Sorge um Ansehen der deutschen Wirtschaft Siemens-Chef Kaeser warnt vor Nationalismus

Mit einem Tweet gegen AfD-Fraktionschefin Weidel hatte Siemens-Chef Kaeser im Mai für Aufsehen gesorgt. Nun warnt der Manager erneut vor Nationalismus - dieser gefährde den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands.

Joe Kaeser
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Joe Kaeser


Bei heiklen politischen Fragen halten sich Manager in der Regel zurück. Doch Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich nun erneut deutlich zum Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland geäußert. Er warnte davor, dass Nationalismus und Rassismus in Deutschland salonfähig werden. Das wäre für die Wirtschaft und auch sein Unternehmen verheerend, sagte Kaeser dem Bayerischen Rundfunk. Deutschland lebe vom Export und möglichst offenen Grenzen. Konzerne seien global aufgestellt, mit Mitarbeitern und Kunden jeder Hautfarbe und Religion.

"Es haben damals beim Nationalsozialismus zu viele Menschen geschwiegen, bis es zu spät war. Und das darf uns in Deutschland nicht wieder passieren", sagte Kaeser. Er hatte im Mai mit einem Tweet gegen Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Bundestag für Aufsehen gesorgt.

Weidel hatte damals gesagt: "Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern." Kaeser hatte daraufhin getwittert: "Lieber "Kopftuch-Mädel" als "Bund Deutscher Mädel". Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Hauptquelle des deutschen Wohlstands liegt."

Der "Bund Deutscher Mädel" (BDM) war im Nationalsozialismus eine Organisation für Mädchen. Kaeser berichtete, im Nachgang zu seinem Tweet sei nicht nur er, sondern auch seine Familie beschimpft und bedroht worden.

Kaeser sagte nun im Gespräch mit dem BR, wenn er sich öffentlich gegen rechtspopulistische Äußerungen stelle, gehe es einerseits um seine persönliche Werteordnung, aber auch um die Interessen von Siemens als globales Unternehmen.

"Ich kämpfe nicht gegen die AfD"

Der Konzern erwirtschafte 92 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Deutschland. Politische Entwicklungen hierzulande würden in anderen Ländern sehr genau beobachtet. Darum sei er sensibel, wenn "wir mit nationalistisch-populistischen Äußerungen glauben, dass eben Deutschland - vielleicht sogar Bayern - der Nabel der Welt ist. Aber wir dürfen eben nicht vergessen, dass die Welt unser Zuhause ist und den Wohlstand Deutschlands und im Übrigen auch Bayerns mitgarantiert."

Kaeser sagte, seine Haltung richte sich nicht speziell gegen die AfD. "Ich kämpfe nicht gegen die AfD. Sie ist eine zugelassene Partei und wenn die Menschen Vertrauen haben in diese Partei, dann sollen sie sie wählen. Aber es geht um Rassismus und Ausgrenzung und da hab ich echt ein Thema."

Lob für Trump brachte Kaeser Kritik ein

Während Kaeser für seine jüngsten politischen Äußerungen auch viel Zuspruch bekam, hatte er im Januar noch Kritik einstecken müssen. Damals hatte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump gelobt und diesem dazu gratuliert.

Kaeser kündigte damals mit Verweis auf die US-Steuerreform an, Siemens werde die nächste Generation von Gasturbinen in den USA entwickeln. Noch kurz zuvor hatte der Konzern drastische Kürzungen beim Turbinenbau in Deutschland verkündet.

Die Begeisterung Kaesers für Trumps Wirtschaftspolitik scheint inzwischen aber deutlich abgeflaut. Im Juni kritisierte er den US-Präsidenten für dessen Handelspolitik. "Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets", sagte Kaeser damals.

