Schwarz-gelbe Pläne: Energiebranche erwartet gewaltige Umbrüche

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Schwarz-Gelb kommt - jetzt hoffen die Energieriesen auf eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten und Milliardengewinne. Auch der Windsektor dürfte boomen. Kohle- und Solarsektor dagegen stehen vor schweren Zeiten.

Atomkraftwerk Grohnde/Weser: Atomlobby hofft auf Milliardengewinne durch Schwarz-Gelb Zur Großansicht
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Atomkraftwerk Grohnde/Weser: Atomlobby hofft auf Milliardengewinne durch Schwarz-Gelb

Hamburg - Die Kanzlerin und der FDP-Chef haben es eilig: Sie wollen die Bedingungen einer konservativ-liberalen Koalition rasch aushandeln, bis zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November soll die neue Regierung stehen. Durch die Zugewinne der FDP stehen in vielen Punkten harte Gespräche an.

In der Energiepolitik dagegen ist die Lage eindeutig: Hier steht die Republik vor gewaltigen Umwälzungen. Beide Parteien wollen die Laufzeiten für Kernenergie verlängern, beide sehen die hohen Fördersätze für die Solarindustrie kritisch. Während der Atomlobby Milliarden winken, drohen der Sonnenstrombranche herbe Einschnitte.

"Die deutsche Öko-Wende wird durch die neue Regierungskonstellation tendenziell gebremst", sagt Josef Auer, Energieexperte bei DB Research. "International dürfte die Wahl als Signal gewertet werden, dass Deutschland wie Schweden oder die USA die Übergangszeit für die Umstellung auf erneuerbare Energien verlängert."

Aktien der Energiekonzerne gewinnen, Solartitel fallen

Anleger scheinen diesen Kurswechsel für sicher zu halten. Die Börse begann bereits einen Tag nach der Wahl, die möglichen Umwälzungen im Energiesektor vorweg zu nehmen: Im Dax Chart zeigen verbuchten die Energieriesen E.on Chart zeigen mit plus 4,5 Prozent und RWE Chart zeigen mit plus 4,2 Prozent deutliche Gewinne. Matthias Heck, Energieexperte bei der Privatbank Sal. Oppenheim, attestiert den E.on-Aktien Wachstumspotentiale von 17 Prozent, bei RWE sind es gar 27 Prozent.

Im TecDax Chart zeigen dagegen verloren die Solarunternehmen Q-Cells (knapp minus 1,2 Prozent), Conergy Chart zeigen (minus 5,6 Prozent) deutlich. Rofin Sinar (plus 0,22 Prozent) und Solarworld Chart zeigen (plus 0,44 Prozent) legten nach anfänglichen Verlusten leicht zu. Analysten führten für die Unruhe der Anleger zwei Gründe an: Durch den Regierungswechsel steige das Risiko einer Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom; zudem könnte die neue Regierung Neuinstallationen von Solaranlagen begrenzen.

Die Reaktionen der beiden Branchen fielen entsprechend klar aus: Das Deutsche Atomforum, der Verband der Kraftwerksbetreiber, bejubelt die Chance für einen "Energiemix unter Einschluss der Kernenergie", und der Stromriese EnBW Chart zeigen signalisiert "Gesprächsbereitschaft" über einen neuen Atomkonsens. Solarworld-Chef Frank Asbeck dagegen beeilt sich mitzuteilen, er sehe keine unmittelbare Gefahr, dass die Förderung für Solarstrom gekürzt wird.

Experten erwarten Solar-Boom bis 2010

Zum Teil kann er sich dabei auf die Prognosen von Experten stützen. Die sagen der Solarbranche zwar schwere Zeiten voraus. Einen Rückfall in die neunziger Jahre fürchten sie aber nicht. Viele attestieren den erneuerbaren Energien nach wie vor gute, wenn auch verlangsamte Wachstumschancen. Kurzfristig rechnen manche im Solarsektor gar mit einem Boom.

"Sowohl FDP als auch Union haben angekündigt, die hohe Solarförderung, die im EEG verankert ist, kritisch untersuchen zu wollen", sagt Sal.-Oppenheim-Experte Heck. "Da das EEG komplex ist, dürften mögliche Änderungen an dem Gesetz nicht vor Mitte bis Ende 2010 beschlossen werden. Das könnte zu einer Art Torschlusspanik führen: Wer die aktuelle, sehr großzügige Einspeisevergütung noch abgreifen will, wird nun schnell investieren."

Mittelfristig steht der Solarsektor nach Meinung vieler Experten allerdings vor einem deutlichen Strukturwandel. Wird die Einspeisevergütung für Solarstrom gekürzt, steht der Sektor laut DB-Research-Fachmann Auer vor einer Doppelbelastung. Denn auch der Konkurrenzdruck wachse - vor allem chinesische Hersteller drängen mit Billigsolarmodulen auf den deutschen Markt.

Vor allem in Ostdeutschland, wo sich viele Produktionsstätten für Solarmodule befinden, wären durch einen zunehmenden Preisdruck Tausende Jobs gefährdet. Allerdings erhöhe ein Abbau der Solarförderung auch den Innovationsdruck - und könnte so letztlich zu notwendigen strukturellen Bereinigungen führen. "Unternehmen wären gezwungen, sich schneller technologisch weiterzuentwickeln", sagt Auer.

