Shutdown: Börsen setzen auf schnelle Lösung im US-Haushaltsstreit
War was? Die Regierung der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt macht dicht, doch die Börsen verhalten sich, als wäre nichts passiert: Die Aktienkurse steigen. Investoren lassen sich von den Politikern nicht bluffen.
US-Präsident Barack Obama schickt 800.000 Staatsdiener in den unbezahlten Urlaub, mehrere Ministerien stellen die Arbeit ein, zum ersten Mal seit 17 Jahren ist die mächtigste Regierung der Welt auf unbestimmte Zeit lahmgelegt.
Man sollte meinen, dass eine solche Nachricht die gewöhnlich hochnervösen Börsianer in Panik versetzt. Doch die Anleger an den globalen Finanzmärkten lassen sich von dem Drama auf dem Kapitol bislang nicht beeindrucken: Der japanische Nikkei schloss höher, Dax und EuroStoxx legten zu Börsenbeginn leicht zu. Nur der britische FTSE100 gab leicht nach - allerdings wegen eines Einbruchs bei Unilever. Die Nachrichten aus den USA hingegen ließen die Börsianer kalt.
Der Grund: Die Behördenschließung kommt nicht überraschend und ist bereits seit Wochen eingepreist. Obendrein glauben die meisten Beobachter an eine baldige Lösung.
"Der Druck der Wähler wird zunehmen"
Es sei nur eine Frage von Tagen, bis die Republikaner sich von dem Druck des Tea-Party-Flügels befreiten und mit den Demokraten für den Haushalt stimmten, sagte Harm Bandholz, Chef-Ökonom der italienischen Großbank UniCredit, der "Financial Times".
Paradoxerweise könnte der dramatische Showdown eine Einigung sogar beschleunigen. "Nun, da Staatsbedienstete keine Gehaltsschecks mehr bekommen und die Inkompetenz Washingtons reale Auswirkungen auf Otto Normalverbraucher hat, ist es etwas einfacher geworden, einen Kompromiss zu finden", schrieben die Analysten des Brokerhauses Capital Spreads. "Der Druck der Wähler auf die Politiker wird zunehmen", glaubt auch Vincent Reinhart, Chef-Ökonom der US-Großbank Morgan Stanley.
Republikaner und Demokraten im Kongress müssen sich zunächst auf einen kurzfristigen Nachtragshaushalt einigen. Bis zum 17. Oktober müssen sie obendrein die gesetzliche Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar anheben, damit die US-Regierung neues Geld leihen kann, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Finden sie keine Einigung, wären die USA formal zahlungsunfähig.
Wirtschaftswachstum schrumpft, aber nur leicht
Der unbezahlte Zwangsurlaub für 800.000 Regierungsangestellte drückt das amerikanische Wirtschaftswachstum Schätzungen zufolge um 0,15 Prozent pro Woche. Die kurzfristigen Folgen für die Wirtschaft seien überschaubar, sagen Analysten. Daher sei es an den Börsen zunächst ruhig geblieben.
Ein längerer Shutdown könne das Vertrauen der Anleger aber erschüttern, warnt Tracey Warren von der Londoner Handelsplattform CMC Markets. Der Streit um den Nachtragshaushalt gilt als Generalprobe für die parallel laufenden Verhandlungen zur Schuldenobergrenze. Je näher die Frist am 17. Oktober rückt, desto nervöser dürften die Börsianer werden.
Allerdings glauben die meisten Beobachter nicht, dass die Parteien es so weit kommen lassen. "Das Risiko, dass US-Politiker das Land in die Zahlungsunfähigkeit stürzen, ist aus unserer Sicht gering", schreibt Robert Wood von der Berenberg Bank. Beide Seiten wüssten, dass dies ein "Desaster" wäre. Er erwarte, dass Republikaner und Demokraten sich vorher einigten.
"Früher oder später wird einer nachgeben", sagt auch Dan Heckman, Analyst bei der Finanzberatung US Bank Wealth Management. "Es wird nicht länger als einige Tage dauern".
Die Rating-Agentur Standard & Poor's rüttelt trotz der Eskalation vorerst nicht an der Kreditwürdigkeit der US-Regierung. "Die Debatte um die Schuldenobergrenze wird wahrscheinlich nichts an der Bonitätsnote ändern", teilten die Analysten mit. Sollte die Schuldenobergrenze aber nicht rechtzeitig angehoben werden, werde das Rating radikal abgestuft.
Mit Material von Reuters
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Fläche: 9.632.000 km²
Bevölkerung: 310,384 Mio.
Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
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