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Mehr Zeit für die Kinder: Deutschlands neue Väter

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Gabriel beim Kita-Besuch (Archivbild): Einmal die Woche muss er selbst ran

Sigmar Gabriel will beides: als Vizekanzler erfolgreich sein und einmal pro Woche seine Tochter von der Kita abholen. Damit wird er zum prominenten Vorreiter einer wachsenden Gruppe von Vätern, die ihr Familienleben nicht mehr komplett dem Beruf unterwerfen.

Hamburg - Kind und Karriere - diese Doppelbelastung gab es früher höchstens für einige ambitionierte Frauen. Väter hatten zwar auch oft beides, doch zumindest fünf Tage die Woche fühlten sie sich ausschließlich für das berufliche Fortkommen zuständig. Papa waren sie höchstens am Wochenende.

Dieses Selbstverständnis befindet sich mittlerweile in einem rasanten Wandel. Zwar arbeiten immer noch mehr als 90 Prozent der erwerbstätigen Väter Vollzeit. Doch der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie ist groß. Schon vor einem Jahr gaben in einer repräsentativen Umfrage 91 Prozent der Väter an, auch unter der Woche mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen. Und immer mehr schaffen es auch, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Das jüngste Beispiel dafür, dass man sich auch in einer Führungsposition Zeit für seine Kinder nehmen kann, ist Sigmar Gabriel. Der 54-Jährige hat im Job nicht gerade wenig zu tun: Er ist SPD-Chef und seit kurzem auch Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler - doch er ist eben auch Vater einer zweijährigen Tochter. Und die wolle er weiterhin einen Tag pro Woche aus der Kita abholen, sagte er jetzt der "Bild"-Zeitung. Seine Frau ist berufstätig, mittwochs sei deshalb er mit dem Abholen dran. So einfach ist das.

Natürlich ist es nicht so einfach. Natürlich ist Gabriels Vorstoß auch eine PR-Aktion. Und natürlich wird es bei ihm Mittwochnachmittage geben, an denen er zu irgendeinem Krisentreffen muss und seine Tochter nicht abholen kann - oder solche, an denen er die meiste Zeit am Smartphone hängt, während seine Tochter darauf wartet, dass er endlich mit ihr spielt. Doch Gabriel scheint zumindest den Vorsatz zu haben, dass es regelmäßig klappt mit der Politikpause.

Das "Wickelvolontariat" wird beliebter

Der SPD-Chef ist nicht der einzige prominente Karrieremann, der mehr Zeit für seine Kinder will. Einen deutlich drastischeren Schritt als Gabriel hat gerade Jörg Asmussen beschlossen: Er war der einflussreichste Deutsche im Führungsgremium der Europäischen Zentralbank in Frankfurt - und gibt diesen Job nun auf, um nach Berlin zurückzukehren. Dort wird er als Staatssekretär im Arbeitsministerium arbeiten. Nicht gerade der schillerndste Job und auch nicht der bestdotierte: Pro Jahr wird Asmussen auf 150.000 Euro verzichten müssen.

Er tue es für die Familie, sagt er, um mehr bei seinen beiden fünf und sechs Jahre alten Töchtern zu sein, die in Berlin leben. Und das muss man ihm wohl so glauben. "Mir ist das total wurscht, ob mich andere für ein Vorbild oder für einen Vollidioten halten", sagte Asmussen dem "Stern".

Tatsächlich stehen Gabriel und Asmussen für eine zunehmende Zahl männlicher Führungskräfte, für die Zeit mit der Familie nicht mehr bloß fehlende Arbeitszeit bedeutet. Immer mehr Väter legen sich ihre Termine so, dass sie ihre Kinder möglichst oft sehen. Und wenn der Laternenumzug der Kita ansteht, nimmt man sich auch schon mal einen ganzen Nachmittag frei.

Wie stark der Drang ist, mehr von den Kindern zu haben, zeigt sich mittlerweile bei der Elternzeit. Einst von konservativen Politikern als "Wickelvolontariat" verspottet, wird das Angebot mittlerweile von 27 Prozent aller Väter angenommen, Tendenz steigend.

Die Politik fördert Teilzeitarbeit

Auch Teilzeitarbeit ist für Väter zunehmend eine Option. Zwar sind bundesweit bisher nur 20 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten männlich, doch die Zahl steigt rasant und hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Die Politik will diese Entwicklung fördern. "Wir brauchen eine neue Arbeitskultur", fordert SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles. Vollzeit müsse neu definiert werden.

Tatsächlich sind im Koalitionsvertrag gleich mehrere Verbesserungen für teilzeitarbeitende Eltern vorgesehen. Wer wegen der Kinderbetreuung von Vollzeit auf Teilzeit wechselt, soll die Möglichkeit bekommen, seine Stunden später wieder aufzustocken. So soll auch Vätern die Angst davor genommen werden, dass sich der Weg in die Teilzeit als Sackgasse entpuppt. Zudem ist beim Elterngeld ein Zuschlag von zehn Prozent geplant, wenn Mutter und Vater ihre Arbeitszeit auf 25 bis 30 Stunden pro Woche reduzieren.

