Schwarz-gelbe Spekulationen Börsenprofis wetten auf Atom-Comeback

Die Energiekonzerne sehen traumhaften Zeiten entgegen: Börsianer spekulieren auf einen Wahlsieg von Union und FDP - und damit auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. Die Strombranche erwartet milliardenschwere Extragewinne, Analysten raten zum Kauf von E.on- und RWE-Aktien.

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Kernkraftwerk Grohnde: Gegenleistung für längere Laufzeiten
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Kernkraftwerk Grohnde: Gegenleistung für längere Laufzeiten


Hamburg - Die Atomindustrie ist in Feierlaune. Gleich zwei Jubiläen begehen die Stromkonzerne in diesem Jahr: Vor 50 Jahren gründete sich das "Deutsche Atomforum e.V.", die Lobbyorganisation der Branche. Und ebenfalls vor 50 Jahren verabschiedete der Bundestag das Atomgesetz, das den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken in Deutschland regelt.

In wenigen Wochen könnte ein weiterer Grund zum Feiern hinzukommen: ein möglicher Wahlsieg von Union und FDP bei der Bundestagswahl am 27. September. Sollte Schwarz-Gelb die neue Regierung stellen - worauf die Umfragen gegenwärtig hindeuten -, dann steht eines fest: Die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke werden verlängert, den Stromkonzernen winken zusätzliche Milliardengewinne.

Am Aktienmarkt sorgt diese Aussicht schon jetzt für Euphorie. Analysten erwarten gigantische Kurssprünge für die Atomriesen E.on und RWE. "Ein Plus von 15 Prozent ist durchaus möglich", sagt Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Seine Empfehlung für Anleger: kaufen. "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Ich glaube nicht, dass sich die Umfragen noch wesentlich ändern."

Für Gegner der Atomkraft mag dies makaber klingen - doch die Börse hat ihre eigenen Regeln. Den Finanzmärkten sind die Pannen im Kernkraftwerk Krümmel egal, ebenso wie die Lecks im Atommülllager Asse.

Peter Wirtz von der WestLB hat in Euro und Cent ausgerechnet, was ein schwarz-gelber Wahlsieg für die Stromkonzerne bedeutet. Für E.on erwartet der Energieexperte "eine Erhöhung des Aktienwerts um 2,85 Euro je Aktie", für RWE hat er ein Plus von 4,62 Euro errechnet.

Die Bundestagswahl sei "eine Richtungswahl", schreibt Wirtz in seiner Studie "Atomkraft - mehr Chancen als Risiken". Schon im Vorfeld der Wahl könnten die Aktien von E.on und RWE "von dieser Story profitieren".

21 Milliarden Euro - quasi aus dem Nichts

Die Begeisterung der Börsianer kommt nicht von ungefähr. Schließlich haben Union und FDP fest versprochen, den rot-grünen Atomausstieg zu kippen. Begründung: Atomstrom sei sicher - und drücke die Kosten für die Verbraucher.

Bei einer Verlängerung der Laufzeit um acht Jahre beziffert WestLB-Experte Wirtz den zusätzlichen Ertrag auf eine Milliarde Euro - pro Kraftwerk. Für alle Kernkraftwerke in Deutschland würde dies einen zusätzlichen Cashflow von knapp 21 Milliarden Euro bedeuten.

Allerdings dürften nicht alle Kraftwerke längere Laufzeiten erhalten. Die tatsächlichen Zusatzgewinne sind deshalb wohl etwas geringer. Laut WestLB geht es aber immer noch um hohe Summen. So dürften allein auf RWE 5,8 Milliarden Euro entfallen, bei E.on sind es sogar 8,6 Milliarden. Den Rest teilen sich die beiden anderen großen Stromkonzerne Vattenfall und EnBW, die an der Börse aber keine große Rolle spielen.

Die Atomkraft schaffe "aus Wüste Fruchtland, aus Eis Frühling" - mit diesen Worten pries der Philosoph Ernst Bloch 1959 die neue Energiequelle. In diesem Jahr könnte der Ausspruch wieder aktuell werden: Quasi aus dem Nichts soll die Kernkraft den Konzernen die Kassen füllen.

Das Deutsche Atomforum erinnert in seiner Jubiläumsbroschüre bereits an die "ausgesprochene Atomeuphorie", die in den fünfziger Jahren geherrscht habe. Nun, so die Hoffnung der Lobbyisten, könne "die Begeisterung der frühen Jahre" zurückkehren.

