Steuer-CD Schweizer Ermittler lassen Konten von Datendieben einfrieren

Im Streit über die Schweizer Steuer-CD gibt es neue Details: Die eidgenössischen Ermittler verlangen einem Zeitungsbericht zufolge, dass das Geld der deutschen Behörden für die Datendiebe eingefroren wird. Zwei der drei beteiligten Länder haben offenbar bereits auf die Forderung reagiert.

Daten-CD: Was wird aus den 2,5 Millionen Euro?
dapd

Daten-CD: Was wird aus den 2,5 Millionen Euro?


Zürich - Die Schweizer Bundesanwaltschaft erhebt Anspruch auf das Geld, das beim umstrittenen Kauf der Steuer-CD von deutschen Fahndern geflossen ist. Das geht laut einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" aus dem Rechtshilfegesuchen hervor, das die Ermittler im März an die Bundesregierung gestellt haben. Demnach hat die Bundesanwaltschaft gefordert, die 2,5 Millionen Euro, die bei drei verschiedenen Banken liegen, einzufrieren. Die Behörden in Österreich und Tschechien seien dem Wunsch bereits gefolgt, aus Deutschland gebe es noch keine Antwort.

Der Streit um die Hintergründe des Datenkaufs war Anfang April eskaliert. Der Schweizer Bundesanwalt erließ Haftbefehl gegen drei Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen. Der Vorwurf lautet auf Wirtschaftsspionage. Die Beamten hätten konkret "Aufträge zum Ausspionieren der Großbank Credit Suisse" erteilt.

Hintergrund war der Deal aus dem Frühjahr 2010. Damals kauften die Fahnder für 2,5 Millionen Euro Bankdaten deutscher Steuerhinterzieher. Der Verkäufer war Wolfgang U., ein Österreicher, der in der Schweiz lebte. Er war der Mittelsmann zum damaligen Credit-Suisse-Mitarbeiter, der die Daten entwendete. In der Folge wurden mehr als hundert Steuerflüchtlinge überführt. Hinzu kam: Allein die Nachricht vom Kauf der CD löste über 6000 Selbstanzeigen aus - und spülte dem deutschen Staat damit mehr als 300 Millionen Euro in die Kasse.

U. soll laut "NZZ" ursprünglich sogar 6,75 Millionen Euro für die Daten gefordert haben. Die Steuerfahnder hätten ihn jedoch auf 2,5 Millionen Euro heruntergehandelt. Mit der Zahlung sollen sie einen Notar beauftragt haben. Dieser habe das Geld dann bei drei verschiedenen Banken eingezahlt:

  • 894.000 Euro bei einer Sparkasse im österreichischen Vorarlberg,
  • 922.000 Euro bei einer US-Bank in Prag,
  • und 684.000 Euro bei einer Sparkasse in Baden-Württemberg.

Wie viel Geld ist noch da?

Die Staatsanwaltschaft im österreichischen Feldkirch bestätigte der "NZZ" und dem "Handelsblatt", man habe das Geld vorläufig sichergestellt. Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid sei das Geld blockiert. Auch in Prag hätten die Behörden das Geld eingefroren, berichtet die "NZZ". Aus Deutschland gebe es bislang noch keine Reaktion, das Justizministerium arbeite noch an einer Stellungnahme.

Wie viel von den 2,5 Millionen Euro noch da ist, ist offen. Laut "NZZ" wurde aber offenbar vor allem von dem Konto in Prag schon eine ordentliche Summe abgehoben. Neben dem Schweizer Datendieb, der im Dezember zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, haben offenbar auch sein Vater und dessen tschechische Freundin von dem Geld aus Deutschland profitiert.

Nichts mehr von dem Geld hat dagegen der Mittelsmann Wolfgang U. Er wurde im September 2010 in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Sein gesamtes Vermögen erbte der Zeitung zufolge seine Ex-Frau, was für Ärger in der Familie gesorgt haben soll. Doch am Ende könnten alle Beteiligten leer ausgehen. Dann nämlich, wenn das Geld dem Schweizer Staat zugesprochen wird.

cte

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insgesamt 182 Beiträge
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Seite 1
montaxx 26.04.2012
1. Mafia?
Zitat von sysopdapdIm Streit über die Schweizer Steuer-CD gibt es neue Details: Die eidgenössischen Ermittler verlangen einem Zeitungsbericht zufolge, dass das Geld der deutschen Behörden für die Datendiebe eingefroren wird. Zwei der drei beteiligten Länder haben offenbar bereits auf die Forderung reagiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,830047,00.html
Tja,wenn es um das Bankgeheimnis und damit um viele Milliarden geht,sind die CH-Banken wie die Mafia.Sie setzen Himmel und Hölle in Bewegung,um doch noch dieses Hinterziehungsgeheimnis zu retten.Und der schweizerische Bundesanwalt,der früher der liechtensteinsichen Bankenvereinigung zu Diensten stand,hat mit den deutschen Behörden wohl auch noch ein Hühnchen zu rupfen und macht fleißig mit...
-snowlife- 26.04.2012
2.
Zitat von montaxxTja,wenn es um das Bankgeheimnis und damit um viele Milliarden geht,sind die CH-Banken wie die Mafia.Sie setzen Himmel und Hölle in Bewegung,um doch noch dieses Hinterziehungsgeheimnis zu retten.Und der schweizerische Bundesanwalt,der früher der liechtensteinsichen Bankenvereinigung zu Diensten stand,hat mit den deutschen Behörden wohl auch noch ein Hühnchen zu rupfen und macht fleißig mit...
strafbare handlungen werden in einem rechtsstaat verfolgt... in deutschland doch auch, oder etwa nicht?
spon-facebook-1102020430 26.04.2012
3.
Hat damit nichts zu tun??? Wo in BW????
regensommer 26.04.2012
4. völlig in Ordnung
Meiner Meinung nach völlig in Ordnung wie die Schweiz vorgeht. Bin gespannt, ob das Konto eingefroren wird. Ansonsten sind die Finanzbehörden mit diesem Schritt ja schnell. Allerdings muß man Bürger von D sein und zum Beispiel einen unachtsamen Steuerberater haben.
Lobbykratie 26.04.2012
5. Tja...
...dann wird in Zukunft halt nur nach BAT gezahlt. Gibts nicht mehr? Gibts doch noch: *B*ar *a*uf die *T*atze! Dann gehen in Zukunft eben 2,5 Mio in kleinen Scheinen über die Theke und gut. :-)
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