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Singlewohnungen: Schon jeder Dritte lebt allein

Mietshaus in Berlin: Singlewohnungen sind der häufigste Haushaltstyp Zur Großansicht
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Mietshaus in Berlin: Singlewohnungen sind der häufigste Haushaltstyp

Singlewohnungen sind der häufigste Haushaltstyp in Deutschland: Wie aus dem Zensus 2011 hervorgeht, lebt in mehr als jedem dritten Haushalt nur ein Mann oder eine Frau. Familien wohnen immer seltener zusammen.

Wiesbaden - Die Menschen in Deutschland leben zunehmend alleine: Singlewohnungen sind der häufigste Haushaltstyp in Deutschland. In mehr als jedem dritten Haushalt lebt nur ein Mann oder eine Frau, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter Berufung auf die Vollerhebung Zensus 2011 mitteilte. Besonders oft (42 Prozent) leben die Singles in Großstädten, nur ungefähr jeder sechste Alleinlebende (17,6 Prozent) ist jünger als 30 Jahre. Mehr als jeder Dritte (34,1 Prozent) ist dagegen im Rentenalter, also älter als 64 Jahre.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wohnt zu zweit oder zu dritt. Dabei gibt es mehr als doppelt so viele Zweipersonenhaushalte (33,2 Prozent) wie Dreipersonenhaushalte (14,5 Prozent). Mehr als vier Menschen - egal ob Familie oder WG - wohnen nur in 4,8 Prozent der Haushalte. Gut jeder fünfte Haushalt in der Bundesrepublik ist - ob Single oder Paar - ein reiner Seniorenhaushalt.

Der Zensus ist eine Vollerhebung, die eine Momentaufnahme vom Mai 2011 zulässt. Vergleichszahlen gibt es daher nicht.

In 60,3 Prozent der Haushalte leben Familien zusammen, dazu zählen die Statistiker Paare mit oder ohne Kinder sowie Alleinerziehende mit Kindern. Dabei überwiegen die Familien mit Kindern (32,7 Prozent) im Vergleich zu Familien ohne Kinder (27,6 Prozent).

In 45,1 Prozent der Haushalte leben verheiratete Paare; nicht eheliche Lebensgemeinschaften machen 7,3 Prozent der Haushalte aus. Alleinerziehende bilden 7,8 Prozent der Privathaushalte, wobei es ungefähr fünfmal so viele alleinerziehende Mütter wie alleinerziehende Väter gibt. Eingetragene Lebenspartnerschaften gibt es deutlich seltener als alle anderen Familienformen (insgesamt gut 29.000). Nur in knapp 9,6 Prozent der eingetragenen Lebenspartnerschaften leben Kinder.

Unter den Familien mit Kindern dominiert die Ein-Kind-Familie (54,4 Prozent), dabei schwankt der Anteil zwischen 47,7 Prozent bei verheirateten Paaren und 69,3 Prozent bei alleinerziehenden Müttern, wohingegen der Anteil bei alleinerziehenden Vätern 76,2 Prozent betrug. Unter den Familien mit zwei Kindern finden sich am häufigsten Ehepaare mit Kindern (39,2 %).

22,0 Prozent der Privathaushalte sind Seniorenhaushalte. Das heißt, hier leben ausschließlich Personen im Alter von über 64 Jahren. In 69,1 Prozent der Privathaushalte gibt es keine Seniorinnen und Senioren. Dagegen leben in 8,9 Prozent der Haushalte Seniorinnen und Senioren sowie Jüngere zusammen. Die über 64-Jährigen verteilen sich zu 95,6 Prozent auf Privathaushalte und nur zu 4,4 Prozent auf Gemeinschafts- und Anstaltsunterkünfte. Dabei ist zu beachten, dass zu den Privathaushalten zum Beispiel auch Altenwohnheime gezählt werden, wenn eine eigenständige Haushaltsführung stattfindet.

nck/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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1. Die Gesellschaft
WILHHERDE 28.05.2014
löst sich auf. Schöne neue Welt. Alle sind für sich allein glücklich.
2. Und woher kommt's?
zaphod1965 28.05.2014
Von den Arbeitnehmern wird unbegrenzte Flexibilität verlangt und man schickt sie quer durch die Republik (die Telekom in Form der T-Systems macht das extrem häufig). Ich habe leider schon viele Ehen und Familien an diesem "Job-Modell" zerbrechen sehen.
3. Nicht vergessen ...
hj.binder@t-online.de 28.05.2014
die verheerende Hartz-IV-Gesetze bringen die Menschen auseinander. 2 Erwachsene, beide im Hartz-IV-Bezug, beide Aufstocker, da Mini-Lohn in mittelständischen Betrieben. Ziehen sie zusammen verliert die Frau ihren Hilfeanspruch ("Bedarfsgemeinschaft") sie wird als Anhängsel von ihm berechnet mit etwa 150 Euro pro Monat weniger. Lebt sie allein in einer Wohnung wird sie als Einzelperson behandelt.
4.
women_1900 28.05.2014
Zitat von zaphod1965Von den Arbeitnehmern wird unbegrenzte Flexibilität verlangt und man schickt sie quer durch die Republik (die Telekom in Form der T-Systems macht das extrem häufig). Ich habe leider schon viele Ehen und Familien an diesem "Job-Modell" zerbrechen sehen.
Nicht nur T-Systems. Und ja Ehen halten das selten aus. Meine Ehe hats nicht mehr vertragen, daß wir uns beide plötzlich jeden Abend gesehen hatten. Nach über 30 Jahren war dann Schluss, auseinander gelebt.
5.
aquarelle 28.05.2014
Zitat von sysopDPASinglewohnungen sind der häufigste Haushaltstyp in Deutschland: Wie aus dem Zensus 2011 hervorgeht, lebt in mehr als jedem dritten Haushalt nur ein Mann oder eine Frau. Familien wohnen immer seltener zusammen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/singlewohnungen-sind-der-haeufigste-haushaltstyp-in-deutschland-a-972128.html
Und das soll jetzt etwas schlimmes sein? Man braucht nicht zwangsläufig einen Partner um glücklich zu sein. Ich persönlich sehe beim Leben allein ausschließlich Vorteile. Zudem halten Ehen heutzutage eben nicht mehr ewig, was diese Situation ebenfalls erklären könnte.
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Zensus 2011: So läuft die Volksbefragung ab

