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Experten zu Shutdown: "Die größte Supermacht existiert nicht mehr"

Kapitol in Washington: Weltwirtschaft in Geiselhaft Zur Großansicht
REUTERS

Kapitol in Washington: Weltwirtschaft in Geiselhaft

Amerika kämpft mit dem Shutdown, in Deutschland verurteilen führende Ökonomen und Experten den Machtkampf zwischen Demokraten und Republikanern. Ansehen und Stabilität der USA seien in Gefahr - die Weltwirtschaft befinde sich in Geiselhaft.

Kiel/Hamburg - Der Haushaltsstreit in Amerika provoziert unter hochrangigen Ökonomen und Experten Kritik. "Das ist ein weiteres Zeichen dafür, wie schlecht das politische System in den USA mittlerweile funktioniert", sagte Harold James, Professor an der US-Elite-Universität Princeton, SPIEGEL ONLINE am Rande des Global Economic Symposiums in Kiel. "Die Konsequenzen bekommen auch Europa und andere Regionen zu spüren. Die größte Supermacht der Welt existiert praktisch nicht mehr, sie ist zu einem ineffektiven Akteur auf der internationalen Bühne geworden."

Ähnlich kritisch äußert sich Dennis Snower, selbst US-Amerikaner und Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). "Der Shutdown wird dem Ansehen und der Stabilität der USA schaden, auch die Position des US-Dollars als Weltreservewährung wird dadurch geschwächt", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Die Politiker setzen für ihre Eitelkeiten die Zukunft des Landes aufs Spiel." Es wäre ein Leichtes, die Zahlungsfähigkeit der USA wiederherzustellen, sagte Snower weiter, zum Beispiel seien die Steuern sehr niedrig und müssten nur leicht erhöht werden. "Doch das will offenbar niemand."

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnten, eine dauerhafte Haushaltsblockade im US-Kongress würde auch negative Folgen für die deutsche Wirtschaft haben. "Ich hoffe, dass die Parteien in den USA bald zur Vernunft kommen und ideologisch wieder abrüsten", sagte BGA-Prässident Anton Börner dem "Handelsblatt". Die USA nähmen derzeit "die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft".

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte, die USA seien für die Weltwirtschaft und die deutschen Unternehmen von "herausragender" Bedeutung. Immerhin sei das Land zweitwichtigster Exportabsatzmarkt Deutschlands. Die Erholung der Weltwirtschaft dürfe durch den Haushaltsstreit nicht aufs Spiel gesetzt werden.

ssu/stk/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Das ist der Moment, in dem die USA den Weltmachtstatus verlieren
Bernd Hofmann 01.10.2013
Ein Moment, den Bill Clinton kommen sah: Der Verlust des Weltmachtstatus. Dieses Mal sogar selbst verschuldet. Die EU ist top - auch wenn viele über Griechenland lamentieren. Der Euro ist top, auch wenn ihn viele totreden wollen. Ich freue mich nicht darüber, aber so unspektakulär habe ich mir den Abtritt nicht vorgestellt!
2. China
MarkusMaier 01.10.2013
hat Amerika schon längst als Weltmacht abgelöst. Amerika ist demoliert sich selbst und hatt schon längst keine Demokratie sondern eine Diktatur, die ihre eigene Ermächtigungsgesetzte erlassen hat die angeblich der nationalen Sicherheit dienen sollen. Diesen Einfall hatte schon 1933 eine Partei unter Mr. Präsident Adolf Hitler.
3.
kf_mailer 01.10.2013
was für ein Geschwafel, als ob der Dollar seine Rolle der US Ökonomie verdankt. Es ist wohl vielmehr der Militärapparat, mit dem sichergestellt wird, das jedes Land platt gemacht wird, das den Dollar nicht mehr als Leitwährung akzeptiert und Öl nicht mehr für Dollar handeln will. Was die USA noch haben, ist ein pervertiertes Finanzsystem und jede Menge wertloses privates FED Geld.
4. Kein Problem
kölschejung72 01.10.2013
Für einen strukturell ausgeglichenen Haushalt muss die USA nur 1200-1500 Milliarden Dollar im Jahr weniger ausgeben. Plus das, was dann an konjunkturellen Folgewirkung fehlt. Aufgrund der guten Wirtschaftslage und der historisch niedrgen Zinsen wird das nie wieder so einfach sein wie jetzt. In Deutschland mit ca. 1/4 der Bevölkerung waren das jedes Jahr mindestens 290 Milliarden Euro weniger an Ausgaben pro Jahr. Wohl kein Problem, wenn wir sofort keine Renten, Pensionen, Sozialausgaben und kein Gelf für Verteidigung mehr zahlen Wie sie sehen, besteht eine klare Gefahr, dass es zum Dollarcrash kommt. Denn die USA können die Summe nicht einspaaren und damit aufhören neue Staatsschulden an die Ihre Notenbank zu verkaufen, die dann einfach Geld schöpft. Es hat zwar bisher noch kein Staat in vergleichbarer Situation geschaft, aus dem Sumpf wieder herauszukommen. Mein Tip: Hyperinflation binnen 10 Jahren. Aber mit Chuck Norris als Finanzminister - yes they can...
5. Hinter dem gegenwärtigen Schauspiel
ulrich_frank 01.10.2013
steckt lediglich ein Wirtschaftssystem welches sich selber demontiert - siehe das skrupellose Sponsoring der tea party. Die Superreichen lachen nur noch über Regierung, Staat und Organe - soweit sie sie nicht für sich nutzbar machen können.
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US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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