Ende des Mindestkurses Schweizer Notenbank lässt den Euro fallen

Die Schweizer Notenbank hebt überraschend den Euro-Mindestkurs für den Franken auf. Die Entscheidung sorgt für Nervosität an den Märkten, auch gegenüber dem Dollar stürzt der Euro ab.

Eingang der Schweizerischen Nationalbank: Schwacher Euro, starker Franken
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Eingang der Schweizerischen Nationalbank: Schwacher Euro, starker Franken


Zürich - Es ist eine radikale Kehrtwende: Die Schweizerische Nationalbank hat den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. "Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag. "Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert."

Nach der Meldung geriet der Euro Chart zeigen stark unter Druck und sank unter die Parität zum Franken. Zeitweise fiel er um mehr als 28 Prozent auf 0,86 Franken. Auch gegenüber dem Dollar gab die Gemeinschaftswährung deutlich nach. Der Euro fiel zeitweise auf 1,1575 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2003. Am späten Vormittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1735 Dollar.

Zur Schwächung der eigenen Währung hatte die schweizerische Notenbank an den Devisenmärkte Euro gekauft. Diese Nachfrage nach Euro fällt durch die Aufgabe des Mindestkurses jetzt weg. Der Wechselkurs des Euro Chart zeigen war bereits in den vergangenen Monaten auch im Vergleich zu anderen Währungen drastisch gefallen. So war ein Euro im Mai noch fast 1,40 Dollar wert.

Mit ihrem Schritt beugt sich die Schweizer Nationalbank dem Druck der Finanzmärkte. Angesichts des schwachen Euro wurde es für die SNB immer aufwendiger, den Kurs des Franken zum Euro künstlich niedrig zu halten. Denn dazu musste sie massiv Franken verkaufen und Euro kaufen. Doch die hohen Eurobestände in ihrer Bilanz und der zugleich niedrige Kurs der Gemeinschaftswährung bereiten der Schweizer Notenbank offenbar Sorgen.

"Dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen"

Die Auswirkungen auf die Schweizer Exportwirtschaft dürften erheblich sein. Denn ein starker Franken macht die Schweizer Produkte im Ausland teurer. Die SNB teilte mit, die heimische Wirtschaft habe die vergangenen Jahre genutzt, "um sich auf die neue Situation einzustellen". Ob das ausreicht, ist aber fraglich.

Die Schweizer Nationalbank hatte die Euro-Kursuntergrenze im September 2011 festgesetzt. Damals hatte die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone zu massiven Zuflüssen in den als sicheren Hafen geltenden Franken geführt. Doch für die Schweizer Wirtschaft wurde der starke Franken zum Problem. Ihre Exporte im Ausland verteuerten sich stark. Auch der Tourismus brach ein, denn der Urlaub in der Schweiz wurde für europäische Touristen massiv teurer. Mit der Eurokursuntergrenze wollte die Nationalbank die Wirtschaft des Landes vor den Folgen eines zu starken Franken schützen.

Noch vor wenigen Tagen hatte SNB-Präsident Thomas Jordan den Mindestkurs als unverzichtbar bezeichnet. "Der Mindestkurs ist absolut zentral um eben adäquate, richtige monetäre Bedingungen für die Schweiz aufrechtzuerhalten", sagte Jordan am 5. Januar in einem Interview des Schweizer Fernsehens.

Das Risiko für eine Rezession in der Schweiz nehme durch den Schritt der SNB nun schlagartig zu, erklärte UBS-Volkswirt Daniel Kalt. Auch andere Analysten warnen vor negativen Folgen: "Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt", sagte Chris Beauchamp vom Wertpapierhändler IG.

"Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat - sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen", schrieben Ökonomen von JPMorgan Research.

Banken sollen Geld in die Wirtschaft pumpen

Um die Auswirkungen des Schritts für die Schweizer Wirtschaft abzufedern, senkte die SNB zugleich den Zins für Guthaben der Banken, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. So sollen die Banken dazu angehalten werden, ihr Geld als Unternehmenskredite in die Wirtschaft weiterzuleiten.

Die deutschen Aktienanleger reagierten nervös auf die Schritte der Schweizer Notenbank. Der Dax Chart zeigen fiel zeitweise um bis zu 1,7 Prozent.

mmq/stk/dpa/Reuters



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insgesamt 267 Beiträge
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Seite 1
remende 15.01.2015
1. Dann ist ja der €uro
da wo ihn Frankreich haben wollte . man hört aber noch nichts von einer Verbesserung in Frankreich .
mweldag 15.01.2015
2. Jetzt kommen der schweizer Geldadel in der EU einkaufen
bis alle lukrativen Geschäfte/wertvoller Grundbesitz der EU Bürgern den Besitzer gewechselt haben. lg aus Zürich
Big_Jim 15.01.2015
3. War absehbar...
Entweder würde man den Franken ruinieren oder die alternativlose Einheitswährung fallen lassen. Hat lange gedauert aber immerhin hat nun der Verstand gesiegt. Glückliche Schweizer...
freespeech1 15.01.2015
4.
Wohl dem, der sich rechtzeitig mit schweizerischen Aktien versorgt hat. Da hat man nicht nur Spitzenwerte, sondern jetzt auch noch einen dicken Aufwertungsgewinn
holgerkraeft 15.01.2015
5. Währung erfordert einen Souverän...
... sonst ist sie streng genommen keine. Wer ist der Souverän hinter dem Euro? Keiner zu sehen...
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