Bei vielen Unternehmen haben es Väter freilich immer noch schwer, mit Teilzeit- oder Elternzeitwünschen durchzukommen. Gerade kleine und mittelständische Betriebe verzichten nur ungern auf die meist wenigen Fachkräfte, die sie haben. Großkonzerne dagegen setzen zunehmend auf die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Ergo-Versicherung etwa hat gerade ein Projekt zum Thema "Führung in Teilzeit" gestartet, das es Vätern ermöglicht, Urlaubs- und Weihnachtsgeld ganz oder teilweise in zusätzlichen Urlaub umzuwandeln.

Bei der Lufthansa sieht man die beruflichen Auszeiten sogar als potentiellen Vorteil für Unternehmen: "Eine aktive Vaterrolle zu übernehmen, fördert oft soziale und emotionale Kompetenz", sagte Personalchefin Bettina Volkens jüngst dem SPIEGEL. "Diese Eigenschaften sind auch im beruflichen Umfeld und für uns als Unternehmen wichtig."

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Gabriel in Teilzeit

Vizekanzler Sigmar Gabriel verbringt mittwochs den Nachmittag mit seiner Tochter. Wie finden Sie das?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
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1. unser siggi ist in jeder hinsicht priviligert
micromiller 04.01.2014
er hat ein riesiges einkommen seine frau ebenfalls und er kann fast alles machen was er moechte. das ist gut fuer ihn, aber kein vorbild fuer die mehrheit der buerger, die sich mit unbezahlbaren energiesteuern, fernsehsteuer und minirenten abkaempfen muessen. siggi hat gesiegt, aber leider nur er...
2. Deutschland neue Väter
patme 04.01.2014
Das hört sich immer schön an. Ein Herr Gabriel hat sicherlich die notwendige Freiheit, dies zu tun. Fragen sie mal ein typisch mittelständisches Unternehmen. Im Übrigen ist dies im Regelfall nicht mit einer Karriereplanung vereinbar.
3. Arbeit - Freizeit - Gleichgewicht
Tina Rich 04.01.2014
Gerne habe ich Freitagnachmittag aufgefangen, dass der Kindergarten schließt und die Kollegin, heute auch immer öfter der Kollege weg muss. Auch die Arbeit nachts oder am Wochenende, von Brückentagen an Feiertagen ganz zu schweigen. Allerdings frage ich mich jetzt, wie wäre es denn, mal über das Arbeit - Freizeit - Gleichgewicht für ALLE nachzudenken? Flexible Wochen- und Lebensarbeitszeiten würden die Ausgeglichenheit bei allen verbessern.
4. Keine Macht dem Titel!
Mac_Beth 04.01.2014
Wie schön wenn Herr Gabriel zumindest versucht mehr Zeit für seine Tochter aufzubringen, wie gut das funktioniert wird man sehen müssen. Inwieweit er deswegen ein Vorbild für andere Väter sein soll ist mir ein Rätsel. Nicht jeder ist in der komfortablen Position ein Vizekanzler zu sein und somit nicht unmittelbar austauschbar. Genügend Leute in mittelständischen oder größeren Betrieben haben diesen Luxus nicht. Unterschiedliche arbeitsrechtliche Optionen wie Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge, etc....machen den Otto-Normal-Arbeitnehmer erpressbar. Außerdem bekommt nicht jeder einen Platz in einer schicken Vorstadt-Kita. Sollte es Herrn Gabriel nicht nur um die Tocher, sondern auch ein Statement gehen, dann zeigt sich wieder einmal wie weit die SPD sich von der normal arbeitenden Bevölkerung entfernt hat. Wer den Arbeitnehmern tatsächlich helfen möchte, muss ihre Rechte stärken und sie weniger erpressbar machen. Maßnahmen wie die Erhöhung des Elterngeldes ändern an der grundsätzlichen Problematik herzlich wenig. Ein anderer Punkt der gerne unter den Teppich gekehrt wird sind auch noch die beteiligten Mütter. Davon gibt es nämlich genügend, die es nicht über das Herz bringen ihr Kind aus der Hand zu geben und sich selbst darum kümmern wollen. Ich finde das bewundernswert und verantwortungsvoll und nicht rückwärtsgewandt.
5. Das kann nur die Obrigkeit
Micael54 04.01.2014
Dass er einmal pro Woche freinehmen will, erzählte Sigmar Gabriel erst nach der Wahl. Würde ein gewöhnlicher Arbeitnehmer einige Wochen nach seiner Einstellung dasselbe erzählen, wäre er noch in der Probezeit und würde hochkantig aus dem Unternehmen fliegen.
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