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Schwarz-gelbes Konzept: Merkels Masterplan für die Energiewende

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Riesige Windparks, gedämmte Gebäude, Elektroautos und ein europäisches Supergrid: Das Energiekonzept der Regierung ist nicht nur ein Pamphlet für den Atomstrom. Es skizziert auch, wie Deutschland in ein neues Energiezeitalter starten soll. SPIEGEL ONLINE analysiert die Pläne.

Windpark an der Nordsee: Schwarz-Gelb gelobt die Energiewende Zur Großansicht
dpa

Windpark an der Nordsee: Schwarz-Gelb gelobt die Energiewende

Hamburg - Die Debatte über das Energiekonzept der Bundesregierung dreht sich vor allem um die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Opposition, Experten und Umweltschützer nehmen den schwarz-gelben AKW-Beschluss auseinander. Das Regierungspapier war noch nicht veröffentlicht, da gab es schon Studien darüber, welch Mega-Profite E.on, RWE und Co. jetzt einstreichen. Es gab Drohungen aus Opposition und Ländern, gegen den Kernkraftbeschluss zu klagen. Obendrein hat die Regierung bei der Angabe, wie viel länger die Meiler laufen, getrickst.

Was bei der ganzen Aufregung vergessen wird: Das Energiekonzept (siehe PDF linke Spalte) der Bundesregierung ist nicht nur ein Atomkonzept. Zwar profitieren die Stromgiganten von der Verlängerung der AKW-Laufzeiten, sie zählen zu den Gewinnern. Doch das Papier, das die Regierung am Vormittag auf der Bundespressekonferenz ausgeteilt hat, geht weiter: Der Entwurf, zu dem die Fraktionen noch Anmerkungen machen dürfen, skizziert auch die Vision, wie Deutschland den Übergang ins Ökozeitalter schaffen soll.

Ohnehin sind Kernkraftwerke nur in einem von drei Bereichen der Energiewirtschaft von Bedeutung: bei der Stromerzeugung. Für die Wärmewirtschaft und den Verkehrssektor dagegen haben sie gar keine Relevanz. Und selbst der Strom der Haushalte stammt nur zu einem Fünftel aus AKW - und zur Hälfte aus Kohlekraftwerken. Entsprechend füllt die Atomkraft im Energiekonzept der Regierung nur knapp eine Seite von insgesamt 39.

Auf den restlichen Seiten präsentiert die Bundesregierung Ideen und Konzepte dafür, wie in Nord- und Ostsee riesige Windparks entstehen sollen, welche Rolle Biomasse künftig bei Strom- und Wärmeerzeugung spielen soll, wie Bürger dazu bewegt werden können, ihre Häuser besser zu dämmen, wie sich die Industrieproduktion energieeffizienter gestalten lässt, mit welchen Privilegien der Kauf von Elektroautos reizvoll wird und wie der Ausbau eines europäischen Superstromnetzes vorangetrieben werden kann.

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Grafiken: Energiegutachten für die Regierung
Viele Aspekte, die die Regierung anspricht, sind allerding noch sehr vage formuliert, bloße Absichtserklärungen. Insgesamt 23-mal versprechen die Verfasser etwas zu prüfen, meist eine alte Regelung oder den Entwurf einer neuen. In anderen Bereichen - wie Elektroautos und schlauen Stromnetzen - hat Schwarz-Gelb ohnehin schon Förderprojekte gestartet, hier sind die Ausführungen konkreter.

Was steckt außer der künftigen Atomstrategie noch im schwarz-gelben Energiekonzept? SPIEGEL ONLINE stellt die Eckpunkte vor.

