Hochrechnung zur Volksabstimmung Schweizer lehnen höchsten Mindestlohn der Welt ab

Rund 18 Euro pro Stunde - so lautete der Vorschlag Schweizer Gewerkschaften zum weltweit höchsten gesetzlichen Mindestlohn. Doch einer ersten Hochrechnung des Senders SRF zufolge wird es diesen Rekordlohn nicht geben.


Bern - Schweizer Wirtschaftsvertreter sorgten sich bereits um das Wohl des Landes: 22 Franken Mindestlohn (rund 18 Euro) hatten die Gewerkschaften als gesetzliche Lohnuntergrenze vorgeschlagen. Doch laut einem ersten Abstimmungstrend wird es den höchsten Mindestlohn der Welt auch nicht in der Schweiz geben. Bei dem Referendum sprachen sich die Eidgenossen mit großer Mehrheit gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns aus.

Der Hochrechnung des TV-Senders SRF zufolge wurde der Vorschlag der Schweizer Gewerkschaften mit 77 Prozent Nein-Stimmen klar zurückgewiesen.

Die Gesetzesinitiative hatte in der Schweiz Diskussionen ausgelöst. Rund 330.000 Menschen würden in dem Land zu Stundenlöhnen von weniger als 22 Franken arbeiten, ohne davon "anständig leben" zu können, hatte der Schweizerische Gewerkschaftsbund argumentiert. Ein monatliches Mindesteinkommen von umgerechnet 3300 Euro sei erforderlich, um in der teuren Schweiz mit ihren hohen Mieten und Lebenshaltungskosten über die Runden zu kommen.

Unterstützt wurde die Forderung von den Sozialdemokraten und den Grünen, Wirtschaftsvertreter und Regierung stellten sich dagegen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) hatte zuletzt vor einem Jobverlust gewarnt. Außerdem seien durch einen solchen Schritt kleinere Betriebe bedroht.

Deutscher Banken-Präsident befürwortet Mindestlohn

Auch in Deutschland waren die 8,50 Euro, die ab 2015 als Lohnuntergrenze gelten, lange Zeit politisch umstritten. Doch es gibt auch Befürworter. Zuletzt äußerte sich Bankenverbandspräsident Jürgen Fitschen positiv zu einem gesetzlichen Mindestlohn. Ordnungspolitisch halte er eine solche Maßnahme zwar für falsch, auch werde diese Arbeitsplätze kosten, sagte er der "Welt am Sonntag". "Aber wenn dieser Jobverlust begrenzt bleibt und die Regelung gleichzeitig zum sozialen Frieden beiträgt, kann es diesen Preis wert sein." Es müsse möglich sein, dass jeder von seiner eigenen Arbeit leben könne, ohne dass der Staat subventionierend eingreife, so der Co-Chef der Deutschen Bank.

Industriepräsident Ulrich Grillo bekräftigte dagegen seine Ablehnung. Der Mindestlohn werde Arbeitsplätze kosten. Für die Industrie seien die vorgesehenen 8,50 Euro aber ohnehin kein Thema, weil sie schon jetzt deutlich mehr bezahle. So lägen allein die Einstiegslöhne im Industriesektor bei 15 Euro, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Abstimmung über Pädophilen-Gesetz

Wie erwartet gab es für die Initiative, straffällig gewordenen Pädophilen jedwede berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit mit Minderjährigen auf Lebenszeit zu verbieten, Zustimmung. Dafür votierten laut Hochrechnungen 63 Prozent. Die Abstimmung über die Anschaffung neuer Kampfjets steht indes noch aus.

gam/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
Meckerliese 18.05.2014
1. finde ich in Ordnung
Also 18 Euro Mindestlohn finde ich auch übertrieben hoch. Das kriegt dann auch eine Putzfrau oder jemand der nie was gelernt hat? Nee ist einfach zu viel. Ein Hoch auf die Schweiz bei der die Menschen solche Entscheidungen mitfällen dürfen. Da könnten sich unsere Polithansel mal eine Scheibe abschneiden.
Dirk Ahlbrecht 18.05.2014
2. ...
Zitat von sysopREUTERSRund 18 Euro pro Stunde - so lautete der Vorschlag Schweizer Gewerkschaften zum weltweit höchsten gesetzlichen Mindestlohn. Doch einer ersten Hochrechnung des Senders SRF zufolge wird es diesen Rekordlohn nicht geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweiz-lehnt-mindestlohn-von-22-franken-bei-volksabstimmung-ab-a-970071.html
Ein Hoch auf die Schweiz! Auf ein Land freier Bürger, die sich nicht von ihren Politikern erzählen lassen, die Themen wären zu "komplex" als das die Bürger nicht selbst darüber abstimmen könnten. Und die nicht darüber verzweifeln müssen, was diese Komplexität, wenn man denn die Politik darüber bestimmen lässt, für schwachsinnige Ergebnisse zeitigt. Deshalb: Hopp Schwiiz!
Emil Peisker 18.05.2014
3. Mindestlohn von 8,50€/Std...
Zitat von sysopREUTERSRund 18 Euro pro Stunde - so lautete der Vorschlag Schweizer Gewerkschaften zum weltweit höchsten gesetzlichen Mindestlohn. Doch einer ersten Hochrechnung des Senders SRF zufolge wird es diesen Rekordlohn nicht geben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweiz-lehnt-mindestlohn-von-22-franken-bei-volksabstimmung-ab-a-970071.html
Der Chef der Deutschen Bank zum Mindestlohn von 8,50€/Std. in Deutschland: Es müsse möglich sein, dass jeder von seiner eigenen Arbeit leben könne, ohne dass der Staat subventionierend eingreife, so der Co-Chef der Deutschen Bank. Wenn der Oberspekulant das sagt....
onravenwings 18.05.2014
4. optional
Die Idee ist sozial korrekt und angebracht, die Umsetzung nicht. Zu undiferenziert, wenn man das Lohngefälle in den verschiedenen Kantonen betrachtet oder die Tatsache, dass ein Ausgelehrter versus ein einfacher Arbeitet den gleichen Lohn erhalten sollten. Es ist aber wieder typisch, dass die Gegener wieder von "Angstmacherei" reden; so kann man jedes Argument totschlagen. Ich würde eher behaupten, dass diese Initiative eine Chance gehabt hätte, hätte man sie bedeutend differenzierter formuliert und den Kantonen Rechnung getragen.
Dirk Ahlbrecht 18.05.2014
5. ...
Zitat von Emil PeiskerDer Chef der Deutschen Bank zum Mindestlohn von 8,50€/Std. in Deutschland: Es müsse möglich sein, dass jeder von seiner eigenen Arbeit leben könne, ohne dass der Staat subventionierend eingreife, so der Co-Chef der Deutschen Bank. Wenn der Oberspekulant das sagt....
Der Lohn hierzulande, Emil Peisker, ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage - vor allem und gerade im Niedriglohnsektor. Wenn Sie also höhere Löhne in Deutschland haben wollen (insbesondere für die prekär Beschäftigten hierzulande), dann lassen sie nicht ständig Leute ins Land, die die Lage dieser prekär Beschäftigten verschlimmert. Gerade Sie, Herr Peisker, sind lediglich jemand, der tatkräftig dabei mithilft, daß jene, die für diese Situation verantwortlich sind, mit dem Finger auf die vermeintlich Schuldigen zeigen.
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