Schwarz-gelbe Jobreformen Was auf Deutschlands Arbeitnehmer zukommt

Jobcenter, Mindestlöhne, Kampf gegen die Schwarzarbeit - überall haben Union und FDP Reformen angekündigt. Doch konkrete Ansagen scheuen sie. SPIEGEL ONLINE analysiert, was den Deutschen auf dem Arbeitsmarkt bevorsteht: Was ändert sich, von Kündigungsschutz bis Hartz IV?

Arbeitsagentur: EU fürchtet höhere Arbeitslosigkeit
ddp

Arbeitsagentur: EU fürchtet höhere Arbeitslosigkeit


Hamburg - Seit Beginn der Wirtschaftskrise geht in Deutschland die Jobangst um. Bilder von gefeuerten US-Bankern, die mit ihren Aktenkartons durch die Straßen eilen, haben sich auch hierzulande in den Köpfen festgebrannt. Viele dürften sich schon gefragt haben: Werde auch ich irgendwann gekündigt?

Bisher sind deutsche Arbeitnehmer verhältnismäßig glimpflich davongekommen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist trotz Wirtschaftskrise verhältnismäßig robust, große Entlassungswellen hat es nicht gegeben. Grund ist nach Ansicht von Ökonomen die Kurzarbeit, die als Puffer wirkt und deren Rahmenbedingungen von der Großen Koalition ausgeweitet wurden.

Kurzarbeitergeld kann seitdem bis zu 24 Monate lang gezahlt werden, wenn es 2009 beantragt wurde. Schwarz-Gelb hat ebenfalls eine Ausweitung beschlossen: Wer 2010 Kurzarbeit beantragt, kann den Zuschuss 18 Monate lang beziehen - statt bisher sechs. Die Frage ist aber: Was kommt danach?

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, rechnet bereits mit einem massiven Jobabbau in vielen Branchen. Unter anderem die Autoindustrie werde es treffen, sagte er im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Warnung der Bundesbank

Selbst wenn sich die Wirtschaft erholt, dürfte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern, da er zeitversetzt auf die konjunkturelle Erholung reagiert. Die EU-Kommission fürchtet, dass die EU-weite Arbeitslosenquote auf über zehn Prozent steigen könnte. Im September 2009 lag sie noch bei 9,2 Prozent.

Und auch die Bundesbank erwartet trotz des Aufschwungs einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde voraussichtlich von derzeit 3,4 Millionen auf 3,8 Millionen im kommenden Jahr und auf 4,2 Millionen im Jahr 2011 steigen. Dann wäre jeder Zehnte arbeitslos.

Keine gute Ausgangslage für die schwarz-gelbe Regierung. Umso drängender stellt sich die Frage, was die Koalition unternimmt, um die Herausforderung zu meistern. Die Antwort ist ernüchternd: Bisher nicht viel. Außer vagen Absichtserklärungen steht im Koalitionsvertrag wenig.

Streit zwischen Union und FDP gibt es dafür umso mehr. SPIEGEL ONLINE analysiert die wichtigsten Punkte - vom Schonvermögen bis zur Bekämpfung der Schwarzarbeit:



insgesamt 493 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Brand-Redner 27.11.2009
1. Relativitätstheorie
Zitat von sysopUrsula von der Leyen wechselt das Ressort: Die Familienministerin übernimmt den Posten von Franz Josef Jung. Der Arbeitsminister musste nach Informationspannen zurücktreten. Ist von der Leyen die richtige Wahl für den Posten?
Kommt auf den Maßstab an: Ob sie's so gut macht, dass Millionen Arbeitslose was davon merken - das darf bezweifelt werden. Ob sie's hingegen so gut macht, wie FJJ als Verteidigungsminister? - Das schafft sie locker, denke ich! Ist eben alles relativ...
Hardliner 1, 27.11.2009
2.
Zitat von sysopUrsula von der Leyen wechselt das Ressort: Die Familienministerin übernimmt den Posten von Franz Josef Jung. Der Arbeitsminister musste nach Informationspannen zurücktreten. Ist von der Leyen die richtige Wahl für den Posten?
In der Politik kann jeder/jede bekanntlich alles. Wie es um die Erfahrungen von von der Leyen mit Arbeit im engeren Sinn bestellt ist, weiß ich nicht. Schwangerschaften sind ja per se noch kein Arbeitsnachweis.
maan, 27.11.2009
3. Werden wir sehen ...
Zitat von sysopUrsula von der Leyen wechselt das Ressort: Die Familienministerin übernimmt den Posten von Franz Josef Jung. Der Arbeitsminister musste nach Informationspannen zurücktreten. Ist von der Leyen die richtige Wahl für den Posten?
Wenn sie den Mindestlohn flächendeckend einführt: sicher!
BillBrook 27.11.2009
4.
Zitat von sysopUrsula von der Leyen wechselt das Ressort: Die Familienministerin übernimmt den Posten von Franz Josef Jung. Der Arbeitsminister musste nach Informationspannen zurücktreten. Ist von der Leyen die richtige Wahl für den Posten?
Und wer wired Familienminister? Jung?
biesi2 27.11.2009
5. Aber natürlich!
Ursula von der Leyen als Arbeitsministerin, wer sonst?! Die Frau hat zwar keine Ahnung von dem Laden und hat sich bisher nicht einmal auf Länderebene mit dieser Materie beschäftigt aber trotzdem kann man ihr das sicher anvertrauen. Herr Jung hatte schließlich auf dem Gebiet genauso wenig Kompetenzen. Eigentlich ist es vollkommen egal wer da an der Spitze steht, so lange man bei Frau Merkel einen Stein im Brett hat kann man offensichtlich so ziemlich jedes Ministeramt bekommen, völlig egal ob man dafür geeignet ist oder nicht. Die Entscheidung zeigt aber auch gleichzeitig, dass die Personen an der Spitze der Ministerien eigentlich nicht der entscheidende Faktor sind, sondern die hundertschaften im Ministerium selbst, die die Richtung angeben. Der Minister/ die Ministerin selbst ist eigentlich nur noch das Sprachrohr, dass diese Richtung verkündet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.