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Forum - Laufzeiten-Verlängerung für AKWs - unter welchen Bedingungen?
insgesamt 2641 Beiträge
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1. Röttgen machts richtig
sukowsky, 21.08.2010
Röttgen machts richtig und spricht vielen aus der Seele. Er scheint ein Aufrechter zu sein, - wenn ja, ist ihm seine Wahl in NRW sicher. Der Wähler liebt die Wahrheit, das hat Röttgen erkannt und ist sicherlich ein aufgehendes Licht in der dunklen CDU.
2. .
raka, 21.08.2010
Zitat von sysopDie Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke scheint beschlossen. Nun dreht sich der Streit um Art und Höhe der von den Stromkonzernen zu leistenden Abgaben. Wie soll die Regierung die Zusatzgewinne der Konzerne am besten abschöpfen?
Ist sowieso Augenwischerei. Die Brennelementesteuer findet sich im Strompreis auf unserer Rechnung wieder und wird dann von uns, den Verbrauchern, bezahlt.
3. Die Republik im Würgegriff der Strombosse
Michael-Kreuzberg 21.08.2010
Zitat von sysopDie Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke scheint beschlossen. Nun dreht sich der Streit um Art und Höhe der von den Stromkonzernen zu leistenden Abgaben. Wie soll die Regierung die Zusatzgewinne der Konzerne am besten abschöpfen?
Die sogenannte Wirtschaftelite macht ein paar Anzeigen und drohen offen der Regierung und damit dem gesamten Land und schon kuschen Kanzlerin und weite Teile der Regierungsparteien. Werden da schon Gelder zum Stimmenkauf gezahlt. Wird wohl nicht so öffentlich gemacht, aber ein guter Posten nach dem Ausscheiden aus der Politik sind für Merkle und Co schon immer drin gewesen. korruption ist nicht nur in der dritten Welt ein Thema, das bisherige Verhalten so einiger Politiker spricht eine sehr eindeutige Sprache. Denn nicht das Land und die Bürger stehen im Vordergrund sondern das Eigeninteresse und die eigen Karriere und Wohlstand. Nicht bei allen, aber bei zu vielen.
4. Glauben oder Hoffen
idealist100 21.08.2010
Zitat von sukowskyRöttgen machts richtig und spricht vielen aus der Seele. Er scheint ein Aufrechter zu sein, - wenn ja, ist ihm seine Wahl in NRW sicher. Der Wähler liebt die Wahrheit, das hat Röttgen erkannt und ist sicherlich ein aufgehendes Licht in der dunklen CDU.
Den wird die Energielobby auch noch auf Kurs bringen. 100%tig. Der darf jetzt etwas spielen und am Schluss hat er gewohnen an Erfahrung, dass die das Machen was sie wollen.
5. Unglauglich
dieterschg, 21.08.2010
Zitat von sysopDie Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke scheint beschlossen. Nun dreht sich der Streit um Art und Höhe der von den Stromkonzernen zu leistenden Abgaben. Wie soll die Regierung die Zusatzgewinne der Konzerne am besten abschöpfen?
Endlich einmal ein Politiker, sei es auch nicht ganz uneigennützig,der sich deutlch gegen die "Lbby-Initiativen der Konzerne wendet, dem leider auch wieder die Bundeskanzlerin verfallen ist,, - ...und das als ehemalige Umweltministerin, und bis vor gut einem Jahr noch internationale Kämpferin für den Umweltschutz. - ..und dazu braucht man wirklich nichtr die AKW-Restmüll-Problemkandidaten. Im Übrigen, hört jemand etwas von Nichtstreichung des Elterngeldes oder Hartz IV Empfänger??? Deren 5 Milliarden Einsparung sind eine Bank, da wird nicht dran gerüttelt. Wenn die vier EVUs ihren Streit mit der Regierung beenden, stehen schon die Banken bereit ihnen das gleich zu tun. ES GEHT JA NICHT DASS DIE INDUSTRIE IHREN VERPFLICHTUNGEN NACHKOMMEN SOLLTE, WENN WIR DIE 5 MILLIARDEN AUCH NOCH VON DEN KLEINEN LEUTEN HOLEN KÖNNEN. Es ist einfach unglaublich was unsere Lobbykratie uns Bürgern alles zumutet, zur Maximierung der Gewinne Weniger.
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Klimaschutz-Index 2010: Die zehn größten CO2-Emittenten
Video-Vorlesung: Saul Griffith über den globalen Klimawandel

CCS: Kohlendioxid unter die Erde
Technologie
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Beim CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird Kohlendioxid aus dem Abgas von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und unter der Erde eingelagert. Für die konkrete Umsetzung der CO2-Sequestrierung gibt es mehrere Möglichkeiten, die teils bereits in Pilotanlagen erprobt werden. So lässt sich CO2 theoretisch auf drei Arten abtrennen: vor der Kohleverbrennung ("Pre Combustion"), bei der Verbrennung mit reinem Sauerstoff ("Oxyfuel") oder durch ein Waschen der Rauchgase ("Post Combustion"). Für den Transport des unter Druck verflüssigten Gases bieten sich vor allem Pipelines oder Schiffe an. Als Speicherstätten kommen in Deutschland leere Gasfelder oder tief liegende spezielle poröse Gesteinsschichten, sogenannte saline Aquifere, in Frage.
Bisherige Nutzung
Die CCS-Technologie ist nicht grundsätzlich neu, sondern kommt kommerziell bereits bei Erdöl- und Erdgasförderung zum Einsatz. Ziel ist, die Ausbeuterate von Ölfeldern zu erhöhen oder gefördertes Erdgas vom "Begleitgas" CO2 zu trennen. Den Einsatz bei einem Kohlekraftwerk testet der Energieversorger Vattenfall in Brandenburg: Das CO2 wird in der Pilotanlage "Schwarze Pumpe" mit dem Oxyfuel-Verfahren abgetrennt. Im brandenburgischen Ketzin wird in einem salinen Aquifer testweise CO2 gespeichert. RWE plant in Hürth nahe Köln ein Demonstrationskraftwerk für die Pre-Combustion-Abscheidung. Laut Industrie könnte CCS 2020 marktreif sein.
Mögliche Vorteile
Die CCS-Technologie kann den Treibhausgasausstoß eines Kohlekraftwerks deutlich verringern. Sie könnte als Brücke ins Zeitalter regenerativer Energienutzung dienen. Laut Industrie birgt die CO2-Speicherung weniger Risiken als das fortgesetzte Hinauspusten des Treibhausgases in die Atmosphäre. Auch wenn eine Speicherstätte undicht werden sollte, würde das weder giftige noch explosive CO2 demnach ohne Risiko für Mensch und Umwelt verwehen. Da die Schwellenländer immer mehr Kohle verfeuern, ist die Technologie Befürwortern zufolge international unverzichtbar und könnte ein lukratives Exportgut werden.

Kritik
Vor allem Umweltschützer betrachten CCS als teuer, riskant und in Deutschland überflüssig. Die Technik mache Kohlekraftwerke keineswegs sauberer, da sie deren Wirkungsgrad verschlechtere. Auch befürchten Kritiker, CCS könne den Ausbau von erneuerbaren Energien bremsen und stattdessen Akzeptanz für neue Kohlekraftwerke schaffen. Das Verhalten von CO2 in Untergrundspeichern ist noch nicht hinreichend erforscht, Umweltschützer nennen unterirdische CO2-Speicher daher "geologische Zeitbomben". Klar ist, dass CCS schon aufgrund der weltweit begrenzten CO2-Speicherkapazitäten das Klimaproblem nicht dauerhaft lösen kann.

Quelle: AFP
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