Ex-Vizekanzler Gabriel soll in Verwaltungsrat von Siemens Alstom einziehen

Um China Paroli zu bieten, wollen Siemens und der französische Konkurrent Alstom ihr Zuggeschäft fusionieren. Nun gibt es eine Einigung, welche elf Mitglieder im Verwaltungsrat sitzen sollen. Mit dabei: Sigmar Gabriel.

Sigmar Gabriel
BILAN/ EPA-EFE/ REX/ SHUTTERSTOC

Sigmar Gabriel


Siemens und der französische Konkurrent Alstom haben sich für die geplante Zug-Allianz auf die künftige Zusammensetzung des Verwaltungsrats geeinigt. Unter den sechs von den Deutschen vorgeschlagenen Mitgliedern ist auch der ehemalige Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Das geht aus einer am Dienstagabend verbreiteten gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Unternehmen hervor. Gabriel soll als sogenanntes unabhängiges Mitglied in das Gremium einziehen. Die kommende Hauptversammlung muss den Vorschlägen noch zustimmen.

Gabriel sagte, er freue sich und fühle sich "sehr geehrt". Das Unternehmen werde voraussichtlich Ende des Jahres oder zu Beginn 2019 seine Arbeit aufnehmen. "Für die damit dann beginnende Tätigkeit eines neuen Aufsichtsrates würde ich nach Ablauf eines Jahres nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung zur Verfügung stehen."

Er habe das Karenzzeitgremium des Bundestags rechtzeitig darüber informiert. Die Aufnahme eines Aufsichtsratsmandats könnte also erst frühestens im März 2019 erfolgen - ein Jahr nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung und gut zwei Jahre nachdem er sein Amt als Wirtschaftsminister niederlegte.

Neben Gabriel will Siemenseiner früheren Mitteilung zufolge das Vorstandsmitglied Roland Busch zum Verwaltungsratsvorsitzenden machen lassen. Auch die ebenfalls zum Siemens-Vorstand gehörenden Janina Kugel und Ralf Thomas sowie die Siemens-Managerin Mariel von Schumann sollen in den Verwaltungsrat einziehen. Als weiteres unabhängiges Mitglied schlägt Siemens die bereits in mehreren Verwaltungsräten sitzende Christina Stercken vor.

Die Franzosen nominierten fünf Personen. Sie wollen ihren Chef Henri Poupart-Lafarge im Verwaltungsrat sehen. Dazu sollen als unabhängige Mitglieder Yann Delabriere (Alstom-Verwaltungsrat), Clotilde Delbos (Renault-Finanzchefin), Sylvie Kandé de Beaupuy (Airbus-Managerin) und Baudouin Prot von Boston Consulting kommen.

Siemens und Alstom wollen mit der Fusion vor allem der neuen starken Konkurrenz aus China Paroli bieten. Die Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss allerdings noch zustimmen.

Bereits seit einigen Jahren mischt der neue Zug-Riese CRRC aus China im weltweiten Wettlauf um Bahnaufträge kräftig mit. Das Bahngeschäft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum chinesischen Staatsziel, bis 2025 in allen Schlüsseltechnologien zum Westen aufzuschließen. Der chinesische Hersteller ist alleine etwa doppelt so groß wie das neue kombinierte Unternehmen Siemens/Alstom, das auf gut 15 Milliarden Euro Umsatz und weltweit rund 62.300 Beschäftigte kommt.

aar/vme/dpa/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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dasfred 16.05.2018
1. Eine Entscheidung der Vernunft
Siegmar Gabriel hat sich ja neben seiner Zeit als Politiker sicher im Fernstudium zum erstklassigen Eisenbahnbauer und Vermarkter weiterqualifiziert. Außerdem ist er ja in der Lage, aufgrund seiner öffentlichen Bezüge, dieses Amt vollkommen ehrenamtlich und damit unabhängig auszuüben. Zumindest will ich mal einen Moment dran glauben, dass es noch einen Politiker gibt, der sich sein Ausscheiden aus dem Amt nicht vergolden lässt.
schnulli602 16.05.2018
2. Unerträgliche
Diese Seilschaften zwischen Wirtschaft und Politik sind unerträglich. Posten in der Wirtschaft und gleich zeig ein Mandat im Bundestag Sollten endlich verboten werden. Hr. Gabriel kann dann ja auch nicht wirklich seinem Mandat gerecht werden. Von seinem Wahlkreis ganz zu schweigen. Wenn Hr. Gabriel dort also im Verwaltungsrat sitzen möchte, muss er sein Mandat als Bundestagsabgeordneter zurückgeben.Auch vor dem Hintergrund, dass er (und alle Politiker mit ähnlichen Positionen) alles sind, aber nicht neutral und unabhängig. Und so kommen dann immer die sehr merkwürdigen Kniefälle on Gesetzen vor der Wirtschaft zustande. Geht gar nicht
womo88 16.05.2018
3. Hat man erst einmal das Diplom als Berufspolitiker
Hat man erst einmal das Diplom als Berufspolitiker, dann ist man ausgewiesener Experte für alles. So wie sich jeder Minister innerhalb von Stunden ins tiefste Innere eines anderen Ressorts einarbeiten kann, so geht das auch in der Wirtschaft. Es gibt größere und kleine Vorbilder; siehe Schröder und Roland Koch. M. a. W. mir kommt da die Galle hoch!
mirage122 16.05.2018
4. Auch Rock'n Roller wollen leben!
Keine Frage: Ich gönne unserem Sigi diesen Posten, der sicherlich gut dotiert ist - auch wenn von einem "unabhängigem Mitglied im Gremium" die Rede ist. Er darf allerdings sein Bundestagsmandat auf gar keinen Fall mehr wahr nehmen!
womo88 16.05.2018
5. Plätzchen fürSchulz?
Ist da nicht auch noch ein Plätzchen für Martin Schulz frei? Der benötigt ja auch eine Anschlussverwendung. Und dann die abgehalferten Minister der letzten Regierung? Innenminister, Landwirtschaftsminister .... Da geht doch noch was!?
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