mmq/dpa

insgesamt 74 Beiträge
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zeisig 11.08.2018
1. Herbeigeredet.
Deutschland ist nicht mehr und nicht weniger nationalistisch als irgendein anderes Land. Der Unterschied besteht allerdings darin, daß bei uns die Journaille wesentlich empfindlicher auf alles reagiert, was von rechts kommt. Was zum Beispiel in Polen normal ist, ist bei uns gleich alarmierend. Man kann Nationalismus auch herbeireden.
dweik01 11.08.2018
2. Der Herr Kaeser
sollte sich vielleicht mehr um sein Geschäft kümmern, um die Frage wie er mit Milliardengewinnen und Werksschließungen nicht auch noch unseren Sozialstaat untergräbt, keine ökonomisch strategisch blödsinnigen Umstrukturierungen vorschlagen, die faktisch nur Luftnummern ohne Strategischen Vorteil sind, nur um den eigenen Bonus zu erhöhen, und vor allem nicht Deutsche Außenpolitik dadurch unterlaufen, daß er dem Trump höchst öffentlich in den Arsch kriecht. Ich finde es unerträglich, mit welcher Kritiklosigkeit und Undifferenziertheit SPON (et alter) hier einem nicht legitimierten Möchtegernpolitiker und Absahner auch noch eine Plattform schaffen, nur um bei gegenteiligem Inhalt anderer wieder in den "Kapitalistensprech" zu verfallen. Das ist höchst willfähriger und beliebiger Journalismus, aber nicht Nachhaltiges oder Qualitatives.
lupo44 11.08.2018
3. wir sollten aufpassen das wir uns nicht links oder rechts .....
Gegenseitig überholen um den jetzigen politischen Verhältnissen in Deutschland und Europa zu gefallen. Es ist doch unumsctritten fest zu stellen,dass ein politischer Umbruch in Europa statt findet.Letzlich auch hervor gerufen durch die Kriege in der Welt und den ständigen Entwicklungen in den USA. Auch Herr Kaeser wird erkennen müssen das die sogenannte europäische Linie in Europa unter den Mitgliedstaaten sehr umstritten ist. So sind die Themen Lohn.Arbeit,Wohnen sowie die Asyl-und Flüchtlingspolitik an Grenzen gestoßen die in der EU einfach weiterhin sehr umstritten sind.Die Meinung das Alle Rechtspopulisten sind die derzeitig den Merkel Kurs sehr skeptisch gegenüber stehen sollte als überholt gelten. Die Geschichte nach Frau Merkel wird dieses ganz klar zu bewerten wissen."Die Diskussion Kopftuch Mädels "wird liebend gern in der heutigen Zeit benutzt um politische Felder zu besetzen und Menschen auf zu bringen gegen etwas was normal ist .Denn Niemand wird etwas gegen Menschen haben die sich ihrer Nationalität wegen anders kleiden,anders beten oder leben wollen.Dabei sollte aber beachtet werden das ich auch die Gegebenheiten des Asyllandes respektieren muß. Das ist eine Selbstverständlichkeit und zeugt von Respekt.Daraus einje "Rechte ,nazistische ,faschistische Tendenz abzu leiten muß man als Pevokation werten.Da wird sicher Herr Kaeser zustimmen.So wird er auch die Äußerungen eines Herrn Erdogan gegenüber Deutschland nicht folgen können."Deutsche sind alles Nazis,Faschisten.In den Moschen in Deutschland läßt er türkischen Nationalismus predigen und politische Gegner in Deutschland bespizeln. Dieses Land will in die EU.Und Türkische Abgeordnete in Deutschland haben für Erdogan "verdorbenes Blut". Das ist ein Beispiel auch für Herrn Kaeser was passieren kann wenn im Ausland .einen Natomitglied dieser Hass nicht versagt wird.
wulfman65 11.08.2018
4. Sein Geschäft
Zitat von dweik01sollte sich vielleicht mehr um sein Geschäft kümmern, um die Frage wie er mit Milliardengewinnen und Werksschließungen nicht auch noch unseren Sozialstaat untergräbt, keine ökonomisch strategisch blödsinnigen Umstrukturierungen vorschlagen, die faktisch nur Luftnummern ohne Strategischen Vorteil sind, nur um den eigenen Bonus zu erhöhen, und vor allem nicht Deutsche Außenpolitik dadurch unterlaufen, daß er dem Trump höchst öffentlich in den Arsch kriecht. Ich finde es unerträglich, mit welcher Kritiklosigkeit und Undifferenziertheit SPON (et alter) hier einem nicht legitimierten Möchtegernpolitiker und Absahner auch noch eine Plattform schaffen, nur um bei gegenteiligem Inhalt anderer wieder in den "Kapitalistensprech" zu verfallen. Das ist höchst willfähriger und beliebiger Journalismus, aber nicht Nachhaltiges oder Qualitatives.
Sie schreiben, er solle sich mehr um sein Geschäft kümmern. Genau das tut er. Interessant, dass Sie auf seine Inhalte gar nicht eingehen. Er verweist auf das Ansehen Deutschlands in der Welt, was für uns als Exportland sehr wichtig ist - und damit direkt sein Geschäft betrifft. Weiterhin spannend, dass Sie es für illegitim halten, dass ein Bürger sich öffentlich zur Politik äussert. Kaeser hat das gleiche Recht wie Sie, öffentlich Stellung zu beziehen...allerdings hat er aufgrund seiner Auslandskenntnisse vermutlich einen fundierteren Background, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass SPON über seine Aussagen berichtet.
pascal3er 11.08.2018
5. Siemens-Chef Kaeser warnt vor Nationalismus
Soso, der Nazist der Menschen ausbeutet, warnt vor sich selber. Geschäft funktioniert doch, also was soll der Müll? Ein Philosoph wird der feine Hr. nicht mehr.
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