Schwächelnde Supermacht Amerikas Wirtschaft knickt ein

Es ist ein grässlicher Tag für die USA: Die Supermacht steht vor der Staatspleite, jetzt bricht auch noch das Wirtschaftswachstum ein - weit stärker als erwartet. Amerika droht zu einer Gefahr für die globale Konjunktur zu werden. Die Aktienmärkte rutschten zeitweise ins Minus.


Washington - US-Präsident Barack Obama muss an diesem Freitag eine Schmach nach der anderen ertragen: Erst blockierten störrische Republikaner erneut jede Lösung des Schuldenproblems. Dann wurde bekannt, dass mittlerweile sogar der Tech-Konzern Apple über mehr Barreserven als die US-Regierung verfügt. Und nun stellt sich auch noch heraus, dass die amerikanische Wirtschaft weit weniger stark ist als erhofft. Die Probleme der Supermacht USA sind unübersehbar.

Um gerade mal 1,3 Prozent wuchs die amerikanische Wirtschaft zwischen April bis Juni, teilte das Handelsministerium mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg von 1,8 Prozent gerechnet. Obendrein korrigierte das Handelsministerium auch noch seine Angaben für das erste Quartal 2011 nach unten. Demnach wuchs die US-Wirtschaft von Januar bis März gerade mal um 0,4 Prozent; zuvor war noch von 1,9 Prozent die Rede gewesen.

Insgesamt ist die amerikanische Konjunktur damit im ersten Halbjahr 2011 so langsam gewachsen wie seit dem Ende der Rezession vor zwei Jahren nicht mehr. Hauptgrund ist ein äußerst schwacher Konsum: Horrende Spritpreise, hohe Arbeitslosigkeit, die Dauerkrise am Häusermarkt und geringe Einkommenszuwächse haben die Amerikaner dazu gezwungen, sich bei ihren Ausgaben deutlich zurückzuhalten. Die US-Wirtschaft ist zu gut zwei Dritteln vom Konsum abhängig.

"Die Verbraucher wollen einfach nicht mehr ausgeben, was einer stagnierenden Konjunktur den Boden bereitet", sagte Anleihenspezialist Guy LeBas der Wirtschaftsagentur Bloomberg vor Veröffentlichung der Zahlen. "Wir sind mitten in einer Wirtschaftsflaute." Neue Statistiken über Verbraucherausgaben bestätigen diesen Trend. Ihnen zufolge stieg der Konsum im Frühjahr nur um 0,1 Prozent, im Winter betrug das Plus noch 2,1 Prozent.

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US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise
Angst vor dem "double dip"

Manche Experten diskutieren bereits ein Szenario, das vor wenigen Monaten noch als unmöglich galt: den sogenannten double dip, also den erneuten Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession. Notenbankchef Ben Bernanke räumte vor zwei Wochen im Kongress ein, dass die Konjunktur auf kurze Sicht "ziemlich schwach" sein werde. Hält die Flaute zu lange an, droht Amerika zum Bremsklotz für die globale Konjunktur zu werden. Bernanke schließt neue Milliardenspritzen für die lahmende US-Wirtschaft nicht mehr aus.

Fragt sich nur, wo das Geld herkommen soll. Denn die USA leiden obendrein unter einer gewaltigen Staatsverschuldung. Die Verbindlichkeiten der amerikanischen Regierung belaufen sich mittlerweile auf mehr als 14 Billionen Dollar. Und die Schuldenkrise droht zu eskalieren: Demokraten und Republikaner ringen seit Wochen um eine Anhebung des gesetzlich festgelegten Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar. Ohne eine Änderung droht dem Land am kommenden Dienstag die Zahlungsunfähigkeit.

Doch eine Lösung ist auch am Freitag nicht in Sicht. Donnerstagnacht ließen die Republikaner ihren Verhandlungsführer John Boehner regelrecht auflaufen. Angesichts der festgefahrenen Lage stellt das US-Finanzministerium möglicherweise schon am Freitag einen Notfallplan vor, der festlegt, wie die US-Regierung weiterarbeiten könnte, wenn die Schuldengrenze nicht erhöht werden sollte. Details sind nicht bekannt, Analysten rechnen aber damit, dass als erstes unter anderem die Zahlung der Renten ausgesetzt würde.