Selbst Umweltschützer sind auf einmal pro Atom

Tatsächlich ist die Kernkraft international auf dem Vormarsch. Großbritannien und Frankreich wollen neue Kraftwerke bauen, ebenso die USA, Russland, Indien oder China. Selbst ehemalige "Atom nein danke"-Nationen wie Italien und Schweden haben ihre jeweiligen Ausstiegsbeschlüsse rückgängig gemacht.

Und sogar Stephen Tindale, Ex-Greenpeace-Direktor, macht Werbung für die einst ungeliebte Energie. Genüsslich zitiert ihn das Deutsche Atomforum in seiner Gedenkschrift: "Gegen die Kernkraft zu sein, war lange Zeit eine essentielle Position, wenn man Umweltschützer war. Aber nun, wenn ich mit anderen Umweltschützern darüber spreche, ist die Ansicht ziemlich weit verbreitet, dass die Kernkraft zwar nicht ideal, aber immer noch besser als der Klimawandel ist."

Immerhin: Ganz umsonst dürften die Stromkonzerne nicht zum Zuge kommen. "Der Staat wird rund die Hälfte der Zusatzgewinne abschöpfen", erwartet Heck von Sal. Oppenheim. Mit dem Geld könnte die Regierung Ökostrom stärker fördern - oder in Maßnahmen zum Energiesparen investieren.

Gleichzeitig könnten einige alte Kernkraftwerke vorzeitig stillgelegt werden, "um politische Unterstützung in der Bevölkerung zu sichern", vermutet Wirtz von der WestLB. Dies beträfe vor allem den RWE-Meiler Biblis A und das EnBW-Kraftwerk Grafenrheinfeld I.

Alles in allem müssen sich die Konzerne also auf harte Forderungen der neuen Regierung einstellen. "Angesichts der positiven Cashflow-Effekte besteht aber genügend Verhandlungsspielraum", erklärt Wirtz. Unter dem Strich ergebe sich für die Energieunternehmen immer noch ein dickes Plus.

Vielleicht aber machen die Wähler den Atomlobbyisten einen Strich durch die Rechnung. Sollten die Grünen oder die SPD doch noch an der nächsten Regierung beteiligt sein - in welcher Form auch immer -, dann sind alle Planspiele hinfällig. Der Atomausstieg, so viel steht fest, wäre dann zementiert.

Der Börse dürfte dies gar nicht gefallen. "In diesem Fall", sagt Heck von Sal. Oppenheim, "ist eine deutlich negative Kursreaktion zu erwarten."

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Forum - Kernenergie - längere Laufzeiten trotz Reaktorpannen?
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Seite 1
Rainer Eichberg 11.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Kernenergie ist wieder diskutabel gewonnen, auch ein Ausstieg aus dem Ausstieg wird von Politikern erwogen. Wie zukunftsfähig ist die Atomenergie heute? Sollen die Reaktorlaufzeiten trotz der aktuellen Pannen verlängert werden?
Ja. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
WillyWusel 11.07.2009
2.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Sie und Ihr Nachbar stehen jeweils mit MG ausgerüstet einem gefesselten Mann gegenüber. Sie meinen, es ist kein Unterschied, ob Sie den Mann an der Wand erschiessen oder Ihr Nachbar? Tot ist der sowieso? Schon mal was von Verantwortung für sein eigenes Tun gehört?
kellitom, 11.07.2009
3. Söder und Ramsauer sind realitätsblind
Herr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
flowpower22 11.07.2009
4.
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Es macht eben schon einen Unterschied. Glauben sie es oder nicht, aber die Welt schaut schon auf das was Deutschland macht. Wenn wir weiter mit Siemens die Speerspitze der Atomstrombewegung spielen, so werden die Bedenken in der Welt zerstreut. Aber es wird dann eben so sein wie immer. Die ärmeren Länder rechnen bei Sicherheitstandards vieles runter im Vergleich zu Deutschland. Auch diese sonderbare Haltung es bliebe uns quasi gar nichts anderes übrig halte ich für grossen Käse. In den 70'er Jahren gab es von der Politik verordnete Autofreie Sonntage um Sprit zu sparen. Das waren die schönsten Sonntage seit lange. Niemand hat diese Dreckskisten auch nur eine Sekunde vermisst.
flowpower22 11.07.2009
5.
Zitat von kellitomHerr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
Ich kann nur hoffen, dass die Bayern endlich aufwachen und dieser CSU mal die rote Karte zeigen werden in ein paar Wochen. Das wäre ein sehr gutes Zeichen und ein Sieg für das schöne Bayernland.
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