ Druckmaschinen stehen nicht still. Geradezu ein Hyp das nach 4 Jahren die Immobilien in 2 Quartalen leicht nach oben gingen. Jede kleine Regung nach oben wird immer und immer wieder gefeiert.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

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Staats- und Regierungschef: Barack Obama

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