Längere Laufzeiten bedrohen Kohlekraft - aber nicht die Windenergie

Weniger scharfe Einschnitte drohen dem DB-Research-Experten zufolge dem Windenergiesektor. "Dieser Bereich ist weit näher an der Wettbewerbsfähigkeit, zudem beflügelt der Boom großer Meereswindparks den Einstieg großer Konzerne", sagt Auer. "Der Windwirtschaftssektor wird durch den sich anbahnenden Regierungswechsel weit weniger beeinflusst als die Solarenergie."

Den Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung könnte der längere Betrieb von Kernkraftwerken dagegen beschleunigen. "Sofern die Laufzeiten für Kernkraft um 10 bis 15 Jahre verlängert werden und die Ausgaben für die Erforschung erneuerbarer Energien nicht erheblich zurückgefahren werden, dürften nicht wenige Investoren eine mögliche Finanzierung neuer Kohlekraftwerke überdenken", sagt Stephan Wulf, Experte für erneuerbare Energien bei der Privatbank Sal. Oppenheim.

Deren Bau rentiere sich nur bei einer angenommenen Laufzeit von 40 Jahren. In 15 Jahren aber dürften die erneuerbaren Energien einen deutlichen technologischen Fortschritt gemacht haben - viele Kohlekraftwerke könnten dann schneller überflüssig werden, als den Investoren lieb sein kann.

Atom-Milliarden sollen die Öko-Revolution finanzieren

Um den zu erwartenden massiven politischen Protesten entgegenzuwirken, haben CDU und FDP bereits angekündigt, die verlängerte Nutzung von Kernenergie an weitreichende finanzielle Bedingungen zu knüpfen. Laut Erhebungen der WestLB würden die Stromkonzerne schon bei einer achtjährigen Laufzeitverlängerung beträchtliche Summen einnehmen: Auf RWE würden 5,8 Milliarden Euro entfallen, bei E.on sind es sogar 8,6 Milliarden. Auch Vattenfall und EnBW, die an der Börse aber keine große Rolle spielen, winken Milliardengewinne.

Vor der Wahl haben Liberale und Union angekündigt, man werde einen erheblichen Teil dieser Gewinne abschöpfen und in Energiesparmaßnahmen, Forschung oder erneuerbare Stromquellen investieren. Joachim Pfeiffer, der energiepolitische Koordinator der Unionsfraktion, schlug etwa vor, die Energiekonzerne für jede Kilowattstunde Atomstrom zahlen zu lassen. Gudrun Kopp, die energiepolitische Sprecherin der Liberalen, kündigte an, mit dem Geld sollten vor allem neue Speichermethoden für Wind- und Solarstrom erforscht werden.

Würde die neue Regierung solche Regelungen durchsetzen, wäre das ein Killerargument gegen die Öko-Lobby. Der Übergang zur Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien würde dann ausgerechnet durch die "schmutzigen" Milliarden der Atomlobby mitfinanziert. Ob FDP und Union, beides Parteien, die traditionell eng mit der Kernkraftlobby zusammenarbeiten, dies tatsächlich schaffen oder ob die großspurigen Ankündigungen im Wahlkampf am Ende in den Verhandlungen mit E.on, RWE & Co. zusammenschrumpfen, wird sich herausstellen.

Das Atomforum gibt zu diesem Punkt vorerst keine Auskunft. Präsident Walter Hohlefelder sagte lediglich im Mai 2009, die Kernkraftwerksbetreiber seien grundsätzlich einverstanden, einen politischen Preis für die Laufzeitverlängerung zu zahlen.

"Zwischen Energiekonzernen und Regierung stehen harte Verhandlungen an", sagt DB-Research-Experte Auer. "Die Unternehmen dürften sich ihre Erlöse aus der Atomstromproduktion nur sehr ungern vom Staat abnehmen lassen." Entscheidend für die Zukunft des deutschen Energiemixes sei zudem nicht nur die Frage, wie viel Geld die Regierung den Atomstromproduzenten abzwackt - sondern vor allem auch, in welche Projekte dieses Geld investiert wird. Und gerade in diesem Punkt zeichne sich eine "klare Linie bislang nicht ab".

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Forum - Atom oder Solar - wem gehört die Zukunft?
insgesamt 6758 Beiträge
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1.
Frank und gerne Frei 08.07.2009
Sinnvoll ist es, beides zu haben....
2.
AndyH 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Es gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
3.
kdshp 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Hallo, was für eine frage ! Natürlich sonnenstrom und das wird kommen zwar arbeiten die lobbys und politiker noch stark dagegen aber er wird kommen. Ich schaue auch schon was eine solarstromalange für mein haus kostet bzw. ich spare schon dafür und werde mir zu 100% eien holen. Hier hätte die regierung auch was machen sollen ähnlich wie diese abwrackprämie so eien art 100.000 dächer solar programm. man was hätten wir an energie gespart und auch an co2. Atomstrom war gestern !
4.
LumpY 08.07.2009
Zitat von AndyHEs gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland .....
Sie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
5.
AndyH 08.07.2009
Zitat von LumpYSie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC?
Interessiert defacto keinem, ausser als Möglichkeit die Luft zu besteuern. Unser nachfahren wird nicht dadurch geholfen, dass wir das Land deindustrialisieren bis aussieht wie Michigan.
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Atommüll: Schwierigkeiten bei der Endlagerung

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Solarboom in Deutschland: Niedriger Preis, hohe Rendite
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.