Am Freitagvormittag (Ortszeit) drängte Obama in einer kurzen Fernsehansprache Republikaner und Demokraten im Kongress erneut zur Eile. Die Zeit sei fast abgelaufen, dabei sei ein Kompromiss durchaus greifbar. "Das ist keine Situation, in der die beiden Parteien meilenweit auseinanderliegen", sagte Obama. Um die Unterstützung des Kongresses zu erlangen, könnten Änderungen sowohl an den Plänen der Demokraten als auch denen der Republikaner gemacht werden. Ein Verlust der Top-Bonität käme einer Steuererhöhung für alle Amerikaner gleich, warnte der Präsident mit Blick auf die Weigerung der Republikaner, die Steuern für Gutverdiener zu erhöhen.

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Die US-Schuldenmacher: Seid verschlungen, Billionen
Die Anleger sind jedenfalls aufgrund der nicht abreißenden Negativnachrichten aus den USA hochgradig verunsichert. Der deutsche Aktienleitindex Dax Chart zeigen weitete seine Verluste am Nachmittag kurzzeitig auf mehr als ein Prozent aus, auch der Dow Jones Chart zeigen lag zeitweise mehr als ein Prozent im Minus. Der Goldpreis zog an, und der Ölpreis fiel.

"Die ungelöste Debatte in den USA sorgt weiter für Unsicherheit", kommentierte Thomas Körfgen, Geschäftsführer der SEB Asset Management. "Der ein oder andere Marktteilnehmer hat mittlerweile das Gefühl, dass die USA einen kollektiven Suizid begehen." Die Landesbank Hessen-Thüringen nennt die USA "eine Volkswirtschaft am Rande zur Stagnation".

ssu/dpa-AFX/Reuters



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insgesamt 269 Beiträge
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symolan 29.07.2011
1. Woher das Geld kommen soll?
Im Artikel wird gefragt, woher das Geld kommen soll. Wenn die FED ein weiteres QE-Programm auflegt, wird sie die Dollars einfach drucken. Die folgende Inflation entschärft dann auch gleich das Problem der Staatsverschuldung.
braintainment 29.07.2011
2. Dr.
Ach ja, zur Not hält die Rüstungsindustrie die USA am Leben, bei dem Etat lässt sich doch Umsatz generieren !! Schon interessant, dass den USA das gleiche Schicksal wie der ehemaligen UdSSR drohen könnte... PLEITE!
gewgaw 29.07.2011
3. :{[
Die USA könnte doch Alaska für 7,2 Billionen (trillion) Dollar an China verkaufen. Wäre für alle Seiten ein guter Deal.
STarik 29.07.2011
4. Ökonomischer Zombie
Surprise surprise, Ende der Fahnenstange. Kann mich noch erinnern dass ich mich vor 10 Jahren hier über die US Euphoriker amüsiert hatte und man standfest an den Mantren hängen blieb die nun zu einem Staatsbankrott führen könnten, wird nicht geschehen, Schulden macht man solange bis der Krug bricht. Bedenklich ist wohl eher die amerikanische Gesellschaft in der die Republikaner selbst vor einem herbeigeführten Staatsbankrott nicht halt machen. Meiner Meinung nach sind diese "Amerikaner" darauf aus ihre Egozentrik, die ihnen auch Europa in barer Münze und Toten abkekauft hat soweit zu führen dass sogar die Nachbarn neben ihren geschützten Vierteln auf deutsch gesagt auch "verrecken" können solange sie ihre abge**uckte Agenda umsetzen könen. Loosersyndrom halt.
Ottokar 29.07.2011
5. Nur mal so...
Amerika ist schon lange Pleite. Was wir jetzt erleben ist das Ende einer verschleppten Insolvence. Wir gehen interessanten Zeiten entgegen
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