Nach Flugzeugentführung Schweizer Luftwaffe fliegt bald auch außerhalb der Bürozeiten

Um 8 Uhr öffnet das Büro, vorher steigt kein Pilot ins Cockpit. Diese Regel hat der Schweizer Verteidigungsminister Maurer jetzt aufgehoben, weil die Luftwaffe für ihre Untätigkeit bei einer Flugzeugentführung in die Kritik geriet. Mehrkosten: rund 25 Millionen Euro.

DPA

Bern - Der Fall des nach Genf entführten Passagierflugzeugs verändert die Arbeitsbedingungen der Schweizer Luftwaffe. Deren Maschinen sollen künftig auch außerhalb der Büroarbeitszeiten einsatzbereit sein. Dafür müssten mehr als hundert neue Piloten eingestellt werden, sagte Verteidigungsminister Ueli Maurer vor dem Parlament in Bern.

Die eidgenössische Luftwaffe war in die Kritik geraten, weil sie ungeachtet des Anflugs der entführten Maschine auf Genf am Montag nicht tätig wurde. Diesen Vorwürfen setzte Maurer laut der Schweizer Nachrichtenagentur sda nun entgegen, dass die Militärpiloten auch dann nicht eingegriffen hätten, wenn sie einsatzbereit gewesen wären. Für die wenigen Kilometer zwischen Frankreich und Genf hätte sich dies nicht gelohnt. Zudem gewähre ein Abkommen mit Paris Hilfe in solchen Situationen.

Die Boeing 767 der Ethiopian Airlines mit mehr als 200 Menschen an Bord hatte den Schweizer Luftraum Montagmorgen erreicht und war gegen 6 Uhr auf dem Genfer Airport gelandet. Schweizer Militärpiloten beginnen den Dienst aber erst um 8 Uhr. Die Maschine war deshalb von französischen Abfangjägern eskortiert worden.

Künftig soll die Luftverteidigung der Eidgenossen rund um die Uhr kampfbereit sein. Allerdings müssten dafür pro Jahr zusätzlich etwa 30 Millionen Franken (rund 25 Millionen Euro) ausgeben werden, rechnete Maurer vor.

Beim Entführer handelt es sich um den Co-Piloten. Der Mann habe sich während des Flugs im Cockpit eingeschlossen und die Kontrolle übernommen, sagte ein Flughafensprecher. Der Mann wolle in der Schweiz Asyl beantragen.

bos/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 79 Beiträge
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hdudeck 19.02.2014
1. Wow - eine Armee mit festen Arbeitszeiten.
Hoffentlich kennt ein potentieller Angreifer diese Arbeitszeiten und richtet sich danach - oder auch nicht. Wozu ueberhaupt Flugzeuge und Piloten? Grosses Einsparungspotiential. So wie ich das verstehe handelt es sich dabei doch eh nur um eine Spassluftwaffe, um die Minderwertigkeitsgefuehle unterdruecken zu koennen.
dango 19.02.2014
2. Noch vernünftiger...
...wäre es doch in Wirklichkeit, die Luftwaffe ganz aufzulösen. 1. Was sollen die Kampfjets in einem solchen Fall überhaupt machen ? Eskortieren klingt gut - aber welche Handlungsoptionen gibt es ? 2. Gegen wen oder was verteidigt die Schweizer Luftwaffe das Land ? Wie lange könnte sie verteidigen, käme es zu einem Angriff ? 3. Wenn ich mich schon auf feste Bürozeiten meiner Armee zurückgezogen und damit eingestanden habe, dass sie eigentlich nicht gebraucht wird, ist eine Auflösung eigentlich der einzig logische Schritt. Entweder ich brauche sie rund um die Uhr - oder ich brauche sie garnicht.
IsaDellaBaviera 19.02.2014
3. LACH! Gut zu wissen, dass die Schweiz nur zu Bürozeiten verteidigt wird!
Zitat von sysopDPAUm acht Uhr öffnet das Büro, vorher steigt kein Pilot ins Cockpit. Diese Regel hat der Schweizer Verteidigungsminister Maurer jetzt aufgehoben, weil die Luftwaffe für ihre Untätigkeit bei einer Flugzeugentführung in die Kritik geriet. Mehrkosten: rund 25 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweizer-luftwaffe-soll-ausserhalb-der-buerozeiten-fliegen-a-954529.html
In der Mittagspause wohl auch nicht, odrrrrrr?
kahabe 19.02.2014
4. Na ja,
Zitat von IsaDellaBavieraIn der Mittagspause wohl auch nicht, odrrrrrr?
sie müssen da wohl so langsam was ändern. Demnächst. Eingeschränkte Überflugmöglichkeiten über den Nachbarländern, Sicherung der Grenzen gegen nicht erwünschte Ausländer....
seppfrieder 19.02.2014
5. Noch schlimmer
Zitat von IsaDellaBavieraIn der Mittagspause wohl auch nicht, odrrrrrr?
Da in der Schweiz für ihre Staatsangestellten die 40-Stunden-Woche gilt, wird nur Montag bis Freitag von 8 - 12 Uhr und von 13 - 17 Uhr verteidigt. Auch an den Wochenenden finden keine Kampfhandlungen statt.;-)
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