Der Zensus 2011
Wer wird befragt?
  • Haus- und Wohnungseigentümer - und zwar alle (haus- und wohnungsspezifische Fragen)
  • Wohnungsunternehmen (dito)
  • Wohneinrichtungen (z.B. Studentenwohnheime oder Gemeinschaftsunterkünfte)
  • Sensible Sonderbereiche (z.B. Flüchtlingslager, psychiatrische Kliniken, Hospize, Kinderheime, Gefängnisse etc.): Hier werden nicht die Bewohner/Insassen selbst befragt, sondern die Einrichtungsleitung gibt Auskünfte über die Bewohner
  • Bürger: circa 7,9 Millionen Bürger (circa zehn Prozent der Bevölkerung) werden für eine Stichprobe ausgewählt und von Interviewern besucht
  • Insgesamt werden rund 30 Prozent der Bevölkerung an den Zensus-Befragungen teilnehmen
Was wird erfasst?
  • Demografische und geografische Merkmale der Bürger (Persönlichkeitsmerkmale, Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund etc.)
  • Erwerbs- und bildungsstatistische Merkmale (unter anderem Beruf, Erwerbsstatus, Karrierestatus, Bildungsniveau)
  • Haushalts- und familienstatistische Merkmale (Merkmale der Familie, Stellung in der Familie, Haushalts-Typus und -größe etc.)
  • Gebäude- und wohnungsstatistische Merkmale (Art, Größe, Wohneinheiten, Bewohnerzahl, Besitzstatus, Ausstattung etc.)
  • Deutsche Sonderfragen: rechtliche Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaft, Glaubensbekenntnis, erweiterter Migrationshintergrund
Wie werden die Daten gesammelt?
  • Das Gros der Daten wird über staatliche Datenbanken erfasst, die sonst nicht miteinander verbunden sind. Dazu zählen Erwerbsregister (Bundesanstalt für Arbeit, Datenbanken der öffentlichen Arbeitgeber) und Melderegister.
  • Dazu kommt die Befragung von Bürgern, Wohnraumeigentümern, Wohnungsunternehmen und der Leitung von Wohneinrichtungen.
Wann kommt der Zensus 2011?
  • Er hat bereits begonnen: Die Übermittlung und der Abgleich von Melderegisterdaten, der Grundsteuer- und Grundbuchämter, die Generierung der Listen von Wohnrauminhabern etc. läuft bereits seit 2008.
  • Stichtag der Befragung ist aber der 9. Mai 2011: Alle im Zensus erfassten Daten beziehen sich auf den Status quo an diesem Tag. Der 9. Mai markiert den Beginn der Befragungen, der Erhebungsphase des Zensus.
  • Wohnraumbesitzer geben postalisch Auskunft. Die Zensus-Organisatoren rechnen mit einer Datenerfassungsphase von bis zu 15 Monaten.
  • An der Wohnungstür der 7,9 Millionen ausgewählten Bürger, die direkt befragt werden sollen, kann es ab dem 9. Mai klingeln - die Erhebungsphase wird sich hier bis zu 12 Monate ziehen.
Warum kommt der Zensus?
  • Der Zensus 2011 soll die Basisdaten für Analysen liefern, die wiederum die Grundlage für Entscheidungen bei der Planung der vom Staat bereitgestellten Infrastrukturen bilden.
  • Er dient der Korrektur der per Mikrozensus, Erwerbs- und Melderegister erhobenen Bevölkerungsdaten. Die wiederum sind Basis für Regelungen wie den Länderfinanzausgleich, die Einteilung der Bundestagswahlkreise, die Stimmenverteilung der Bundesländer im Bundesrat oder die Sitze Deutschlands im Europaparlament.
  • Er dient dem Staat auch als Wohlstands-Inventur, indem er Auskunft über Wohnverhältnisse gibt, aber auch über Qualifikation und Arbeitsstatus der Bevölkerung.
  • Der Zensus ist nicht zuletzt die Umsetzung der EG-Verordnung 763/2008 in deutsches Recht und Praxis: Die EU hat damit ihre Mitgliedsländer zur Erfassung definierter Zensus-Daten in zehnjährigem Turnus verpflichtet.
Was bringt der Zensus?
Der Staat gewinnt zuverlässige Daten, die er für die bedarfsgerechte Planung in Politik und Verwaltung zu brauchen glaubt. Diese Daten betreffen die Bereiche:

  • Aktuelle, verlässliche Zahlen zur Bevölkerung (inklusive Heimbewohner, Wohnheime für migrierende Arbeitnehmer oder nichtgemeldete Pendler, Haftanstalten etc.)
  • Demografische Daten über die Bevölkerung (inklusive Details über familiäre Strukturen, sogenannte Verzeigerungen - persönliche Verbindungen zwischen Menschen, die den Melderegistern nicht immer zu entnehmen sind)
  • Sozioökonomische Daten (inklusive Fragen wie: Wie gut oder schlecht geht es den Haushalten wirklich?)
  • Daten zur Wohn- und Wohnungssituation


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