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Streit um Stromtrassen: Gabriel wirft Bouffier Torpedierung der Energiewende vor

Hessens Ministerpräsident Bouffier: "Einen Moment stehen bleiben" Zur Großansicht
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Hessens Ministerpräsident Bouffier: "Einen Moment stehen bleiben"

Der Widerstand gegen geplante Stromtrassen wächst - sehr zum Ärger von Wirtschaftsminister Gabriel. Der Vizekanzler kritisiert nach SPIEGEL-Informationen Hessens Ministerpräsidenten Bouffier, der die SuedLink-Leitung infrage gestellt hatte.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) nach SPIEGEL-Informationen davor gewarnt, die Energiewende zu torpedieren. "Wenn SuedLink infrage gestellt wird, dann ist die Energiewende tot, und ich gehe davon aus, dass Herr Bouffier das weiß. Ich halte das für nicht klug, was Herr Bouffier da gesagt hat." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Der hessische Regierungschef hatte am Dienstag bei einer CDU-Veranstaltung den Verlauf der Stromtrasse infrage gestellt. "Wir werden es nicht mitmachen, ganze Regionen in Aufruhr zu bringen, wenn wir nicht wissen, ob wir die Leitung überhaupt brauchen", sagte Bouffier bei einer Versammlung von etwa 60 CDU-Bürgermeistern und Lokalpolitikern im hessischen Neuhof. "Bevor wir ganz in die falsche Richtung fahren, bleiben wir besser erst einmal einen Moment stehen." Falls dann der Nachweis geführt würde, dass die Trasse gebraucht werde, so Bouffier nach der Erinnerung von Teilnehmern, müssten zunächst Alternativen wie die sogenannte Ost-Variante über Thüringen ernsthaft geprüft werden.

Bouffier macht sich damit die Argumente zu eigen, mit denen auch CSU-Chef Horst Seehofer seit Monaten gegen den Trassenausbau kämpft. Doch während Bayerns Ministerpräsident vor allem die sogenannte Süd-Ost-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Gundremmingen nahe Augsburg verhindern will, bremst Bouffier nun bei der zweiten wichtigen Stromautobahn - dem SuedLink von der Nordsee in die wirtschaftsstarken Regionen Bayerns und Baden-Württembergs.

Seehofer steckt Verhandlungslinie ab

Aus Sicht von Gabriel sind beide Gleichstromleitungen zentral für das Gelingen des Projekts. Sie sollen Windstrom vom Norden in die Industriezentren des Südens transportieren. Dort wird es, insbesondere nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke 2022, erhebliche Defizite bei der Energieversorgung geben; steigende Strompreise für Privatverbraucher und die Wirtschaft könnten die Folge sein. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hält den Widerstand gegen die Trassen für gefährlich. "Seehofer riskiert, dass BMW künftig nicht mehr für Bayerische Motorenwerke steht, sondern Bremer Motorenwerke."

Seehofer hatte am Sonntag mit der CSU-Spitze seine Verhandlungslinie für die Gespräche mit Gabriel abgesteckt. Er will erst über den Ausbau der Leitungen reden, wenn die Zusage für mehrere Gaskraftwerke in Bayern vorliegt. Aus bayerischer Sicht sind die nicht nur nötig, um Kernkraftwerke zu ersetzen, sondern auch, um die Netzstabilität zu erhalten, wenn der Windstrom einmal nicht zur Verfügung steht. Zudem, so das Kalkül, entfiele dann die Notwendigkeit, gleich zwei Riesen-Trassen durch Bayern zu legen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
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1. Gleichstromtrassen?
appenzella 14.02.2015
Wer behauptet das? Schaunse mal in oder auf ihrer Datenautobahn nach, wie weit man den transportieren kann. Wenn man allerdings den Gleichstrom in Batterien transportiert, muß man tatsächlich neue Autobahnen bauen, damit den Bayern ein Licht aufgeht. Grüezimo
2.
ir² 14.02.2015
Windstrom ist Zufallsstrom nach Wetterlage, damit kann man keine Kraftwerke ersetzen ! Jede Stromleitung ist nur so gut, wie die Kraftwerke am Einspeisepunkt, also ist eine Windstromleitung nur Geldverschwendung! Süddeutschland muss auf jeden Fall die Gaskraftwerke bauen, denn Windstrom alleine kann keine KKW ersetzen! Von daher ist es normal, dass die Menschen die durch den Verlauf dieser Irrsinnstrassen praktisch enteignet werden – ihre Immobilien werden wertlos – das nicht ohne Widerstand hinnehmen. Die „Energiewende“ ist am Ende, auch wenn man das tapfer weiter leugnet....
3. Bouffier
stand.40 14.02.2015
Prüfen , wie lange soll es dauern ? Wann sind sich 2 Leute einig. Mit Müßiggang kann man auch sein Geld verdienen.
4. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass ...
wibo2 14.02.2015
"Wenn SuedLink infrage gestellt wird, dann ist die Energiewende tot, und ich gehe davon aus, dass Herr Bouffier das weiß. Ich halte das für nicht klug, was Herr Bouffier da gesagt hat." (SPON) Der Bouffier gab eine Distanz-Erklärung zu Suedlink ab. Bei der Energiewende gibt es offenbar derzeit keinen klaren Kurs, um Investitionssicherheit für die Investoren zu bieten. Der ungenügende Netzausbau gefährdet die Versorgung des gemeinen Volkes, da beißt die Maus keinen Faden ab!
5.
rolarndt 14.02.2015
man kann gar nicht glauben, dass in Hessen Grüne in der Landesregierung sitzen.
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